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SPD-Mitgliedervotum: Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken neue Parteichefs

SPD-Mitgliedervotum : Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken sind neue Parteichefs

Im Willy-Brandt-Haus in Berlin sortierten und öffneten seit dem frühen Samstagmorgen 180 Helfer tausende Wahlbriefe. Am Abend ist klar: Die SPD-Mitglieder haben sich für Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken als neue Parteichefs entschieden.

Walter-Borjans und Esken bekamen in der Stichwahl 53,06 Prozent der Stimmen. Das teilte die Partei am Samstag mit. Der Parteitag in der kommenden Woche muss sie noch offiziell wählen.

Esken und Walter-Borjans haben versichert, die SPD zusammenhalten zu wollen. „Wir haben gestritten und waren immer freundschaftlich dabei“, sagte Esken nach der Verkündung des Ergebnisses des Mitgliederentscheids am Samstagabend in Berlin. Walter-Borjans sagte, es sei klar, dass sie dafür sorgen müssten, „dass wir zusammenbleiben“. Esken und ihm sei bewusst, dass es keine Frage von Sieg oder Niederlage sei - zentral sei vielmehr, die SPD zusammenzuhalten. Esken sagte: „Jetzt müssen wir zusammenstehen.“ Nur gemeinsam könne die SPD wieder stark gemacht werden.

Die Verlierer Olaf Scholz und Klara Geywitz haben den neuen Parteichefs ihre Unterstützung zugesagt. Die SPD habe mit Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken nun eine neue Parteiführung und hinter dieser müssten sich alle versammeln, sagte beide nach der Verkündung des Ergebnisses. Ziel bleibe, die SPD wieder stark zu machen, das sei gemeinsame Sache.

Gewählt wurden die Nachfolger der zurückgetretenen Parteichefin Andrea Nahles. Und erstmals wird die älteste Partei Deutschlands künftig von einer Doppelspitze geführt. Die Entscheidung fiel zwischen Vizekanzler Olaf Scholz und seine Brandenburger Partnerin Klara Geywitz und dem früheren nordrhein-westfälischen Finanzminister Norbert Walter-Borjans und der Bundestagsabgeordneten Saskia Esken. Esken und Walter-Borjans gelten als Vertreter des linken Parteiflügels. Sie stehen der Koalition mit CDU und CSU kritisch gegenüber. Beide Teams hatten es nach einer ersten Abstimmungsrunde im Oktober in die Stichwahl geschafft.

Die Wahlbeteiligung lag bei rund 54 Prozent. Offiziell gewählt ist die neue Doppelspitze damit aber noch nicht. Der Parteitag in der kommenden Woche muss sie noch bestätigen, was allerdings als sicher gilt.

Unterstützer beider Teams hatten in den vergangenen Wochen vor allem in sozialen Netzwerken engagiert Wahlkampf betrieben. Bereits vor Verkündung des Ergebnisses riefen prominente SPD-Mitglieder beide Lager auf, unabhängig vom Ausgang zusammenzustehen. „Denn uns eint viel mehr als uns trennt“, heißt es in der Videobotschaft von Interims-Parteichefin Malu Dreyer, Generalsekretär Lars Klingbeil, Juso-Chef Kevin Kühnert und Familienministerin Franziska Giffey. „Wir haben ein gemeinsames Ziel: Wir wollen die SPD wieder stark machen.“

Dreyer rief die Partei auf, verantwortungsvoll mit dem Ergebnis umzugehen. „Die Zeit des internen Wettbewerbs ist jetzt vorbei. Die Entscheidungen sind demokratisch gefallen, das muss jeder akzeptieren“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“. Außenminister Heiko Maas sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wer diese Mitgliederbefragung gewinnt, hat die volle Unterstützung der gesamten Partei verdient. Wir brauchen absolute Geschlossenheit, um unsere Themen der sozialen Gerechtigkeit glaubwürdig zu verkörpern.“ Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), in den vergangenen Tagen seien die Unterschiede zwischen den Bewerberteams deutlich geworden. „Wenn die Wahl jedoch getroffen ist, muss für alle gelten, hinter der neuen Parteiführung zu stehen und sie mit aller Kraft und von Herzen zu unterstützen“, forderte sie.

(felt/dpa)