Sigmar Gabriel über Hannelore Kraft "Sie hat sich gegen Berlin entschieden"

Berlin · Hannelore Kraft spielt in der K-Frage der SPD offenbar endgültig keine Rolle mehr. Parteichef Sigmar Gabriel sagte in einem Interview noch versucht, die bundesweit beliebte Politikerin umzustimmen - vergeblich. Derweil nimmt die Kandidatenfrage bei den Grünen wieder Fahrt auf.

Gabriel feiert Kraft in Berlin
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Trotz großer Zustimmung in der Bevölkerung ist Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft offenbar aus dem Rennen um die SPD-Kanzlerkandidatur. Parteichef Sigmar Gabriel sagte am Wochenende, Kraft habe sich gegen Berlin entschieden.

Gabriel sagte der "Welt am Sonntag", er habe Kraft vor der Neuwahl des Düsseldorfer Landtags gebeten, ihre Ablehnung eines Wechsels nach Berlin zu überdenken. "Sie hat sich aber gegen Berlin entschieden", sagte der SPD-Vorsitzende der Zeitung.

So bleibe es bei der Dreier-Konstellation mit Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und dem früheren Finanzminister Peer Steinbrück. Mit diesen habe er verabredet: "Wir bleiben zusammen. Wir werden gemeinsam Wahlkampf machen, wer immer Kanzlerkandidat wird", sagte Gabriel.

Kraft war in den vergangenen Woche wegen ihrer hohen Popularitätswerte immer wieder als Kandidatin für eine SPD-Kanzlerkandidatur gehandelt worden, hatte einen Wechsel nach Berlin aber stets kategorisch ausgeschlossen.

Ihren Umfragewerten hat dies nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: In einer Umfrage des Instituts TNS Forschung für die neue Ausgabe des "Spiegel" bekam Kraft mehr Zustimmung als die drei männlichen SPD-Anwärter auf die Kanzlerkandidatur. Die 51-Jährige wäre nach Ansicht von 26 Prozent der Befragten die geeignete Herausforderin von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Für Steinbrück sprachen sich 25 Prozent und für Steinmeier 23 Prozent aus. Abgeschlagen auf Platz vier lag Gabriel mit zehn Prozent. Die SPD will erst nach der Niedersachsen-Wahl im Januar 2013 über die Kandidatenfrage entscheiden.

Bei den Grünen wird weiter grundsätzlich über die Kandidatenfrage diskutiert. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte der "Bild am Sonntag" mit Blick auf das Umfragetief der Grünen: "Was wohl eine Rolle spielt, ist die ungeklärte Spitzenkandidatur. Das Problem der nicht entschiedenen Führungsfrage schwelt schon eine ganze Zeit."

Er empfahl seiner Partei einen alleinigen Spitzenkandidaten. "Ich jedenfalls habe von Doppelspitzen noch nie etwas gehalten", sagte Kretschmann, der 2011 erster grüner Ministerpräsident wurde. Eine Mitgliederbefragung zur Kandidatenfrage lehnte er ab.

Der bundespolitische Koordinator der baden-württembergischen Landesregierung, Volker Ratzmann, brachte dagegen einen völligen Verzicht auf Spitzenkandidaten ins Gespräch - auch angesichts der intern umstrittenen Selbstnominierung von Parteichefin Claudia Roth.

Die Partei stehe nicht unter dem Druck, einen eigenen Kandidaten aufstellen zu müssen, sagte der Realpolitiker Ratzmann der "Leipziger Volkszeitung" (Montagsausgabe). "Eine Wahlkampfspitze mit Claudia Roth und Jürgen Trittin funktioniert nicht." Die Partei müsse darauf achten, alle Flügel mitzunehmen, so Ratzmann.

Die Grünen hatten im März beschlossen, mit einem Duo an der Spitze in die Bundestagswahl 2013 ziehen. Mindestens einer der beiden Spitzenleute muss zudem eine Frau sein. Eine Urabstimmung über die Spitzenkandidaten soll es nur geben, wenn es mehr als zwei Bewerber dafür geben sollte. Bislang hat nur Parteichefin Claudia Roth ihren Anspruch auf einen Posten im Grünen-Spitzenteam angemeldet. Ambitionen werden auch Fraktionschef Jürgen Trittin nachgesagt.

(AFP)