Rede auf Energieeffizienzkonferenz der Dena Sigmar Gabriel kontert Greenpeace-Aktion

Berlin · Was tun, wenn Aktivisten die eigene Rede stören? Oft werden sie einfach ignoriert oder von der Bühne geschafft. Bei der jüngsten Rede von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) war das aber anders. Er konterte eine Aktion von Greenpeace zum Thema Kohleausstieg – und erntet dafür nun viel Lob im Netz.

Sigmar Gabriel bei seiner Rede auf der Dena-Konferenz, als er von Greenpeace-Aktivisten gestört wurde.

Sigmar Gabriel bei seiner Rede auf der Dena-Konferenz, als er von Greenpeace-Aktivisten gestört wurde.

Foto: dpa, fdt

Was tun, wenn Aktivisten die eigene Rede stören? Oft werden sie einfach ignoriert oder von der Bühne geschafft. Bei der jüngsten Rede von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) war das aber anders. Er konterte eine Aktion von Greenpeace zum Thema Kohleausstieg — und erntet dafür nun viel Lob im Netz.

Es war am Dienstag auf der Energieeffizienzkonferenz der Deutschen Energieagentur (Dena). Auf der Bühne stand Sigmar Gabriel — und wurde prompt in seiner Rede von Greenpeace-Aktivisten unterbrochen, die zu ihm aufs Podium kamen. Sie hielten Plakate in der Hand, auf denen stand: "Herr Gabriel, Klimaschutz braucht Kohelausstieg." Doch statt die Aktivisten zu ignorieren, ging der Bundeswirtschaftsminister tatsächlich auf sie ein.

"Jetzt kommt ein Kollege und sagt, dass ich doch ein paar Kohlekraftwerke stilllegen soll, nehme ich an", sagte er, als die Aktivisten auf die Bühne kamen, und forderte sie auf, ihm auch das Plakat zu zeigen, damit er sehen könne, was denn darauf stehe. Und in Richtung Publikum sagte er nur: "Regt euch doch nicht auf, lasst die doch hier stehen." Damit war Gabriel aber noch lange nicht am Ende.

Er habe im Anschluss an die Dena-Veranstaltung einen Termin mit Vattenfall-Betriebsräten. "Trauen sie sich da auch mal rein", sagt er — und erntet dafür jede Menge Lacher und Applaus. Sogar eine der Greenpeace-Aktivistinnen auf der Bühne lässt sich zu einem milden Anflug von Lächeln hinreißen.

Als schließlich auch noch jemand aus dem Publikum vom Kohleausstieg spricht, sagt Gabriel, er habe das Mikrofon. "Das ist irgendwie blöde, ich weiß, aber so ist es nunmal. Und wenn Sie mir die Chance geben, Ihre Argumente auseinanderzunehmen, lasse ich mir das nicht entgehen."

Selbst als die Aktivisten dann doch von der Bühne getragen werden, fällt dem SPD-Minister noch etwas ein. Von ihm aus hätten sie da ruhig stehen bleiben können — "vor allem, wenn ich hier stehen muss, warum sollen sie sich hinsetzen dürfen?"

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Foto: dpa, ppl vfd

Für seine Konter jedenfalls erntet Gabriel im Netz jede Menge Applaus — so wie auf der Konferenz selbst auch. Mehr als 17.000 Mal wurde das Video, das der Nachrichtensender N24 auf Youtube eingestellt hat, schon angeschaut, dutzende Male wurde es auf Twitter geteilt. Und dort zollen selbst bekennende Nicht-Gabriel-Fans dem Minister Respekt.

"Argumente von Gabriel sind mir z.T. auch zu einfach, jedoch Respekt dafür, spontan auf Thema Kohleausstieg einzugehen", schreibt etwa ein User. Ein anderer bemerkt: "Gabriel ist zwar immer noch Teil des Problems, aber dennoch schöner Schuß." "haha, so sehr ich Greenpeace haeufig unterstuetze, aber die aktion von Gabriel: wow, respekt! :D", heißt es in einem weiteren Kommentar.

Von "Chapeau" über "herrlich" und "großes Kino" bis hin zur "Coolsten Politiker-Rede des Jahres" reichen die Kommentare auf Twitter. "So souverän reagiert selten ein Politiker auf @Greenpeace-Aktivisten während einer Rede wie hier", twittert zudem ein User. "Hätte ich dem Sigmar Gabriel nicht zugetraut, aber wirklich ein guter Auftritt", schreibt ein anderer. Und: "Dass ich mal was von Sigmar Gabriel gut finde, hätte ich bis gerade eben nicht gedacht …", kommentiert nicht nur einer auf Twitter.

(das)
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