Von der "heute-show" bis zur Spaßpartei: Satire — auch so geht politische Opposition

Von der "heute-show" bis zur Spaßpartei : Satire — auch so geht politische Opposition

So mancher Wähler sieht keinen Unterschied mehr zwischen den etablierten Parteien, Politikverdrossenheit macht sich breit. Doch wer übt noch Kritik an den Regierenden, die auch von den Bürgern geteilt wird? Die Satiriker zum Beispiel. Hierzulande boomen etwa Sendungen wie die "heute-show". Aber auch im Ausland ist es ein probates Mittel, um sich Gehör zu verschaffen – und dank des Internets nimmt die ganze Welt Anteil daran.

So mancher Wähler sieht keinen Unterschied mehr zwischen den etablierten Parteien, Politikverdrossenheit macht sich breit. Doch wer übt noch Kritik an den Regierenden, die auch von den Bürgern geteilt wird? Die Satiriker zum Beispiel. Hierzulande boomen etwa Sendungen wie die "heute-show". Aber auch im Ausland ist es ein probates Mittel, um sich Gehör zu verschaffen — und dank des Internets nimmt die ganze Welt Anteil daran.

Es war Mitte Oktober, als die Meldung die Runde machte, dass ein FDP-Mitglied und Ortsverbandsvorsitzender Beschwerde gegen die "heute-show" einlegt — als Privatmann. Grund war die Sendung zwei Tage vor der Bundestagswahl, in der die FDP zum Auslaufmodell erklärt wurde, wie die "Südwest Presse" damals schrieb. Für den FDP-Mann sei das ein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot der öffentlich-rechtlichen Sender gewesen.

Darüber kann nun gestritten werden; dass Politiker aller Couleur aber jede Menge Spott in Satire-Sendungen über sich ergehen lassen müssen, ist bei Weitem nichts Neues. Der Fall zeigt aber auch eines: dass solche TV-Shows durchaus von der Politik gefürchtet oder zumindest beachtet werden. So hatte etwa auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mächtig aufpassen müssen, nicht in die kleinen Fallen von Moderator Oliver Welke zu stolpern, als sie im Februar in der Sendung zu Gast war. Ein Forum ist es für Politiker wie Kraft aber auch. Denn die Wähler mögen solche Satire-Shows. Die "heute-Show" im ZDF etwa schaffte in der Woche des "Spähskandals" einen neuen Zuschauerrekord.

Aber es ist nicht das einzige Beispiel für gelunge politische Satire in Deutschland. Sehr erfolgreich ist auch Stefan Sichermann, der die satirische Website "Der Postillon"betreibt. Gerade wenn ein neuer Skandal in Deutschland die Runde macht, werden seine ironischen Artikel immer wieder in sozialen Netzwerken wie Facebook geteilt. So etwa auch in der Handy-Spionage-Affäre. In Bezug auf die Aussage von Kanzleramtschef Ronald Pofalla vom Sommer, die NSA-Affäre sei beendet, titelte er vor einigen Tagen: "Pofalla will wissen, welchen Teil von die NSA-Affäre ist beendet' Merkel nicht verstanden hat." Und manchmal greift die Satire hierzulande auch in die reale Politik ein.

"Die Partei" und Grillos "Fünf-Sterne-Bewegung"

Bei der Bundestagswahl 2009 hatte Hape Kerkeling mit seiner Kunstfigur Horst Schlämmer und dem Film "Ich kandidiere" für Furore gesorgt. Bei Umfragen gab sogar so mancher Wähler an, ihn wählen zu wollen — wenn es denn möglich wäre. In der realen Politik gibt es aber tatsächlich eine Partei, deren Ziele zwar nicht ganz so ernst gemeint sind, die aber dennoch mitmischen will im Berliner Politikbetrieb: "Die Partei". Bei der Bundestagswahl 2013 durfte sie wieder antreten, und in der Lübecker Bürgerschaft hat sie — da dort keine Fünf-Prozent-Hürde galt — im Mai sogar ihr erstes politisches Mandat errungen.

Im Ausland gibt es ein ähnliches Beispiel — mit sogar viel größerem Erfolg. Die Rede ist von Beppe Grillos "Fünf-Sterne-Bewegung", die es bei den vergangenen Jahren sogar ins italienische Parlament gebracht hat. Grillo selbst hatte einst als Komiker angefangen und mächtig über die Politikerklasse seines Landes hergezogen. Das sei keine Satire mehr, kommentierte er damals während einer Tour, sondern "reiner Hyperrealismus". Aufgrund der zunehmenden Protestwähler könnte diesem Beispiel vielleicht auch in anderen Ländern manches folgen.

Nicht überall auf der Welt aber wird Satire an den Mächtigen so einfach hingenommen. In manchen Regimen müssen die politischen Gegner mit Verfolgung und harten Gefängnisstrafen rechnen. Jegliche Kritik an den Oberen, auch versteckte, wird geahndet. Das macht gerade Satirikern die Arbeit nicht einfach. In Ägypten etwa hat der Sender CBC sich von der Sendung "Das Programm" distanziert, das aber das Flaggschiff des Senders ist. Dahinter steckt, so schreibt heute.de, der ägyptische Satiriker Bassem Youssef, der nach dreimonatiger Pause nun wieder auf Sendung ist.

Seine Show, heißt es auf heute.de machte ihn zum Mega-Star, der gestürzte Präsident Mohammed Mursi war lange Zeit sein Lieblingsopfer. Die Regierung habe ihn sogar versucht, zum Schweigen zu bringen und einen Prozess angestrengt, was ihn endgültig zum Helden gemacht habe. Youssef habe einen guten Teil dazu beigetragen, den Aufstand gegen Mursi anzufeuern, heißt es in dem Bericht. Die Plattform dafür hatte er — im Gegensatz zu manchem Satiriker oder Oppositionellen in anderen Ländern. Doch auch sie haben ihre Protestform gefunden: das Internet.

Von Indien über Syrien bis Saudi-Arabien

Denn immer wieder sind auf Plattformen wie Youtube Satire-Videos zu finden, die mit bitterböser Ironie die Politik in manchem Land anprangerten. So wird derzeit der Clip des saudi-arabischen Komikers Hisham Fageeh zur Klickmaschine. Er hat den Bob-Marley-Klassiker "No Woman no cry" umgedichtet in "No Woman, no drive" und stachelt damit die Debatte um das umstrittene Fahrverbot für Frauen in seinem Land auf.

In Indien hatte die Gruppe "All India Bakchod" vor einem Monat das Video "It's your fault" eingestellt, in dem die vielen Vergewaltigungen von Frauen in Indien thematisiert wurden. Unter anderem eine Bollywood-Darstellerin lächelt immer wieder in die Kamera und erklärt, warum eine Vergewaltigung Schuld der Frauen sei — und greift dabei jede noch so irrsinnige Begründung aus der öffentlichen Debatte auf. Die Frau selbst hat mit jeder Szene mehr Verletzungen, doch ihr Lächeln legt sie nicht ab.

Und in Syrien stellen die Rebellen immer wieder satirische Videos in Netz, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen — so wie etwa mit dem Clip "Die syrische Revolution in drei Minuten", in der die Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf die Giftgas-Vorwürfe gegen das Assad-Regimes angeprangert wird. Es wird sicherlich nicht das letzte Satire-Video sein, dass die Welt von den Rebellen sehen wird.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das Satire-Video "No Women, no drive"

(das)