Das Berater-Netzwerk des Fast-Kandidaten: Steinmeier bringt sich in Stellung

Das Berater-Netzwerk des Fast-Kandidaten : Steinmeier bringt sich in Stellung

Berlin (RP). Außenminister Frank-Walter Steinmeier muss als Kanzlerkandidat der SPD enger an seine Partei rücken. Dabei soll ihm ein enges Netzwerk von Vertrauten und Beratern aus der politischen Heimat Niedersachsen helfen. An der Spitze steht Altkanzler Gerhard Schröder.

Der Weg zum Außenminister ist selten versperrt. Deutschlands Chef-Diplomat Frank-Walter Steinmeier lässt die Tür zu seinem Büro in der zweiten Etage des Auswärtigen Amts offen. Er mag die "amerikanische Diskussionskultur", erzählt ein enger Mitarbeiter. Pressesprecher, Redenschreiber, Büroleiter - wer zum Chef will, hält kurz den Kopf ins Büro. Meist nickt der Mann mit dem weißen Haar dann. "Steinmeier tauscht sich oft aus und holt sich gerne Rat", heißt es.

Darauf ist der Vize-Kanzler künftig auch verstärkt angewiesen. Außerhalb der Außenpolitik. Denn Steinmeier muss in wenigen Monaten werden, was er gefühlt längst ist: Kanzlerkandidat der SPD. Als Frontmann einer arg gebeutelten Traditionspartei muss der 52-jährige Jurist, bekannt als besonnener, effizienter Manager, ein Mann für die "Seele" der Partei werden, ein leidenschaftlicher Vorkämpfer für die Sozialdemokratie. Von Libanon-Krise und Tibet-Diplomatie muss er blitzschnell auf Altersteilzeit, Armutsbericht oder Andrea Nahles umschalten können.

Ein enges Netz an Vertrauten aus seiner niedersächsischen Heimat soll ihm dabei helfen. An der Spitze steht Altkanzler Gerhard Schröder. Der holte den aufstrebenden Göttinger Juristen Steinmeier 1991 als Referent in die Staatskanzlei Hannover. Später wurde Steinmeier Schröders Büroleiter und 1999 sein Kanzleramtschef. "Mein bester Mann" soll der Altkanzler einst über den fleißigen, integren Zuarbeiter gesagt haben. Heute treffen sich beide regelmäßig zum Glas Rotwein in Steinmeiers Eigentumswohnung in Hannovers Stadtteil List oder auf Veranstaltungen gemeinsamer Freunde, wie zuletzt auf der Hochzeit von Ex-SPD-Chef Matthias Platzeck in der Uckermark.

Zur "Niedersachsen-Connection" von Steinmeier, der in der Nähe von Detmold in Nordrhein-Westfalen geboren wurde, gehören auch SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann, Freund aus gemeinsamen Göttinger Studententagen, sowie SPD-Generalsekretär Hubertus Heil aus Peine. Oppermann soll bereits am Wahlprogramm für Steinmeier feilen, berichteten Medien neulich aufgeregt. Tatsächlich hatte der Fraktionsmanager aber nur in einer Arbeitsgruppe mitgewirkt, die Strategien für die SPD aufzeigen sollte. Und der Staatskanzlei-Chef von SPD-Chef Kurt Beck, Martin Stadelmaier, war auch dabei.

Hubertus Heil gilt als Vertrauter Steinmeiers im Willy-Brandt-Haus. Heil wurde von Steinmeier-Freund Matthias Platzeck als Generalsekretär installiert. Zusammen mit Finanzminister Peer Steinbrück sind Steinmeier, Heil und Platzeck Herausgeber der "Berliner Republik", dem Organ der reformorientierten SPD-Netzwerker. Manchmal ruft der Außenminister vom anderen Ende der Welt "Thomas" oder "Hubi" an, um sich über die neuen Ideen der SPD-Linken auf dem Laufenden zu halten.

Zum Team Steinmeier gehören außerdem zwei Top-Beamte, Heinrich Tiemann und Stephan Steinlein. Tiemann ist der geräuschlose Manager im Hintergrund, er koordiniert als Staatssekretär die SPD-Minister der Bundesregierung und leitet das Büro des Ministers. Der 57-jährige Jurist und Politikwissenschaftler aus Schwaben hat, was Steinmeier fehlt: Stallgeruch. Tiemann kennt die sozialdemokratische Seele. Er leitete die Abteilung Grundsatzfragen im Vorstand der IG Metall. Später kümmerte er sich als Abteilungsleiter und Staatssekretär im Sozialministerium um die Leib- und Magenthemen der SPD. Tiemanns Kontakte zu den Gewerkschaften sind bis heute exzellent.

Neben Tiemann zieht Stephan Steinlein als Chef des Leitungsstabes die Fäden für Steinmeier. Er ist, wie Steinmeier auch, ein engagierter protestantischer Christ und Sohn eines der führenden Köpfe des kirchlichen Widerstands gegen die SED-Diktatur, Reinhard Steinlein.

Um die öffentliche Wahrnehmung des Fast-Kandidaten kümmert sich neben Steinmeiers neuem Sprecher Jens Plötner auch Redenschreiber Uli Deupmann. Der ehemalige Redakteur der "Süddeutschen Zeitung", der "BamS" und des "Spiegel" ist der inoffizielle Beauftragte für Botschaften und Begriffe. Der Westfale macht aus dem diskreten Diplomaten Steinmeier, der als Außenminister den ruhigen Ton bevorzugen muss, zwar keine Rampensau, aber doch einen respektablen Wahlkämpfer.

Ein Vorgeschmack war die "gedruckte Kaufhausmusik" mit der Steinmeier griffig das CDU-Grundsatzprogramm kritisierte. Von solchen Slogans wird er bald mehr brauchen, will er gegen die populäre Kanzlerin einen Bundestagswahlkampf gewinnen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Frank-Walter Steinmeier