"Salaam-Schalom" — gemeinsam für Frieden und Toleranz

Berliner Verein von Juden, Muslimen und Christen : "Salaam-Schalom" — gemeinsam für Frieden und Toleranz

Im Gaza-Krieg stehen sich die Konfliktparteien derzeit unversöhnlich gegenüber. Eine Initiative in Berlin-Neukölln zeigt, dass das Zusammenleben zwischen Juden, Muslimen und Angehörigen anderer Religionen durchaus funktionieren kann. Auf ihr Engagement ist nun auch der Bundespräsident aufmerksam geworden. Er empfängt am heutigen Freitagnachmittag Vertreter der Initiative auf Schloss Bellevue.

Es ist erst wenige Tage her, dass Bundespräsident Joachim Gauck mehr Zivilcourage gegen Judenfeindlichkeit gefordert hatte. "Ich möchte alle Deutschen und alle Menschen, die hier leben, auffordern, immer dann ihre Stimme zu erheben, wenn es einen neuen Antisemitismus gibt, der sich auf den Straßen brüstet", sagte Gauck. Hintergrund waren die antisemitischen Parolen, die zuletzt bei Demonstrationen im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt zu hören waren. Nun empfängt der Bundespräsident Vertreter der Initiative "Salaam-Schalom", die in Berlin-Neukölln zeigt, wie das Zusammenleben verschiedener Religionen funktionieren kann.

Neukölln gilt als Schmelztiegel der Kulturen, ein Ort, an dem Menschen jeder Religion oder Nationalität zusammenleben. "Das ist hier Alltag und normal", sagen Armin Langer, ein junger Rabbine-Student, und Ender Cetin, Vorstand der großen türkischen Sehitlik-Moschee in dem Berliner Bezirk. Die beiden verbindet eines: Sie werben für Toleranz — in der Initiative "Salaam-Schalom". Der Name beinhaltet die arabische und die hebräische Bezeichnung für Frieden.

Mit einem Videoprojekt fing es an

Gegründet wurde die Initiative im Dezember des vergangenen Jahres von Neuköllner Juden, Muslimen und Christen. Hintergrund war der Überfall auf einen Rabbiner im Jahr 2012, der im Anschluss Bezirke wie Neukölln als "No-Go-Area" für Juden bezeichnet hatte. Die Gründungsmitglieder, darunter auch Armin Langer, wollten das Gegenteil beweisen. "Stigmatisierungen, die zu Misstrauen und Spannungen führen, möchte SaSha auflösen", heißt es auf der Webseite der Initiative. Ihr erstes Projekt: Sie fragten Juden und Muslime per Video nach ihrer Meinung zu der Aussage des Rabbiners. Der Dialog war eröffnet.

"Die Juden haben gesagt, dass die Aussage des Rabbis provokant und gefährlich wäre, die Muslime haben sich beleidigt gefühlt", sagt Langer im Gespräch mit jetzt.de, einem Online-Magazin der "Süddeutschen Zeitung". Der Student fügt noch hinzu: "Ich weiß, dass der Rabbi nicht islamophob ist, aber solche Aussagen bieten natürlich Nährboden für Vorurteile und das wollen wir nicht."

Das Video-Projekt sollte nur ein Anfang sein für eine Reihe von Projekten, mit denen das friedliche Zusammenleben und Solidarität gefördert werden sollen. So gab es zuletzt eine interreligiöse Party mit israelischen, kurdischen, palästinensischen und anderen Bands und DJs, im Spätsommer soll ein Handbuch für Neueinwanderer unter anderem in Arabisch erscheinen, dass denjenigen praktische Tipps geben soll, die erst frisch in Deutschland leben. Eine Plakatkampagne ist geplant, mit der die meistverbreiteten antimuslimischen Stereotypen widerlegt werden sollen. Zudem wird eine Sportgruppe unter Leitung eines ungarischen Juden ab Herbst auch muslimische Kinder in Krav-Maga unterrichten.

Eine Menschenkette zum Ende des Ramadan

Die Arbeit der Intitiative, deren Kern aus ungefähr 20 Personen besteht, zahlt sich jedenfalls aus. Es gibt gute Beziehungen zur Sehitlik-Moschee. Schon früh wurden die Mitglieder von "Salaam-Schalom" in die Moschee eingeladen, um ihr Projekt vorzustellen. Dass Neukölln eine "No-Go-Area" für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist, bewiesen sie dann zum Abschluss des Fastenmonat Ramadan mit einer großen Menschenkette in Berlin. Demonstrativ fassten sich dabei Dutzende Juden, Muslime und Christen an den Händen — ganz nach dem Motto: "Wir sind keine Feinde."

Das Thema Gaza-Konflikt wird natürlich auch bei den Mitgliedern der Gruppe diskutiert, wie Langer jetzt.de sagte, und es gebe dabei auch mal Meinungsverschiedenheiten, "aber bei dem ganzen Nahostthema ist ja nie jemand einer Meinung. Wir haben auch Israelis, die streiten, was der richtige Weg wäre". Als Gruppe aber wollen sie zu dem Konflikt kein Statement abgeben, "unser Hauptaufgabenfeld ist ja auch Berlin".

mit Agenturmaterial

(das)
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