Erster „Schultoiletten-Gipfel“ Mehrheit der Schüler will nicht auf das Schulklo gehen
Berlin · Der Zustand vieler Schultoiletten lässt zu wünschen übrig. Um das zu ändern, trafen sich in Berlin Beteiligte zur Diskussion und Vorstellung von Lösungen. Sie fordern: Schüler sollten mehr einbezogen werden.
Die Toiletten in Schulen sollten ein Raum sein, in dem sich Schülerinnen und Schüler wohl und sicher fühlen. Das Gegenteil ist in vielen Schulen der Fall. Dreck, Gestank und kaputte Türen oder Waschbecken sind Realität im Alltag vieler.
Vor diesem Hintergrund hat die gemeinnützige „German Toilet Organization“ (GTO) gemeinsam mit der Bundesschülerkonferenz und dem Bundeselternrat zum ersten „Schultoiletten-Gipfel“ nach Berlin geladen. Der Gipfel soll als Dialog zwischen den beteiligten Personengruppen einen Beitrag leisten, die Lage auf den Schultoiletten in Deutschland zu verbessern.
Und das scheint nötig. Wie eine gemeinsame Studie von GTO und dem Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Uniklinik Bonn zeigt, nutzen Schüler nur ungerne die schulischen Örtlichkeiten. Insgesamt wurden knapp 1000 Schüler von 17 weiterführenden Berliner Schulen befragt. Demnach gaben 46 Prozent der Befragten an, sich das Urinieren während der Schulzeit zu verkneifen, 85 Prozent das Defäkieren. Das führe dazu, dass jeder vierte Schüler in dieser Zeit weniger isst und trinkt, um die Toilette nicht benutzen zu müssen. Der Gestank, mangelnde Privatsphäre und das Fehlen von Klopapier sind laut Studie die Hauptgründe für die Vermeidung des Toilettengangs.
Das kann auf mehreren Ebenen zum Problem werden, wie etwa Hasan Aljomaa von der Bundesschülerkonferenz sagte. „Wenn man nicht genug getrunken oder gegessen hat, kann man eigentlich nicht konzentriert am Schulalltag teilnehmen“, so Aljomaa. Auch zu gesundheitlichen Problemen könne das „Zurückhalten“ führen, wie der Mediziner Professor Dietrich Grönemeyer in einer Videobotschaft sagte. Neben mangelnder Konzentration und Frust, könnten Krankheiten wie Harnwegsinfekte oder Verstopfungen Folgen dessen sein.
Bei dem Gipfeltreffen der Beteiligten wurden auch die Gewinner des GTO-Wettbewerbs „Toiletten machen Schule“ ausgezeichnet. Einen der drei Hauptpreise erhielt dabei die Hellweg-Realschule aus Unna. Unter dem Motto „Wir rocken das stille Örtchen“ haben sie einen „Wohlfühlort“ geschaffen, durch Folien an den Kabinen, Pflanzen und Duftspender. Außerdem wird durch einen Bewegungsmelder Discolicht und das Radio bei Betreten aktiviert. Zusätzlich wurden Unterbauschränke eingebaut, in denen Hygieneartikel untergebracht sind. Für die Dekoration und das Nachfüllen sind die Schüler selbst verantwortlich – ein wichtiger Punkt, wie auf dem Gipfel mehrfach betont wurde. In der GTO-Studie habe sich gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen der Beteiligung der Schüler an der Gestaltung und dem Zustand der Toiletten besteht: „Werden Schülerinnen und Schüler einbezogen, sind Verschmutzung und Vandalismus auf den Schultoiletten geringer“, sagte Svenja Ksoll, Projektkoordinatorin der Organisation, die forderte: „Da muss man ansetzen.“ Zusätzlich zu einer organisierten Schülerbeteiligung sei für die Problemlösung auch eine häufigere Reinigung, eine klare Anlaufstelle für das Melden von Mängeln und eine zügige Behebung dieser wichtig.
Auch der Bundeselternrat sieht in der Beteiligung der Schüler einen Lösungsansatz: „Die Schüler selbst sollten Verantwortung für saubere WC-Anlagen übernehmen“, sagte Bundesvorsitzender Dirk Heyartz. Dies gelinge mit der Einrichtung von Projektgruppen, „die sich aktiv um Neugestaltung und Zustand der Toiletten kümmern“. So könne schlechtes Benehmen verhindert werden, so Heyartz.