Rheinlandskeptiker gründen Partei: Steht auf, wenn ihr Westfalen seid

Rheinlandskeptiker gründen Partei : Steht auf, wenn ihr Westfalen seid

Düsseldorf (RPO). Die Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen war keine Liebesheirat, sondern eine von den britischen Besatzern befohlene Zwangsehe. Mehr als 60 Jahre danach regt sich politischer Widerstand: Die Westfalenpartei will gegen die Bevormundung aus Düsseldorf vorgehen. Am Samstag ist Gründungsparteitag.

Die Bayern haben eine. Die Friesen ebenfalls. Und seit kurzem auch die Franken. Am Samstag sind die Westfalen an der Reihe: Sie bekommen ihre eigene Partei. Wenn die "Die Westfalen" aus der Taufe gehoben wird, steht Werner Szybalski an vorderster Front — mit geballter Faust in der Tasche. "Hintergrund für die Parteigründung ist die Situation im Bindestrich-Land NRW. Hier ist die Verteilung zwischen dem Rheinland und Westfalen in den letzten Jahren ungleich gelaufen", erklärte der Journalist, Ex-Sozialdemokrat und Ex-Grüne, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Das will Szybalski nun ändern. "Die Westfalen sollen Gerechtigkeit erfahren", fordert der Initiator der Bewegung. Immerhin habe das Rheinland "in Bereichen wie Infrastruktur, Kultur und Medien immer die Nase vorn." Seine ländliche Heimat mit ihren acht Millionen Einwohnern gerate dabei etwas aus dem Blick, wie allein das Beispiel der beiden Großflughäfen in Köln und Düsseldorf zeige. Ihre westfälischen Konkurrenten in Dortmund oder Paderborn können da nicht mithalten. Oder die Hochgeschwindigkeitszugstrecke von Köln nach Frankfurt. Zwischen Münster und Bielefeld tuckert die Diesellock.

Ist NRW also mehr 60 Jahre nach der Gründung ein Bindestrich-Land der zwei Geschwindigkeiten? Sicherlich, die bodenständig-schnörkellosen Westfalen und die fröhlich-oberflächlichen Rheinländer - allein von den Mentalitäten her gibt es den ein oder anderen Unterschied. Aber das war der britischen Besatzungsmacht nach dem Krieg egal. Die preußische Provinz Westfalen und der Nordteil der Rheinprovinz wurden zu einem Kunstgebilde fusioniert. Dabei hatte man durchaus einen Hintergedanken: Das Ruhrgebiet sollte als Ganzes erhalten werden. Bis jetzt kamen dabei mehr als 60 nicht ganz einfache, aber in der Summe erfolgreiche Jahre heraus.

Szybalski betont, dass er gegen die Rheinländer keinerlei Groll hege - und das Westfalen vom Beginn des 19. Jahrhunderts will er ebenfalls nicht zurück. Erste programmatische Entwürfe für die Zukunft von Nordrhein-Westfalen hat der 48-Jährige bereits in der Schublade: "Unser Ansatz ist, dass die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mehr Kompetenzen erhalten."

Kurz gesagt: Was sie Regionen, Kommunen und Kreise selbst regeln können, sollen sie auch selbst regeln. Dazu gehören seiner Ansicht nach mehr Spielräume in der Sozial- und Steuerpolitik. Außerdem sollen die Menschen zwischen Ems und Rhein künftig mehr direkten Einfluss auf die Politik nehmen können: Geringere Hürden für Bürgerbegehren, direkte Wahlen vom Bürgermeister bis zum Ministerpräsidenten. Die Aufteilung des Landes in drei Bezirksregierungen soll ebenfalls gestoppt werden.

Der erste Schritt dazu steht Samstag in der Gaststätte "Franziskaner" an. Bei Pils, nicht bei Alt, soll die Gründung der Partei vollzogen und ein Programm verabschiedet werden. Außerdem wollen "Die Westfalen" die ersten Kandidaten für die Landtagswahl im kommenden Mai aufstellen. Chancen? "Keine. Wir sind noch lange nicht soweit", gibt Szybalski unumwunden zu. Ein Achtungserfolg wäre wünschenswert - er registriere eine große positive Resonanz.

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