Sterbehilfe: Hermann Gröhe warnt vor "Verklärung der Selbsttötung"

Debatte über Sterbehilfe : Gröhe warnt vor "Verklärung der Selbsttötung"

Kurz vor der Bundestagsdebatte über die Sterbehilfe hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vor einer "Verklärung der Selbsttötung" gewarnt. Der ehemalige Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) spricht sich gegen eine Ausweitung der bestehenden Regelungen aus.

Den Suizid als "Akt wahrer Freiheit zu verklären, ist mir sehr fremd", sagte Gröhe am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Der Wunsch zu sterben entstehe oft aus Angst vor Schmerzen oder Angst vor dem Alleinsein. Dem könne aber mit besserer Hospizarbeit und besserer Palliativversorgung begegnet werden.

Gröhe sagte zu den Bestrebungen, eine liberalere Regelung der Sterbehilfe festzuschreiben: "Wir gehen einen Irrweg, wenn wir glauben, man kann die Tür einen kleinen Spalt öffnen". Sterbehilfe könne dann leicht zu einer "Behandlungsvariante" werden.

Der Bundestag debattiert am Vormittag vier Stunden lang das Thema Sterbehilfe. Dabei geht es auch um Zulassung oder Verbot der Sterbehilfevereine, die Suizidbeihilfe anbieten. Entschieden werden soll in der Frage im kommenden Jahr, dabei sollen die Abgeordneten frei von Fraktionszugehörigkeit entscheiden.

"Die Regelung, die wir heute haben, ist gut", sagte Müntefering am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur mit Blick auf die Bundestagsdebatte zur Sterbehilfe. Aus heutiger Sicht solle man daher besser keine "weitergehenden Dinge" eröffnen.

Die Möglichkeit einer Beihilfe zur Selbsttötung bei begrenzter Lebenserwartung hält der SPD-Politiker für problematisch: "Jetzt ist die Frage: Was ist das? Sind das drei Tage oder sind das drei Jahre?
Ist die Diagnose auf Eierstock-Krebs eine begrenzte Lebenserwartung, ist Demenz eine begrenzte Lebenserwartung?" Jeder Fall sei individuell.

Es sei gut, dass es die Debatte über Sterbehilfe gebe, sagte der ehemalige Vizekanzler. Aber: "Ich glaube, dass wir nie aus den Augen verlieren dürfen, jeder Mensch ist ein Unikat, jedes Leben und jedes Sterben ist ein Unikat. Und ich halte es für schwer, für fast unmöglich, Kategorien zu bilden, wo Abgeordnete, wo der Gesetzgeber beschließt 'Wenn folgender Tatbestand eingetreten ist, dann darf jemand sterben, wenn der nicht eingetreten ist, dann darf er nicht sterben'. Das sind Kategorisierungen, die ganz schwierig sind."

Müntefering verwies auch noch einmal auf das, was Hospize und Palliativmedizin leisten können: "Es geht nicht nur um Schmerzen, es geht auch um Not. Und Hospiz bedeutet Zeit haben, die Menschen an die Hand nehmen zu können und bei ihnen zu sein." Auch die Palliativmedizin könne "vieles, vieles" leisten. An dieser Stelle müssten die Menschen allerdings auch selbstbestimmt handeln und "mit Patientenverfügung klären, wie weit sie eigentlich gehen wollen - ob man lebensverlängernde Maßnahmen auf jeden Fall will oder nicht."

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(KNA)
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