Die wichtigsten Fragen und Antworten So riskant ist das umstrittene Fracking

Düsseldorf · Deutschland diskutiert über Fracking, eine umstrittene Methode, um schwer zugängliches Gas zu erreichen. Kritiker warnen vor Umweltschäden und auch die Regierung ist sich uneins. Wir klären die wichtigsten Fragen und Antworten.

 Die Methode des Frackings ist in Deutschland umstritten.

Die Methode des Frackings ist in Deutschland umstritten.

Foto: dpa, Martin Schutt

Was genau ist Fracking? Bei dem Verfahren werden Wasser und Sand mit Chemikalien vermischt und dann unter hohem Druck in Schiefergestein gepresst, um dieses aufzubrechen. Dadurch entstehen Risse im Gestein, durch die das Gas entweichen und über Bohrrohre an die Oberfläche gelangen kann.

Wie wird diese Methode durchgeführt? Bei dem Verfahren wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen. Dank moderner Bohrtechniken, bei denen erst nach unten gebohrt wird und dann im Untergrund Querbohrungen stattfinden, lohnt sich dieses aufwendige Verfahren.

Wofür steht der Begriff? Er steht kurz für "hydraulic fracturing", was so viel wie hydraulisches Aufbrechen bedeutet.

Wie riskant ist die Methode? Fracking ist vor allem wegen Gefahren für das Grundwasser umstritten. Kritiker fürchten durch den Chemikalieneinsatz eine Verseuchung. Die Risiken für die Umwelt schätzen Experten als beträchtlich ein. Denn die Folgen für die Umwelt gelten als noch nicht ausreichend erforscht.

Ist Fracking in Deutschland erlaubt? Bundesumweltminister Altmaier und Bundeswirtschaftsminister Rösler haben sich auf einen Verordnungsentwurf geeinigt, der die umstrittene Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten unter strengen Auflagen in Deutschland zulassen.

In dem Entwurf wird ein Verbot des sogenannten Fracking in Trinkwasserschutzgebieten vorgeschlagen, zudem soll es bei allen Vorhaben Umweltverträglichkeitsprüfungen geben. In Deutschland wurde das Fracking bis auf Testbohrungen bisher nicht angewandt. Es war auch bisher kaum geregelt.

Warum streitet die Regierung um den Einsatz des Frackings? Die Energieressource wird als "sehr bedeutsam" bezeichnet. Auch in Deutschland gibt es nennenswerte Vorkommen dieser unkonventionellen Erdgas-Lagerstätten.

Man findet sie zum Beispiel in Schiefertonformationen (shale gas), Kohleflözen (coal bed methane) und dichten Sandsteinformationen (tight gas) - unter anderem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zufolge lagern unter der Oberfläche bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Gas aus solchen Vorkommen.

Was sagt die Kanzlerin? Angela Merkel betont, der Schutz von Mensch und Umwelt müsse oberste Priorität haben. "Mit dieser Technik ließen sich sehr wahrscheinlich auch in Deutschland neue Gasvorkommen erschließen, aber wir leben im Unterschied zu weiten Teilen der USA in einem sehr dicht besiedelten Land."

Wo wird Fracking bereits betrieben? Die USA decken einen erheblichen Teil des heimischen Bedarfs mit Schiefergas und Schieferöl. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) könnten die Vereinigten Staaten 2030 vollkommen unabhängig von Energieträgern aus dem Ausland sein.

Schon 2017 könnten die USA demnach Saudi-Arabien und Russland als weltgrößte Ölproduzenten ablösen. Nach Einschätzung des Ölkonzerns Shell haben die USA durch Fracking einen Erdgasvorrat von 100 Jahren - die Staaten der Welt insgesamt für 250 Jahre. In Europa treibt unter anderem Polen die Schiefergas-Förderung voran.

Wie hoch ist das Potenzial in Deutschland? In einer Studie 2012 hatte das Umweltbundesamt geschätzt, dass sich allein mit den vermuteten Schiefergasvorkommen der deutsche Gasbedarf für 13 Jahre decken lassen könnte. Da aber 14 Prozent der Fläche als Wasserschutzgebiete ausgewiesen sind, dürfte das Potenzial weit geringer sein.

Wie ist die Haltung der Deutschen? Für die Förderung verlangt eine große Mehrheit der Deutschen strenge gesetzliche Auflagen. In einer repräsentativen Umfrage des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU) sprachen sich 79 Prozent für strikte Gesetze aus.

Hat die Methode Auswirkungen auf den Ölpreis? Würden die Vorkommen konsequent erschlossen, so könnte der Ölpreis langfristig deutlich sinken, heißt es in einer veröffentlichten Analyse des Beratungsunternehmens PwC PriceWaterhouseCoopers. Durch das zusätzliche Angebot könnte der Ölpreis um 25 bis 40 Prozent niedriger liegen.

Ist Fracking wirtschaftlich? Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim kam kürzlich in einer Studie zu dem Schluss, dass sich Fracking in Deutschland und der EU bei den aktuellen Gaspreisen bislang "überhaupt nicht lohnen" würde.

Das ZEW befragte Energiemarktexperten, auf welches Niveau der Preis je Megawattstunde Gas dafür steigen müsste. Derzeit kostet Erdgas an Großhandelsbörsen laut ZEW rund 27 Euro. 30 Prozent der Experten halten einen Preis von 40 bis 50 Euro nötig, 34 Prozent der Gaspreise von 50 bis 60 Euro oder darüber mehr.

(rpo/afp/dpa/rtr/nbe/csi)
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