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150-jähriges Parteibestehen: SPD lädt Merkel zum Jubiläum ein

150-jähriges Parteibestehen : SPD lädt Merkel zum Jubiläum ein

Die SPD will nur wenige Wochen vor der Bundestagswahl ihr 150-jähriges Parteibestehen mit einer Großveranstaltung vor dem Brandenburger Tor feiern. 50.000 Gäste werden erwartet. Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck sind zu einem Festakt im Mai eingeladen.

Dieser Termin dürfte der CDU gar nicht behagen. Nur wenige Wochen vor der Bundestagswahl 2013 will sich die SPD mit einer spektakulären, zweitägigen Großveranstaltung vor dem Brandenburger Tor in Berlin als älteste Partei Deutschlands feiern. Nach Informationen unserer Redaktion aus SPD-Kreisen plant die Partei am 17. und 18. August 2013 vor dem Wahrzeichen der Hauptstadt und auf Teilen der "Straße des 17. Juni" ein großes Bürger- und Kulturfestival. Mindestens 50 000 Besucher sollen bei Konzerten, Lesungen und Diskussionsrunden das 150-jährige Bestehen der Partei feiern. In der SPD wird vom "Deutschlandfest" gesprochen.

Die Vorläuferorganisation der SPD wurde 1863 gegründet. Die Feier wenige Wochen vor der Bundestagswahl soll der Höhepunkt einer Reihe von Feierlichkeiten zum Parteijubiläum sein. Auch der dann feststehende Kanzlerkandidat der SPD soll auftreten.

Das für die Veranstaltungen zuständige Berliner Bezirksamt Mitte muss die SPD-Party zwar noch genehmigen, die Zusage wird aber demnächst erwartet. Alle erforderlichen Unterlagen seien eingereicht, die Voraussetzungen erfüllt, hieß es gestern in der Berliner SPD. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und die Senatskanzlei sind ebenfalls in die Pläne eingeweiht.

Die SPD hat sich frühzeitig den prestigeträchtigen Ort für ihre Veranstaltung gesichert. Regelmäßig finden auf dem Platz vor der Touristenattraktion Großveranstaltungen statt, organisiert unter anderem immer wieder auch von politischen Organisationen und Gruppierungen. US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama wurde eine Rede vor dem Brandenburger Tor im Frühjahr 2008 allerdings verweigert. Derzeit wird der Platz als Fanmeile zur Fußball-Europameisterschaft genutzt.

Aus ganz Deutschland sollen die Gäste für die wahrscheinlich größte Party in der Geschichte der SPD anreisen. Nicht nur SPD-Mitglieder und -Funktionäre, sondern vor allem "normale Bürger" wollen die Sozialdemokraten für ihr "Open-Air"-Festival gewinnen. Prominente musikalische "Überraschungsgäste" sollen deshalb auf einer großen Bühne den Besuchern einheizen. Die Kosten übernimmt die Bundespartei, angeblich knapp Hunderttausend Euro. Mit den Bildern von feiernden Genossen könnte die Megaparty der SPD kurz vor der Bundestagswahl so auch zum medialen Coup für die Genossen werden. Details will die Bundespartei demnächst in Berlin vorstellen.

Die eigentliche Jubiläumsfeier der SPD, die deutschlandweit zurzeit knapp 485 000 Mitglieder umfasst, findet im Frühjahr 2013 statt. Als offizielles Gründungsdatum der Partei gilt der 23. Mai 1863. Damals hatten Arbeiter aus verschiedenen Regionen Deutschlands in Leipzig den "Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" als politische Vertretung der Arbeiterschaft ins Leben gerufen. Am 23. Mai 2013 soll ein zentraler Festakt in Leipzig an die Gründung dieser ersten sozialdemokratischen Vorläufer-Partei erinnern.

Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sind eingeladen und sollen "unter Vorbehalt" ihre Teilnahme in Aussicht gestellt haben, verlautete aus SPD-Kreisen. Es sei demokratischer Brauch und deshalb wahrscheinlich, dass die CDU-Vorsitzende an dem Festakt zum Bestehen der zweiten großen Volkspartei teilnehmen werde, heißt es an der SPD-Spitze.

Die politischen Beobachter in der Hauptstadt dürften einen möglichen Auftritt der CDU-Vorsitzenden Merkel an der Seite des SPD-Kanzlerkandidaten und der versammelten SPD-Prominenz indes auch als großkoalitionäres Signal werten. Ausländische Staats- und Parteichefs sind ebenfalls zu dem Festakt eingeladen.

So nutzt die Traditionspartei ihr eindrucksvolles Parteijubiläum geschickt zu einer Demonstration des Selbstbewusstseins im Jahr der Bundestagswahlen. In Hunderten kleineren Veranstaltungen in den Gliederungen der Partei, in den Kreis-, Bezirks- und Landesverbänden, sind weitere Veranstaltungen und Feierlichkeiten zum Parteijubiläum geplant. In Nordrhein-Westfalen soll beispielsweise auch die zentrale Veranstaltung des Jugendverbands der SPD, der Jungsozialisten, stattfinden. Vom 9. bis 12. Mai 2013 ist in Dortmund ein großes Musikfestival geplant.

In der SPD kursieren bereits mahnende Worte, dass die Partei es mit der Huldigung der eigenen Vergangenheit nicht zu bunt treiben sollte. "Wir dürfen jetzt nicht das ganze Jahr unsere Vergangenheit feiern", sagte ein führender SPD-Bundestagsabgeordneter unserer Zeitung. "Wir wollen im Herbst 2013 schließlich für die Zukunft gewählt werden."

(RP/pst/jh-)