Viele Ältere fühlen sich diskriminiert: Senioren-Union will Grundgesetz ändern

Viele Ältere fühlen sich diskriminiert : Senioren-Union will Grundgesetz ändern

Die Bundesregierung will gegen die Diskriminierung Älterer vorgehen. Eine Kommission soll dazu Ideen liefern. Die Senioren-Union spricht sich für eine Änderung der Verfassung aus.

Ältere Menschen sollen bei Jobsuche, Berufsausübung und Kreditvergabe nicht länger diskriminiert werden. Unter der Leitung des früheren Bremer Bürgermeisters Henning Scherf (73, SPD) sollen Experten aus Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Politik und der Arbeitgeberseite bis November entsprechende Vorschläge erarbeiten.

Eingesetzt hat die Kommission die Chefin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders. Sie forderte: "Der Schutz vor Altersdiskriminierung gehört ins Grundgesetz."

Der Vorsitzende der Senioren-Union, Otto Wulff, spricht sich ebenfalls für eine Verfassungsänderung aus. "Im Grundgesetz sollte ausdrücklich betont werden, dass Alter kein Unterscheidungsmerkmal sein darf bei der Beurteilung eines Menschen", sagte Wulff unserer Redaktion.

Im Artikel 3 solle ergänzt werden, dass niemand wegen seines Alters benachteiligt oder bevorzugt werden dürfe. Wulff wiederholte zudem seine Forderung nach einer Quote für ältere Arbeitnehmer ab 60 Jahren. "Wir brauchen ein neues Denken im Interesse der Firmenund im Interesse der sozialen Sicherheit", sagte Wulff. In Zukunft würden mehr ältere Arbeitnehmer gebraucht.

Jeder fünfte Bürger wurde einer Forsa-Umfrage zufolge aufgrund seines Alters schon einmal benachteiligt. Allerdings klagen mehr Jüngere als Ältere über Diskriminierung aufgrund des Lebensalters. Mehr als die Hälfte stimmt dem Satz zu: "Ab 45 bekommt man heutzutage praktisch keinen Job mehr." Die Zustimmung zu dieser Aussage ist umso größer, je niedriger der Bildungsstand ist.

Aus Sicht der SPD-Vize-Chefin und Arbeitsministerin in Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), reicht die Kommission nicht aus, um die Probleme Älterer am Arbeitsmarkt zu lösen. "Die Wahrheit ist, dass trotz Fachkräftemangels die wenigsten älteren Arbeitslosen auf dem Arbeitsmarkt eine Chance auf den Wiedereinstieg erhalten", sagte Schwesig unserer Redaktion.

Hier müsse Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) handeln. Eine Ministeriumssprecherin erklärte, dass die Regierung die Rahmenbedingungen für längeres Arbeiten durch Qualifizierung und Gesundheitsförderung verbessern wolle.

(RP/pst/top)