Erfahrung wird geschätzt: So viele ältere Arbeitnehmer wie noch nie

Erfahrung wird geschätzt : So viele ältere Arbeitnehmer wie noch nie

In Deutschland haben noch nie so viele ältere Menschen gearbeitet wie heute. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) gehen derzeit 1,52 Millionen Menschen im Alter über 60 Jahren einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach. Das sind 880 000 Beschäftigte mehr als vor zwölf Jahren.

Der Anteil der älteren Arbeitnehmer an allen Erwerbstätigen ist im selben Zeitraum von 2,7 Prozent auf 5,2 Prozent gestiegen.

Die Alterung der Gesellschaft und ein verändertes Verhalten der Arbeitgeber sind laut Arbeitsagentur die wesentlichen Ursachen für die Entwicklung. "Der Jugendwahn in den Unternehmen ist zu Ende, Erfahrung wird wieder mehr geschätzt", sagte BA-Vorstand Heinrich Alt.

Unternehmen befänden sich angesichts des Fachkräftemangels und der sinkenden Zahl der Menschen, die erwerbsfähig sind, im Wettbewerb um die klügsten und motiviertesten Köpfe. "Dabei kann keine Gruppe ausgeschlossen werden, erst recht nicht die der Älteren."

Einstieg allerdings schwierig

Allerdings sei es für die Älteren immer noch schwieriger, wieder den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen, wenn sie einmal arbeitslos geworden sind. "Ältere bleiben heute zwar länger im Job als früher, aber noch immer ist der Wiedereinstieg in Beschäftigung für Ältere schwerer als für den Durchschnitt der Arbeitsuchenden", sagte Alt.

Die SPD verlangt von der Bundesregierung deshalb eine Strategie zur Eingliederung älterer Arbeitsloser. "Perspektivisch bedarf es einer Strategie, um die Beschäftigungsfähigkeit von Älteren zu verbessern, etwa durch einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung. Dazu muss die Arbeitslosenversicherung zu einer Arbeitsversicherung weiterentwickelt werden", sagte SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil.

Nach wie vor seien Ältere am Arbeitsmarkt benachteiligt. "Das liegt auch an der verfehlten Arbeitsmarktpolitik von Frau von der Leyen, die erfolgreiche Arbeitsmarktprogramme zusammenstreicht", sagte Heil.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) präsentiert heute in Berlin die aktuellen Arbeitslosenzahlen. Erwartet wird, dass sich der Jobaufschwung im Juli angesichts der Unsicherheiten in der Euro-Krise erneut verlangsamt. Die Zahl der Arbeitslosen soll mit 2,8 Millionen aber weiter deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen.

Gut in Europa

Mit einer Arbeitslosenquote von knapp sieben Prozent steht Deutschland in Europa gut da. Im EU-Durchschnitt beträgt die Arbeitslosenquote laut EU-Kommission knapp zehn Prozent. In einigen Regionen der Krisenstaaten Griechenland, Spanien und Portugal sucht jeder vierte Erwerbsfähige einen Job.

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(brö)