CSU attackiert Parteichef: "Seehofer ist nur zweite Liga"

CSU attackiert Parteichef: "Seehofer ist nur zweite Liga"

Berlin (RP). Potenzielle Nachfolger machen sich öffentlich über den CSU-Chef und Ministerpräsidenten lustig, die eigene Landesgruppe geht auf Kollisionskurs: Schon wird über den vorzeitigen Abgang von Horst Seehofer spekuliert.

In der Bundesregierung stehen die Münder vor Staunen offen. CSU gegen CDU, diese Rangelei hat deftige Tradition. CSU gegen FDP, dieser Kampf gehört beinahe zur Programmatik. Aber CSU gegen CSU, und das in einer Weise, die Verletzungen produziert, das ist eine völlig neue Qualität. Besorgt wird in den Fluren des Bundestages die Frage erörtert, ob Parteichef Horst Seehofer nun alles entgleitet, ob er gar Montag im Parteivorstand die Brocken hinschmeißt. "Schmarren", heißt es dazu aus München. Aber Fragen bleiben.

In der Tat ist die Aura von Macht und Durchsetzungskraft, die den hochgewachsenen Ingolstädter nicht erst seit dem Erobern der Doppelfunktion als Partei- und Regierungschef im Freistaat umgab, zerbröselt. "Nichts gegen dich, Horst, gell, aber Strauß war einfach eine Liga höher", höhnte sein eigener Umwelt- und Gesundheitsminister Markus Söder vor laufenden TV-Kameras.

In Starkbierlaune setzte Söder sogar noch Despektierliches obendrauf, indem er erzählte, "wie mein Ministerpräsident etwas nervös wurde, als ich ein harmonisches Foto mit Karl-Theodor zu Guttenberg gemacht habe". Dies war somit "irgendwie das Angstfoto".

Guttenberg und Söder gelten als Anwärter

Dahinter steckt das immer lautere Scharren in der CSU um die Nachfolge Seehofers. Guttenberg und Söder gelten beide als Anwärter auf den Bayern-Thron, wobei sich der junge Guttenberg zumindest beim Griff nach dem Ministerpräsidentenamt noch zurückhalten muss. Erst Ende 2011 erfüllt er die Voraussetzungen der Landesverfassung, wonach Anwärter das vierzigste Lebensjahr vollendet haben müssen.

Ein harmonisches Gespann Söder-Guttenberg — das erinnert an das Gespann Beckstein-Huber, das Seehofer die Pläne durchkreuzte, als der CSU- und Regierungschef Edmund Stoiber nachfolgen wollte. Erst nachdem die beiden die Landtagswahlen für die CSU vergeigt hatten, blieb Seehofer als einziger Hoffnungsträger übrig und beerbte beide.

Doch schnell kamen Schrammen ins Heilsbringer-Image: Bei den Europawahlen unter Seehofer von 57,4 auf 48,1 Prozent. Bei den Bundestagswahlen von 49,2 auf 42,5 Prozent. Aktuell kämpft Seehofer damit, in den Umfragewerten wenigstens noch eine 4 vorne zu finden.

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Beim traditionellen "Derblecken" am Nockherberg griffen die Kabarettisten Seehofers Hauptcharakterzug an: Er habe jeden Tag eine andere Meinung und manchmal auch zwei zugleich. Orientierung, wie sie von einem Vorsitzenden erwartet wird, sieht anders aus.

Kreis der Kronprinzen

Was entgegnet der Chef angesichts dieser Stimmungslage, wenn ein potenzieller Nachfolger ihm Angst vor seinen Herausforderern einreden will? Seehofer lacht laut — und sagt dann, nicht nur Söder, sondern auch Arbeitsministerin Christine Haderthauer habe das Zeug, ihm nachzufolgen. An anderer Stelle hat er nicht weniger "ausdrücklich" auch Finanzminister Georg Fahrenschon in den Kreis der Kronprinzen gerückt. Söder (43), Guttenberg (38), Haderthauer (47), Fahrenschon (42), das soll wohl Seehofers Strategie des "Teile und herrsche" ausdrücken. Mitunter wirkt es aber wie: "Was ich mache, kann fast jeder andere auch". Seehofer — entzaubert.

Im Verhältnis zur Kanzlerin zeigen sich auch Risse. Der CSU-Chef hat in der Koalition der Duz-Freunde Konkurrenz bekommen. Und offensichtlich scheint es nicht nur so, als stimme sich "Angela" mit "Guido" enger ab als mit "Horst". Nicht einmal seine frühere Unterstützertruppe von der CSU-Landesgruppe steht noch bedingungslos zu ihm. Ganz im Gegenteil brachte Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich die unter CSU-Abgeordneten verbreitete Empörung über das "Störfeuer" aus dem "Süden" öffentlich zum Ausdruck und kritisierte die "destruktive" Haltung der Parteifreunde.

Seehofer keilte zurück ("völlig überflüssig", "bodenloser Unsinn") und wehrt nun die von Friedrich angebotene Hand unter "Freunden" ab: "Was er sich geleistet hat, das kann man mit Freundlichkeit nicht wettmachen."

So wirkt Seehofer wie ein angeschossener Löwe — und alles blickt auf Montag: "Da passiert was", sagen Insider. Kommt der Löwe zurück? Brüllt er? Beißt er? Oder verlässt er gar den Platz? Erschrocken entfährt es einem Seehofer-Kritiker: "Aber das kann doch keiner wollen." Und setzt ein "jetzt noch nicht" dazu.

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(RP)