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Zehn Prominente zum SPD-Jubiläum: Sticheleien von Herzen

Zehn Prominente zum SPD-Jubiläum : Sticheleien von Herzen

Üblicherweise beschimpft die politische Konkurrenz die SPD wahlweise als Gleichmacher oder Sozialstaatsvernichter. Heute aber wird Geburtstag gefeiert. Anlass genug für Politiker anderer Parteien, die Sozialdemokratie zu loben. Wenn auch nicht ohne versteckte Gemeinheiten. Wir haben zehn Stimmen gesammelt.

Die SPD feiert an diesem Donnerstag in Leipzig mit einem großen Festakt ihren 150. Geburtstag. 1600 Gäste sind gekommen, um die Verdienste der Sozialdemokratie zu würdigen, darunter Kanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Joachim Gauck oder der französische Staatspräsident Francois Hollande.

Dem Anlass entsprechend lässt sich selbst die politische Konkurrenz zu einem Lob hinreißen. Dass sich unter den Gratulationen auch der ein oder andere versteckte Seitenhieb versteckt, ist wohl dem Metier der Politik geschuldet. Wir haben zehn Stimmen prominenter Politiker gesammelt.

CSU-Chef Horst Seehofer:

"Als altgedienter 'Herz-Jesu-Sozialist' beglückwünsche ich die SPD zum runden Geburtstag", schrieb der CSU-Chef in einem Gastbeitrag für die "Leipziger Volkszeitung". Er wisse aus persönlicher Erfahrung, was für eine schöne Aufgabe es sei, die Anliegen der arbeitenden Menschen und ihrer Familien in der Politik zu vertreten. In Bayern gebe es dafür die CSU.

Umweltminister Peter Altmaier via Twitter:

Ich gratuliere der SPD zu ihrem 150. Geburtstag! Sie hat früher Vieles richtig gemacht! Deshalb kann man ihr heute nicht richtig böse sein!

Vizekanzler und FDP-Chef Philipp Rösler:

In einem Statement für Spiegel Online schrieb Rösler: "Gerade heutzutage (…) scheint es, als ginge die Balance zwischen den Belangen des Einzelnen und den vermeintlichen Interessen der Gemeinschaft verloren. Zweifellos aber wird die SPD weiter gebraucht - als gute, starke Oppositionspartei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU):

Die Kanzlerin würdigte die SPD in der Leipziger Volkszeitung ganz ohne Zwischentöne als "streitbare und unbeugsame Stimme der Demokratie in Deutschland". Zu ihrem Jubiläum gratuliere sie der SPD "im Namen der CDU Deutschlands wie auch persönlich von Herzen", schrieb Merkel.

CDU-Staatssekretär Steffen Kampeter:

"Die SPD war stark, wenn sie mitgemacht hat. Aber nicht, wenn sie sich an die Seite von Neinsagern und Blockierern gestellt hat”, schrieb Kampeter in einem Gastbeitrag für die Neue Westfälische.

Parteienforscher Franz Walter in einem Gastbeitrag für unsere Redaktion:

"Sie (die SPD, die Red.) hat sich auf dem Markt der Politik im Parteienwettbewerb über 150 Jahre auf der nationalen Ebene nicht nur behauptet, sie war zeitweilig sogar Marktführer. Keine andere Ware auf irgendeinem Markt in Deutschland kann eine ähnliche Erfolgsstory vorweisen."

Oskar Lafontaine (Linke) kartet nach:

In einem Beitrag für Spiegel Online kann Lafontaine seiner früheren Partei selbst am Jubiläumstag nichts Gutes abgewinnen: "Leider hat die SPD mit ihrer Agenda-Politik die Verschlechterung der Lebensbedingungen vieler Arbeitnehmer und Rentner selbst herbeigeführt. Steinbrück, Gabriel und Steinmeier verteidigen diese Politik bis zum heutigen Tag. (...) Millionenfache Altersarmut ist vorprogrammiert, und die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich hat ein bisher nicht gekanntes Ausmaß erreicht."

Bundespräsident Joachim Gauck beim Festakt in Leipzig:

Der parteilose Bundespräsident würdigte die SPD in Leipzig als treibende Kraft bei der Durchsetzung von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. "Es war die SPD, die auf Reform statt auf Revolution setzte. Und es war die SPD, die den mühsamen und schließlich mehrheitsfähigen Weg beschritt, das Leben der Menschen konkret Stück für Stück zu verbessern, anstatt utopische Fernziele zu proklamieren", sagte Gauck.

Marina Weisband (Piraten) bändelt an:

In einem Beitrag für Spiegel Online spricht die frühere Geschäftsführerin der Piraten den Sozialdemokraten Mut zu: "Die SPD hat sich nicht erledigt, und so leicht kommt ihr aus der Nummer nicht raus. Denn nach 150 Jahren haben sich die Probleme, aufgrund derer die Partei sich gegründet hat, nicht erledigt. (…) Lasst euch nicht unterkriegen, lasst euch nicht kaufen, lasst uns zusammen Gesellschaft gestalten!"

Grünen-Chefin Claudia Roth beschwört Rot-Grün:

Die SPD habe "nach langen Jahren mit Mehltau und Saumagen-Behäbigkeit viel geleistet für die soziale Demokratie", schrieb Roth in der "Leipziger Volkszeitung". Die SPD habe sich mutig den Nazis entgegengestellt, mehr Demokratie gewagt "und mit uns Grünen diese Gesellschaft ab 1998 nach vorne gebracht".

Ob so oder so. An diesem Donnerstag kann sich die SPD feiern lassen. Beim Festakt in Leipzig sprechen neben Parteichef Sigmar Gabriel auch der französische Staatspräsident und Sozialist François Hollande. Das Grußwort hielt Bundespräsident Joachim Gauck. Zur Eröffnung wurde die Nationalhymne gespielt.

(pst)