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Medienbericht: Schröder strebt offenbar abwechselnde Kanzlerschaft an

Medienbericht : Schröder strebt offenbar abwechselnde Kanzlerschaft an

Berlin (rpo). Der Phantasie sind nach den Neuwahlen im deutschen Bundestag keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, wer mit wem zusammen die neue Regierung bilden könnte. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erwägt einem Medienbericht zufolge, die Kanzlerschaft in einer großen Koalition zwischen SPD und Union aufzuteilen und abzuwechseln.

Er wolle erreichen, dass er die erste Hälfte der Legislaturperiode im Amt bleibt, berichtete der Fernsehsender RTL am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise. In der zweiten Hälfte der Legislaturperiode könne dann CDU-Chefin Angela Merkel oder ein anderer Unionspolitiker übernehmen. Dieses "Kanzler-Sharing" stoße aber bei der Union auf Widerstand, berichtete der Sender weiter. In Israel war dieses Modell bereits einmal praktiziert worden: In der ersten Hälfte der Wahlperiode zwischen 1984 und 1988 stellte die Arbeitspartei mit Schimon Peres den Regierungschef, in der zweiten Hälfte der Likud mit Jizchak Schamir.

Regierungssprecher Béla Anda sagte am Freitag zu einem Bericht des "Stern", wonach Schröder das israelische Modell selbst ins Spiel gebracht habe: "Ich habe nicht die Absicht, Gespräche in Erkerzimmern zu kommentieren, falls sie denn so gehalten worden sind."

SPD dementiert Pläne zum "Kanzler-Sharing"

Am späten Freitagabend folgte dann das Dementi aus der SPD. "Wir wollen regieren mit Gerhard Schröder als Bundeskanzler und möglichst viel von unserem Programm umsetzen", erklärte ein SPD-Sprecher am Freitagabend. Der Bericht des Fernsehsenders RTL sei "bloße Spekulation". Derzeit gebe es "keinen Grund für Entscheidungen". Nach dem neuen Sondierungsgespräch zwischen Union und SPD in der kommenden Woche werde entschieden, ob es zu Koalitionsverhandlungen kommen könne. Personalfragen würden erst danach entschieden.

(afp)