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Außenminister Steinmeier im Portrait: Stilles Kraftpaket

Außenminister Steinmeier im Portrait : Stilles Kraftpaket

Berlin (RP). Frank-Walter Steinmeiers energisches Agieren in Nahost unterstreicht, warum er es binnen weniger Monate auf Platz eins der Liste mit den beliebtesten deutschen Politikern geschafft hat.

Als es letzten Herbst aus war mit Rot-Grün, wusste Gerhard Schröder sehr schnell, dass er Land und Partei noch ein paar Dienste erweisen könnte, indem er seinen Verzicht teuer verkaufte: Auf diese Weise kam die CDU-Kanzlerin zu einer faktischen Übermacht der SPD im Kabinett und SPD-Chef Franz Müntefering zu einem dick unterstrichenen Namen in seinem Notizbuch.

Viele waren für den Prestige-Posten des Außenministers gehandelt worden, am wenigsten derjenige, der es dank Schröder dann wurde: Frank-Walter Steinmeier. Anfangs weitgehend unbekannt, ist er jetzt Deutschlands beliebtester Politiker. Seit der Absage der Syrienreise noch ein wenig mehr.

"Seine Effizienz" hatte vom kleinen Medienreferenten in der niedersächsischen Staatskanzlei bis zum Kanzleramtschef immer bewiesen, dass das Managen im Hintergrund sein Metier ist.

Würde er den Wechsel zum weltweiten Aushängeschild deutscher Politik schaffen? Gleich nach dem Start im neuen Amt kam es für ihn knüppeldick: Spektakuläre Entführungen (Osthoff, Chrobog) zeigten Steinmeier im Krisenstab-Stress. Dann der Verdacht, er könne als Geheimdienstkoordinator etwas mit angeblichen BND-Verstrickungen in den US-Irakkrieg zu tun gehabt haben. Ende Januar war ein sichtlich angefressener Steinmeier zu besichtigen.

Keine sieben Monate später ist er Deutschlands beliebtester Politiker, und das schon zum wiederholten Mal. Per Live-Schaltung erklärt er in den Hauptnachrichtenmagazinen aus den entfernten Winkeln der Welt den Kurs der deutschen Außenpolitik.

TV-Arbeit nach US-Vorbild

Diese Bildschirmpräsenz scheint seine Antwort auf die spezielle Herausforderung zu sein, eine möglichst breite Basis für sein Tun zu finden, ohne irgendwie in Partei oder Fraktion verankert zu sein.

Aber Steinmeier unterfüttert die TV-Arbeit nach US-Vorbild auch mit Offenheit in den Bundestags-Ausschüssen, die er regelmäßig mit Informationen versorgt. Selbst aus der Opposition ist kaum Kritik zu vernehmen, und beim früheren politischen Gegner, der Union, überwiegt der Respekt.

Gerade in Nahost hatte sich Vorgänger Joschka Fischer profiliert. Aber auch der hatte schon seine Probleme mit Damaskus. Als er während seiner ersten Nahostreise Syriens Staatschef Assad treffen wollte, ließ dieser ihn so lange vor der Türe warten, dass der gesamte Zeitplan durcheinander geriet.

Die jetzige Absage der Syrien-Reise kurz vor dem Start zeigt, wie sehr sich Steinmeier freigeschwommen hat. Er ist durchaus bereit, auch neue Wege auszuprobieren, um im Nahen Osten voranzukommen. Er versucht, Syrien ein wenig den Hof zu machen, um es mit in die Friedens-Verantwortung einzubauen. Aber er ist nicht so verliebt in seine Idee, dass er die Symbole zu leichtfertig verteilt. Als der syrische Amtskollege ihn Dienstag Nachmittag fragt, ob Steinmeier die Besuchsabsage öffentlich vielleicht so begründen könne, dass der Name Assad nicht darin vorkomme, meint Steinmeier: "Sie scherzen!"

Selbstbewusst ackert er im Dienste Deutschlands. Er betont, dass er sich nie um ein Amt beworben habe, ihm dies jedesmal angeboten worden sei. Ist es da auszuschließen, dass noch eine Bitte folgt? Derzeit beeilen sich die SPD-Granden, Parteichef Kurt Beck als geborenen Kanzlerkandidaten zu empfehlen. Doch bis 2009 kommen noch viele Tage, an denen Steinmeier zeigen kann, dass er in der ersten Reihe der Macht kraftvoll eigene Akzente zu setzen vermag.

(Rheinische Post)