Cop 23 Was sind die Ziele der Klimakonferenz in Dubai?

Dubai · Der Erde geht es nicht gut: Das 1,5-Grad-Ziel ist in Gefahr, Eisschilde und Gletscher schmelzen. Hitzewellen, Dürren und Hochwasser treten in immer kürzeren Abständen auf. Die Maßnahmen vieler Länder sind nicht ambitioniert genug. Darum geht es auf der 28. Weltklimakonferenz, kurz: Cop 28

Cop steht für „Conference of the Parties“, also die Konferenz der Parteien – gemeint sind jene Staaten, die die Klima-Rahmenkonvention unterschrieben haben. Auf Einladung der Vereinten Nationen (UN) debattieren seit Donnerstag Vertreter aus rund 200 Staaten, wie die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß eingedämmt werden kann und welchen Beitrag reiche und arme Länder leisten können.

Was ist das zentrale Thema?

Es geht vor allem um eine Bestandsaufnahme der weltweiten Klimaschutzbemühungen – „Global Stocktake“ genannt. „Im Global Stocktake wird man feststellen, dass die Welt weit entfernt ist von einem Emissionspfad, der das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels möglich machen würde“, erläutert Manfred Fischedick, Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Denn dafür sei bis 2030 eine Minderung der Treibhausgas-Emissionen um 43 Prozent gegenüber 2019 nötig. „Zu erwarten sind gerade einmal zwei Prozent.“

Gibt es bereits Erfolge?

Im wohl heißesten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen fasste die Weltklimakonferenz in Dubai gleich zu Beginn einen wegweisenden Beschluss zugunsten armer Staaten. Das Plenum einigte sich darauf, wie der 2022 vereinbarte „Loss-and-Damage-Fonds“Fonds zum Ausgleich von Klimaschäden in besonders verwundbaren Ländern - etwa nach Dürren, Waldbränden oder Unwettern - ausgestaltet werden soll. Erstmals floss auch Geld in den Fonds: Deutschland und die Vereinigten Arabischen Emirate sagten bereits am Donnerstag überraschend jeweils 100 Millionen US-Dollar zu (knapp 92 Millionen Euro) zu. Geld geben wollen auch die USA, Japan, Großbritannien und die EU. Aus dem Geldtopf soll Hilfe kommen, etwa nach Unwettern oder langen Dürren, die auf die Erderwärmung zurückzuführen sind. Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) sprach von einer „bahnbrechenden Entscheidung für die Verwundbarsten“ und rief andere Staaten auf, ebenfalls Zusagen zu machen. Durch das Vorpreschen stehen nun die weiteren rund 160 Staats- und Regierungschefs, die in den kommenden beiden Tagen auf der Klimakonferenz sprechen werden, unter Zugzwang.

Was ist der von Deutschland initiierte Klimaclub?

In dem von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) initiierten Klimaclub haben sich inzwischen 36 Staaten zusammengeschlossen, die eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz einnehmen wollen. Scholz hob am Freitag in Dubai hervor, der Club wolle keine Konkurrenz zum UN-Klimaprozess und zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens sein. Der Klimaclub habe ein gemeinsames Ziel: „Die Dekarbonisierung der Industrien und die Entkopplung von Wachstum und Emissionen“, sagte der Kanzler weiter. „Wir wollen, dass dekarbonisierte Industrieproduktion das Geschäftsmodell der Zukunft wird.“ Als Beispiele nannte Scholz die Stahl- und Zementindustrie, wo die Abkehr von fossilen Energieträgern als besonders schwierig und aufwändig gilt. Der Klimaclub wolle es ermöglichen, „Leitmärkte für klimaneutrale Industrieprodukte wie klimafreundlichen Stahl und Zement oder klimafreundliches Aluminium auszubauen“. Dabei wollten die Mitglieder einen gegenseitigen Austausch von Gütern, Know-how und Technologien erreichen.

Was sind die größten Klimasünder? Der Klimawandel geht vor allem auf den Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) und andere Treibhausgasen zurück, die dafür sorgen, dass die Atmosphäre sich aufheizt, was die Gefahr von Dürren, gigantischen Waldbränden und Fluten begünstigt. CO2 entsteht immer dann, wenn fossile Brennstoffe im Kraftwerk, Heizungskessel, in Motoren von Flugzeugen und Autos verbrannt werden. Der größte CO2-Emittent ist China mit einem Anteil von fast 30 Prozent an den globalen Emissionen. Es folgen die USA (13,9 Prozent), Indien (6,9 Prozent) und Russland (4,6 Prozent). Deutschland kommt mit einem Anteil von zwei Prozent auf Platz sechs. Pro Kopf sieht die Rangliste ganz anders aus: Hier belegen die Öl-Staaten Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien die ersten drei Plätze der Sünder-Liste. Die USA folgen erst auf Platz fünf, haben pro Kopf aber fast doppelt so hohe Emissionen wie China.

Warum ist der Ausrichter umstritten? Bizarr ist, dass ausgerechnet die Nummer zwei der Pro-Kopf-Sünderliste, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ausrichter der Konferenz sind. Und ausgerechnet der Chef eines der weltgrößten Ölkonzerne, Sultan Ahmed Al Jaber, ist Präsident der Cop 28. Er führt im Hauptberuf den Konzern Adnoc. Kann und will ein Manager der fossilen Industrie die nötigen einschneidenden Maßnahmen in der Klimapolitik erzwingen und Verhandlungen dazu moderieren? Mit Al Jaber habe man den Bock zum Gärtner gemacht, sagt denn auch Martin Kaiser, Deutschland-Chef von Greenpeace. Al Jaber weist die Vorwürfe zurück, gerade er habe sich mit Nachhaltigkeit seit Jahren befasst.

Wann wird die Cop 28 ein Erfolg? „Es besteht eine realistische Chance, dass sich die Staatengemeinschaft auf ein gemeinsames Ausbauziel für die erneuerbaren Energien einigt (Verdreifachung der installierten Kapazitäten bis 2030) und auch Ziele für die Verbesserung der Energieeffizienz formulieren wird“, sagt Fischedick. Ein großer Erfolg wäre es hingegen, wenn es parallel dazu gelingen würde, klare Aussagen über den notwendigen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger in Stufen und die drastische Reduktion klimaschädlicher Subventionen zu formulieren. „Dies erscheint angesichts der Blockade zentraler Ölförderländer wie Russland und Saudi-Arabien aber unwahrscheinlich“, so der Forscher. Wenn es schlecht läuft, endet die Cop 28 wie die Cop 27 – mit großer Ernüchterung, die die Welt sich angesichts der Klimakrise eigentlich nicht leisten kann.

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