SPD: Martin Schulz soll doch Ministerposten anstreben

Spekulationen um SPD-Chef : Martin Schulz soll doch Ministerposten anstreben

Welche Rolle spielt SPD-Chef Martin Schulz im Falle einer Neuauflage der großen Koalition? Zuletzt gab es Spekulationen, Schulz könnte auf einen Posten im Kabinett Merkel verzichten. Dies soll Schulz nun parteiintern zurückgewiesen haben.

Vor dem Hintergrund parteiinterner Appelle in diese Richtung habe Schulz gegenüber mehreren Mitgliedern der Parteispitze zu verstehen gegeben, dass ein Verzicht für ihn nicht infrage komme, berichtete "Der Spiegel" am Freitag. Vor dem Parteitag am vergangenen Sonntag hätten mehrere führende Sozialdemokraten Schulz' Bereitschaft getestet, Parteivorsitz und Regierungsamt zu trennen. Schulz habe abgelehnt.

"Er ist da entschieden", zitierte das Magazin einen Parteivize. Offen sei nur, welches Ressort Schulz anstrebe. Es wird damit gerechnet, dass er das Außenamt für sich beanspruchen würde oder das Finanzministerium.

"Partei soll möglichst autonom bleiben"

Die SPD wollte den Bericht auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht kommentieren. Nach der Bundestagswahl hatte Schulz erklärt, er werde nicht in ein Kabinett Merkels eintreten. Nach Abschluss der Sondierungsgespräche schloss er das auf Nachfragen aber nicht mehr ausdrücklich aus.

Öffentlich hatten sich zunächst nur weniger prominente Sozialdemokraten dazu geäußert. Am Donnerstag hatte aber etwa Bremens Regierungschef Carsten Sieling vor einem SPD-Spitzentreffen gesagt, diese Frage sei zu bereden. "Mir ist wichtig, dass die Partei stark und möglichst autonom ist. Das gilt sicherlich auch für den Vorsitzenden oder wäre sehr gut jedenfalls für ihn", fügte er hinzu.

Deutlicher wurden die niedersächsische Migrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf und der frühere Bundesfinanzminister Hans Eichel (beide SPD). Sie legten Schulz den Verzicht auf einen Ministerposten nahe.

"Der SPD-Vorsitz ist, erst recht beim derzeitigen krisenhaften Zustand der Partei, eigentlich eine Herausforderung, die kaum nebenbei zu meistern sein dürfte", sagte Schröder-Köpf der "Welt am Sonntag". Eichel betonte: "Der Parteivorsitzende sollte die Erneuerung der SPD zu seiner Hauptaufgabe machen und nicht als Nebenjob begreifen."

(csi/dpa)
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