Bericht von Entwicklungs-Organisationen Schulden des Globalen Südens befinden sich auf Rekordniveau

Berlin · Die Schuldenlast vieler Länder des Globalen Südens erschwert den Kampf gegen Klimawandel und Armut. Das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor und erlassjahr.de fordern die Bundesregierung zum Handeln auf.

 Flutopfer in Pakistan 2022: Dem Land steht das (Schulden-) Wasser bis zum Hals.

Flutopfer in Pakistan 2022: Dem Land steht das (Schulden-) Wasser bis zum Hals.

Foto: dpa/Fareed Khan

Länder des Globalen Südens müssen so viel Geld an ihre Gläubiger zahlen wie noch nie zuvor. Das zeigt der Schuldenreport 2024 von Misereor und dem Bündnis erlassjahr.de.

130 von 152 untersuchten Staaten im Globalen Süden weisen demnach eine mindestens leicht kritische Verschuldungssituation auf, 24 dieser Staaten sind sehr kritisch verschuldet. 55 Prozent der untersuchten Staaten sind kritisch oder sehr kritisch verschuldet. Vor der Corona-Pandemie waren es lediglich 37 Prozent.

Besonders betroffen von einem kritischen Schuldenstand sind afrikanische Staaten aus der Subsahara-Region. Außerdem hat sich die Schuldensituation in den Regionen Süd- und Südostasien sowie im Pazifik im Vergleich zur 2019 insgesamt deutlich verschlechtert. „Das aktuelle Bild ist besorgniserregend“, sagte Kristina Rehbein, Politische Koordinatorin des Entschuldungsbündnisses erlassjahr.de.

Durch die teils hohe Verschuldung fehlten den betroffenen Staaten finanzielle Spielräume, etwa für Klimaschutz, Soziales oder Zukunftsinvestitionen. „Ist der Schuldendienst zu hoch, dann bleiben nur zwei Optionen: Entweder man stellt Zahlungen ein und verhandelt über einen Schuldenerlass; oder man bringt das Geld durch Einsparungen auf. Wir sehen vor allem Letzteres“, betonte Rehbein. Die Kürzungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit oder bei den Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels würden entsprechend besonders in sehr kritisch verschuldeten Staaten drastisch ausfallen. Pakistan beispielsweise gebe 13 mal so viel für die Schuldenrückzahlung aus als für Bildung, Gesundheit und soziale Sicherung zusammen.

Die Länder sind vor allem bei privaten Gläubigern verschuldet, also etwa Investmentfonds (60 Prozent der Forderungen), aber auch bei multilateralen Gläubigern, etwa Entwicklungsbanken wie der Weltbank (28 Prozent), und bei Regierungen wie der Deutschlands oder Chinas. Global spielen letztgenannte laut Bericht zwar eher eine untergeordnete Rolle, in einigen Ländern sind sie aber die Hauptgläubiger.

Laut Klaus Schilder, Entwicklungsexperte bei Misereor, ist ein „gefährlicher Trend“ zu erkennen, die die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung in unerreichbare Ferne rücken lassen. „Gläubigerinteressen dominieren, echte Schuldenstreichungen gibt es kaum. Es sind die Menschen in den Schuldnerländern, die dafür bezahlen.“

Die Organisationen fordern von der Bundesregierung, sich international für einen neuen Konsens einzusetzen. „Zentraler Maßstab muss sein, dass die Menschenrechte in den Schuldnerländern wieder in den Vordergrund rücken, und nicht die Profitinteressen der Gläubiger“, sagte Rehbein weiter.

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