Nummer Fünf kommt aus Lübeck: Schavan bekommt einen neuen Ehrendoktor

Nummer Fünf kommt aus Lübeck : Schavan bekommt einen neuen Ehrendoktor

Ein Doktortitel ist weg, ein neuer kommt hinzu. Die Universität Lübeck will Ex-Bildungsministerin Annette Schavan weiterhin mit einem Ehrendoktor ehren. Schavans Leistungen als Forschungsministerin seien unbestritten, heißt es. Trost für die angeschlagene CDU-Politikerin.

Die Universität Lübeck will an der Verleihung der Ehrendoktorwürde an die zurückgetretene Bildungsministerin Annette Schavan festhalten. Man werde den Rechtsstreit der Ex-Ministerin mit der Universität Düsseldorf auf Wunsch von Frau Schavan aber noch abwarten, hieß es in Universitätskreisen. Es wäre Schavans fünfter Ehrendoktortitel.

Die Lübecker Hochschule hatte sich nach einem aufwändigen Verfahren im Januar 2012 entschlossen, der damaligen Ministerin für ihre Verdienste um die Medizinische Wissenschaft den "Dr. med. h.c.", einen Doktortitel ehrenhalber, zu verleihen. Daran wolle man festhalten, hieß es nun. Schließlich seien die Verdienste unbestritten. Schavan hatte unter anderem die Klinischen Gesundheitsforschungszentren, die sich mit der Erforschung von Volkskrankheiten befasst, unterstützt und sich für den Erhalt der Medizinstudienplätze an der Universität Lübeck eingesetzt.

Auch die Freie Universität Berlin will der Ex-Ministerin die verliehene Honorarprofessur nicht wieder abnehmen. Es gebe keine entsprechenden Pläne, hieß es im Senat der Universität.
Die Universität Düsseldorf hat derweil Schavan die schriftliche Begründung für den Entzug des Doktortitels zugestellt. Der Dekan der Philosophischen Fakultät, Bruno Bleckmann, habe Schavan am vergangenen Freitag die Entscheidung formal zugestellt, sagte ein Hochschulsprecher gestern. Schavan habe bis zum 15. März Zeit, Rechtsmittel beim Verwaltungsgericht Düsseldorf einzulegen. Die Fakultät sei bereit, die Begründung für den Entzug des Doktortitels "transparent" zu machen, wenn Schavan einer Veröffentlichung zustimme.

Schavan schweigt

Schavan wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht zu dem Vorgang äußern. Öffentlich werde sie das Verfahren bis zum endgültigen Urteil des Verwaltungsgerichts nicht kommentieren, heißt es in der CDU. Dass Schavan unabhängig von der schriftlichen Begründung Klage gegen das Urteil der Universität einlegt, gilt indes als sicher. Schavans Anwälte sollen bereits eine entsprechende Klage formuliert haben. Das Schreiben dürfte in den nächsten Tagen beim Verwaltungsgericht und der Universität Düsseldorf eingehen.

Der Rat der Philosophischen Fakultät hatte der CDU-Ministerin am 5. Februar wegen "vorsätzlicher Täuschung" in ihrer Promotionsarbeit den vor 33 Jahren erworbenen Doktortitel entzogen. Vier Tage später trat Schavan zurück. Die 57-Jährige gebürtige Jüchenerin hatte Vorwürfe stets zurückgewiesen, in ihrer Dissertation abgeschrieben oder getäuscht zu haben. Aus der Wissenschaftsszene erhielt Schavan in den vergangenen Wochen große Unterstützung. Mehrere Wissenschaftler hatten die Universität Düsseldorf dafür kritisiert, dass sie keinen externen Fachgutachter in dem Verfahren gegen Schavan eingesetzt hatten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Annette Schavan

(brö)
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