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"Familiengipfel" mit Angela Merkel in Berlin: Schröder will Müttern Vollzeitjob garantieren

"Familiengipfel" mit Angela Merkel in Berlin : Schröder will Müttern Vollzeitjob garantieren

Bundesregierung und Wirtschaft sind sich uneins, wie in Deutschland Arbeit und Familie besser in Einklang gebracht werden sollten. Auf einem "Familiengipfel" in Berlin plädierte Familienministerin Kristina Schröder am Dienstag dafür, Müttern die Rückkehr von einem Teilzeit- in einen Vollzeitjob gesetzlich zu garantieren.

Dagegen warnten führende Wirtschaftsvertreter vor staatlichem Zwang und mehr Bürokratie. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte von der Wirtschaft eine größere Offenheit für flexible Arbeitszeiten und warb für familiengerechtere Arbeitsbedingungen. Davon profitierten Unternehmen wie ihre Beschäftigten gleichermaßen, sagte sie.

Einig waren sich Schröder und die Kanzlerin mit Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann sowie Handwerkspräsident Otto Kentzler, dass es bei der familiengerechteren Gestaltung des Arbeitslebens Fortschritte gebe. Die Fülle von Flexibilisierungsmodelle in den Betrieben belege, dass die vor zwei Jahren unterzeichnete "Charta für familienbewusste Arbeitszeiten" ein Erfolg sei.

Grundsätzlich halte sie Anstrengungen in diesem Bereich für eine Sache der Tarifpartner, sagte Schröder. "Nur wenn sich nichts bewegt", müsse der Gesetzgeber tätig werden. Das aber sei nach ihrer Überzeugung dringend nötig, wenn es um die Rückkehr beschäftigter Mütter von einem Teilzeit- in einen Vollzeitjob gehe.

Einen solchen Rechtsanspruch lehnte jedoch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle ab. "Wir sehen da Probleme", sagte er. Das könnte Frauen bei Einstellungen behindern. Merkel forderte bei der Veranstaltung zwar mehr Familienfreundlichkeit in der Arbeit, äußerte sich aber nicht ausdrücklich zu dem Gesetzesvorschlag.

Arbeitgeberpräsident Hundt und DIHK-Präsident Driftmann warnten vor staatlichem Zwang, ohne dies aber konkret auf den Vorschlags Schröders zu beziehen. Der Weg über staatliche Eingriffe sei "kein Weg, der zum Ziel führt", sagte Hundt.
Driftmann mahnte, man sollte nicht alles gesetzlich regeln.

Merkel machte deutlich, die Belange der Familien gehörten ins Zentrum von Politik und Wirtschaft. "Zeit für die Familie, das ist etwas, was ganz wesentlich den Wünschen der Familien entspricht", betonte die Kanzlerin. Dazu gehörten flexible Arbeitszeitmodelle, um den Beschäftigten mehr Zeit für die Familie zu geben. Arbeitgeber müssten dafür offen sein, und zwar aus ureigenem Interesse. Zugleich müsse beachtet werden, dass es auch bei Firmen Grenzen der Flexibilität gebe.

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Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Arbeit schaffe eine "Win-Win-Situation" bei Beschäftigten wie Unternehmen, sagte die Kanzlerin. Darüber hinaus glaube sie, dass in den nächsten Jahren noch sehr viel passieren müsse, um die Familien durch haushaltsnahe Dienstleistungen zu entlasten und deren Entwicklung womöglich mit steuerlichen Anreizen zu fördern.

(dpa/nbe/das)