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Minister Rösler schlägt Kritik entgegen: SPD nennt Landarztquote einen Ostergag

Minister Rösler schlägt Kritik entgegen : SPD nennt Landarztquote einen Ostergag

Berlin (RPO). Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) wirbt für eine Landarztquote bei der Studienplatzvergabe. Mediziner und politische Gegner können daran kaum etwas Gutes entdecken. Die SPD nennt den Vorschlag einen Ostergag. Auch Lieblings-Kritiker Markus Söder von der CSU meldet sich zu Wort.

Die wenig freundliche Einordnung als "Ostergag" hatte sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ausgedacht. Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) attestierte Rösler eine zentralistische Herangehensweise. Und auch Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) und die Bundesärztekammer äußerten sich kritisch.

Unterstützung bekam Rösler aus der Unions-Bundestagsfraktion. Nach Röslers Vorstellungen sollen Studienanfänger bevorzugt einen Studienplatz erhalten, wenn sie sich verpflichten, später für einige Jahre als Landarzt zu arbeiten.

Lauterbach bezweifelte, dass eine Studienplatzreservierung den Landarztberuf attraktiver mache. "Wenn der Facharzt in der Stadt mehr verdient als der Hausarzt auf dem Land, nutzen auch neue Auswahlverfahren und Quoten nichts", sagte er. Außerdem würden mehr Medizinstudienplätze gebraucht. In den achtziger Jahren habe es 12 000 Studienplätze allein in Westdeutschland gegeben, inzwischen sei die Zahl gesamtdeutsch auf 9000 gesunken. Viele der Studenten - 60 Prozent von ihnen Frauen - blieben nicht im Beruf.

Söder sagte: "Auf dem Reißbrett ist vieles richtig - in der Realität ist es oftmals schwieriger." Er plädierte für die Einführung eines Stipendienprogrammes für potenzielle Landärzte und eine Stärkung der Kommunen, die so für die Zukunft Mediziner an sich binden könnten. Grundsätzlich gingen Röslers Vorschläge aber in die richtige Richtung.

Stratmann urteilte: "Quoten helfen uns überhaupt nicht weiter." Sie seien nicht mit der Freiheit der Lehre zu vereinbaren. Das Problem seien die Arbeitsbedingungen von Ärzten. "Wenn alle Absolventen eines Medizinstudiums hinterher auch den Beruf ergreifen würden, hätten wir keinen Ärztemangel, nicht einmal einen Landärztemangel", sagte Stratmann. Dies habe jedoch nichts mit Hochschulpolitik zu tun, sondern mit Gesundheitspolitik.

Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sagte, ein Studienplatzkontingent sei zwar für jene vernünftig, die sich bereit erklären, nach dem Studium auf dem Land zu praktizieren. Allerdings sei dies nicht "der Stein der Weisen". Die Kommunen sollten die Arbeitsbedingungen auf dem Land verbessern. "Die Gemeinden müssen auch die Infrastruktur schaffen, damit ein Arzt abwechselnd in verschiedenen Dörfern Sprechstunden abhalten kann", sagte er. Auch die Zusammenarbeit zwischen Praxen und Krankenhäusern sei verbesserungswürdig.

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Rückendeckung bekam Rösler vom gesundheitspolitischen Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Jens Spahn (CDU). "Wir benötigen kreative Lösungen", sagte er. Nötig seien aber auch ein praxisnäheres Studium und bessere Arbeitsbedingungen für Ärzte. Zu dem Problem, dass die Quotenstudenten während der Ausbildung ihre Entscheidung für eine Arbeit als Landarzt revidieren könnten, sagte Spahn: "Wir werden am Ende niemanden zwingen können, aufs Land zu gehen." Allerdings solle eine Kostenbeteiligung am Studium fällig werden, wenn ein Arzt, der den Studienplatz über die Landarztquote erhalten hat, hinterher nicht aufs Land gehen will.

In deutschen Krankenhäusern fehlten 5000 Ärzte, was auch auf eine falsche Verteilung zurückzuführen sei. Während sich die Ärzte in den Städten ballten, sei die Infrastruktur auf dem Land nicht attraktiv. Montgomery verwies auf Länder wie Schweden, in denen einem Landarzt neben der Stelle auch Angebote für seine Familie gemacht würden. In Deutschland sei eine entsprechende Kommunalpolitik notwendig, "die es interessant macht für junge Leute, auf dem Land als Arzt zu arbeiten".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Philipp Rösler

(DDP/pst)