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Wahlkampfauftakt: Schröder und Merkel auf Stimmenfang im Osten

Wahlkampfauftakt : Schröder und Merkel auf Stimmenfang im Osten

Wittenberg/Dresden (rpo). Angela Merkel und Gerhard Schröder haben am Montag ihren Wahlkampf im Osten begonnen. Merkel trat in Wittenberg auf, Schröder in Dresden. Die Kanzelkandidatin versuchte vor allem mit dem Thema Arbeitslosigkeit zu punkten, während der Kanzler erneut den Konflikt mit dem Iran zum Thema machte.

Angela Merkel genoss das Bad in der Menge sichtlich. Vor ihrem Auftritt auf dem Marktplatz in Wittenberg lief die Kanzlerkandidatin der Union am Montag durch die Fußgängerzone und plauderte mit einigen Geschäftsinhabern und Passanten. Immer wieder gab es "Angie"-Rufe und Beifall, was die CDU-Chefin äußerst erfreute. Kein Wunder, denn ihr erster Wahlkampftermin in Ostdeutschland wurde nach den Äußerungen von CSU-Chef Edmund Stoiber mit großer Spannung erwartet.

Der sachsen-anhaltinische Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) mahnte zu Beginn, dass Ostdeutschland "eine große Erwartungshaltung" habe. Gerhard Schröder (SPD) trat gleichzeitig in Dresden auf, es war auch sein erster Auftritt in Ostdeutschland. Der Bundeskanzler war jedoch deutlich entspannter und versuchte mit einer klaren Ablehnung einer Militärintervention gegen den Iran zu punkten.

Auf dem Marktplatz in der Lutherstadt Wittenberg hatten sich rund 2000 Menschen versammelt, um Merkel zu lauschen. Die Kanzlerkandidatin begann dann auch gleich mit ihrem wichtigsten Thema - der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Egal, ob im Osten, Norden, Süden oder Westen, die Arbeitslosigkeit sei überall zu hoch, rief sie ins Mikrofon. Doch besonders schlimm sei es im Osten, fügte sie hinzu. Eine der wichtigsten Aufgaben sei es deshalb, die Bürokratie zu reduzieren. Dies sei neben der "Unterstützung mit Geld" die wichtigste Aufgabe. Merkel vermied es jedoch, die rund 2000 Wittenberger direkt anzusprechen: "Die Menschen in den neuen Bundesländern können etwas, man muss es ihnen nur zutrauen." Stoiber bekam nur indirekt einen Seitenhieb ab. Die Union wolle ein gemeinsames Deutschland, betonte Merkel. "Deshalb kultivieren wir nicht die Unterschiede."

Vielleicht hätte sie deutlich werden sollen, denn die meisten Zuhörer blieben verhalten. Es gab zwar immer wieder kurzen Beifall, doch auch viele Buhrufe und Pfiffe, die Merkel mit den Worten bedachte, dass es 15 Jahre nach dem Mauerfall Meinungsfreiheit gebe und die Menschen jetzt brüllen dürften, wenn sie wollten.

Den längsten Beifall erreichte die Kanzlerkandidatin bei den Themen Zuwanderung und EU-Beitritt der Türkei. Jedes Kind müsse deutsch sprechen können, wenn es in die Schule komme, Hassprediger hätten in Deutschland nichts zu suchen und eine volle Mitgliedschaft der Türkei sei Europa nicht zuzumuten.

Schröder in Dresden

Schröder versuchte derweil gleich zu Beginn seiner Rede in Dresden mit erneuten Angriffen auf Stoiber und dem Thema Frieden die Zuhörer auf seine Seite zu ziehen. "Militärische Optionen helfen nicht weiter, wir haben das erlebt", rief der Kanzler den rund 8000 Menschen zu, die sich vor der berühmten Semperoper versammelt hatten. Er erntete dafür viel Beifall aus der Menge. Schon im Bundestagswahlkampf 2002 hatte Schröder gerade bei den Ostdeutschen mit seiner Anti-Irak-Politik große Sympathien gewonnen.

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Auch mit seinen Attacken gegen Stoiber wegen dessen abfälligen Bemerkungen über die Ostdeutschen konnte sich Schröder des Beifalls sicher sein. Es betrübe ihn, dass in Deutschland Menschen am Werk seien, "die neue Spaltungstendenzen in unser Land tragen", kritisierte er und forderte den CSU-Chef auf: "Herr Stoiber kehren sie um. Machen sie nicht weiter mit dem Versuch, Deutschland zu spalten." In seiner Rede beschwor Schröder schließlich die Notwendigkeit seiner Reformen in der Gesundheitspolitik und auf dem Arbeitsmarkt. An die Dresdner appellierte Schröder eindringlich, in den letzten vier Wochen vor der Wahl den Kurs der Vernunft, den Kurs des Friedens "nach außen und innen zu unterstützen".

Zum Iran äußerte sich Merkel auf dem Marktplatz in Wittenberg nicht. Nur auf einer zuvor einberufenen Pressekonferenz sagte sie, für sie stelle sich die Frage einer miltärischen Option nicht. Auf der Tribüne auf dem Marktplatz versuchte Merkel stattdessen, Ostdeutschland in ein gutes Licht zu rücken und sich gleichzeitig als gesamtdeutsche Politikerin zu präsentieren: "Es wird nur ganz Deutschland wieder gut gehen, wenn es den neuen Bundesländern wieder gut geht."

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(afp)