Wird sie im Herbst erneut Ministerin?: Spekulationen über Schavans Comeback

Wird sie im Herbst erneut Ministerin? : Spekulationen über Schavans Comeback

In der Union kursiert das Gerücht, dass die nach dem Entzug ihres Doktortitels zurückgetretene CDU-Politikerin Annette Schavan im Herbst erneut Bundesministerin werden könnte. Voraussetzung: eine juristische Rehabilitation.

Angela Merkel sparte nicht mit Lobeshymnen, als sie den Rücktritt ihrer Vertrauten Annette Schavan kommentieren musste. "Sehr schweren Herzens" habe sie das Rücktrittsgesuch angenommen, sagte Merkel. Von "ganzem Herzen" danke sie Schavan für "außerordentliche Leistungen".

Annette Schavan, im niederrheinischen Jüchen geboren, in Neuss aufgewachsen und in Baden-Württemberg als Kultusministerin politisch bundesweit bekannt geworden, war im Februar als Bundesbildungsministerin zurückgetreten, nachdem die Universität Düsseldorf ihr wegen "vorsätzlicher Täuschung" in ihrer Dissertation den Doktortitel aberkannt hatte. Das Urteil sorgte in der Wissenschaftsszene für Aufruhr, zahlreiche Experten kritisierten das Verfahren und den Entzug des Titels der vor 33 Jahren geschriebenen Arbeit. Schavan reichte eine Klage vorm Verwaltungsgericht Düsseldorf ein.

Nun wird in der Union über ein Comeback der Frau spekuliert, die zu den wenigen Personen in Berlin gehört, die mit Angela Merkel freundschaftlich verbunden sind. Sollte das Verwaltungsgericht Düsseldorf Schavan rehabilitieren, etwa, indem es schwere Mängel in dem Plagiatsverfahren der Hochschule feststellt oder gar die Aberkennung des Doktortitels widerruft, könnte Schavan bei einer Neuauflage von Schwarz-Gelb Entwicklungshilfeministerin werden. So ist es in der Union zu hören. Schavan habe weiter den Rückhalt der Kanzlerin.

Und die frühere Bildungsministerin hat sich nach dem Rücktritt als "normale" Bundestagsabgeordnete in die Entwicklungsthemen eingearbeitet. Im zuständigen Ausschuss des Bundestages gehört sie zu den Aktivposten. Schavan gilt zudem als ausgleichend und moderierend. Als überzeugte Katholikin sei sie "ideal in der Rolle einer Kämpferin gegen Armut und Hunger in der Welt", sagt einer aus der Union. Hinzu kommt: Amtsinhaber Dirk Niebel (FDP) dürfte bei einem schwarz-gelben Wahlsieg seinen Posten verlieren. Niebel hatte im parteiinternen Streit um FDP-Chef Philipp Rösler Anfang des Jahres offen den Rückzug Röslers gefordert. In der Partei nehmen ihm dies viele übel. Kaum vorstellbar, dass Rösler und FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle an Niebel festhalten, sollte die FDP mit einem knappen Ergebnis in den Bundestag einziehen und bei einer Regierungsbeteiligung auf Ministerposten verzichten müssen.

Schavan selbst war bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. In der Union will sich offiziell keiner äußern. Der FDP wurde indes signalisiert, dass man an dem Ressort Entwicklung Interesse habe. Als große Unbekannte fungiert das Verwaltungsgericht Düsseldorf. Eine Entscheidung über die Klage Schavans ist bislang nicht absehbar. Die Sache sei "noch nicht terminreif", sagte ein Gerichtssprecher. Bis zur Bundestagswahl dürfte es kein Urteil geben. Für Schavan könnte dies zu spät sein.

(brö)
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