Lübecker Bürgerschaft: Satire-Partei erringt erstes politisches Mandat

Lübecker Bürgerschaft : Satire-Partei erringt erstes politisches Mandat

Bastian Langbehn zieht in die Lübecker Bürgerschaft ein. Wohl selten hat sich ein Politiker so über ein Wahlergebnis von 1,3 Prozent gefreut wie der 30-Jährige.

Weil es in den kommunalen Parlamenten von Schleswig-Holstein keine Fünf-Prozent-Hürde gibt, ist der 30 Jahre alte Vorsitzende der "Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative", kurz: "Die Partei", im Kreisverband Lübeck ab sofort Abgeordneter in der Bürgerschaft der Hansestadt.

831 Norddeutsche gaben am Sonntag der nicht ganz ernst gemeinten Truppe von Martin Sonneborn, dem ehemaligen Chefredakteur des Satire-Magazins "Titanic", ihre Stimme. Ob sie genau wussten, wen sie da wählen, ist unbekannt. Die Polit-Spaßvögel kümmert das nicht. Sie feiern sich selbst, sprechen von "erdrutschartigen Stimmengewinnen" und einem "Machtwechsel" in Lübeck. Und tatsächlich könnte Langbehn eine entscheidende Rolle spielen. Denn SPD und CDU sind mit je 16 Sitzen gleich stark, und Rot-Grün fehlt ein Sitz zur Mehrheit. Fraglich ist allerdings, ob sich die etablierten Kollegen für Vorschläge wie "die Bekämpfung der Korruption durch anonyme Spenden" oder "Umerziehungslager" für lokale Journalisten erwärmen können. Außerdem sind insgesamt neun Parteien in der Bürgerschaft vertreten — die Auswahl für mögliche Bündnisse ist also groß.

Für den 48-jährigen Sonneborn, der auch als Reporter in der ZDF-Satiresendung "heute-show" unterwegs ist, ist es der bisher größte politische Erfolg — eine bessere Realsatire hätte er sich selbst kaum ausdenken können. Bereits 2009 war Sonneborn mit seiner "Partei" an der Zulassung zur Bundestagswahl gescheitert, weil das Verfassungsgericht ihr die "notwendige Ernsthaftigkeit" absprach. Dagegen hatte der Parteigründer erfolglos geklagt.

(RP/felt)
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