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Bildungsmonitor: Sachsen sehr gut — NRW mangelhaft

Bildungsmonitor : Sachsen sehr gut — NRW mangelhaft

Köln (RPO). Dass Bildung ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, hat auch die deutsche Politik inzwischen verstanden. Am besten umgesetzt haben die neuen Zielvorgaben laut dem aktuellen Bildungsmonitor von den Bundesländern bisher die Sachsen. Die Studie zeigt aber auch, dass der demografische Wandel durchaus positive Auswirkungen auf die Bildung in Deutschland hat.

Köln (RPO). Dass Bildung ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, hat auch die deutsche Politik inzwischen verstanden. Am besten umgesetzt haben die neuen Zielvorgaben laut dem aktuellen Bildungsmonitor von den Bundesländern bisher die Sachsen. Die Studie zeigt aber auch, dass der demografische Wandel durchaus positive Auswirkungen auf die Bildung in Deutschland hat.

8,8 Milliarden Euro — diese stolze Summe kann den Schülern, Auszubildenden und Studenten im Jahr 2020 zugute kommen, sind sich die Studienmacher sicher. Als Grund nennen sie die sinkenden Schülerzahlen. Bedingung dafür ist allerdings, dass nicht an der Bildung gespart wird.

Der Bildungsmonitor 2010 macht eine einfache Rechnung auf. Wenn es weniger Schüler gibt, das Geld aber in gleichem Maße im Bildungssektor verbleibt, dann steht in den nächsten Jahren pro Kopf mehr Geld zur Verfügung. So könnte etwa die individuelle Förderung der Schüler davon profitieren und ausgebaut werden.

Lob für neue Bundesländer

Dass dies durchaus sinnvoll ist, belegt der Bildungsmonitor anhand der Entwicklung in den neuen Bundesländern, die mit Abwanderung zu kämpfen haben. Dort habe es vergleichbare Entwicklungen gegeben, die Ausgaben blieben aber im System - und die Länder Sachsen und Thüringen belegen in der Studie nun Platz eins und Platz zwei (gemessen an statistischen Zahlen aus dem jahr 2008).

Die beiden Länder seien die "Kaderschmieden" in den Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaften. Zwar gebe es dort Defizite bei der Vermittlung von Fremdsprachen, aber die Schulqualität sei weiterhin die höchste. Auch die anderen ostdeutschen Länder stünden in diesen Fächern ausgesprochen gut da.

Dass es vor allem diese Fächer sind, auf die sich die Studie besonders bezieht, - ebenso wie auf Bereiche wie Internationalisierung und Forschungsorientierung, ist nicht verwunderlich, denn die federführenden Initiatoren sind wirtschaftsnahe Einrichtung wie das Institut für Wirtschaft Köln und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Auch wenn in diesem Jahr erstmals Fragen zur sprachlichen Kompetenz von Neuntklässlern aufgenommen wurden.

Auswirkungen auf Steuereinnahmen

Allerdings lässt sich an dem Bildungsmonitor sehen, den es jedes Jahr gibt, dass nicht nur die Politik, sondern auch die Wirtschaft verstanden hat, wie wichtig Investitionen in die Bildung sind. Und so haben die Studienmacher sogar ausgerechnet, wie sich die oben genannten 8,8 Milliarden Euro auf das Bruttosozialprodukt und auf die Steuereinnahmen auswirken würden.

Demnach würde sich die Wachstumsrate der deutschen Wirtschaft langfristig um 0,27 Prozent verbessern, weil die Jugendlichen bessere Fähigkeiten in Mathematik und Naturwissenschaften hätten. Daraus schließt die Studie Steuermehreinnahmen von bis zu 183 Milliarden Euro im Jahr 2050. Wie allerdings diese Zahlen zustande kommen, wird nicht deutlich.

Doch die Studienmacher wollen damit eins deutlich machen: Investitionen in das Bildungswesen rechneten sich vor diesem Hintergrund auch für die öffentlichen Haushalte. Und dass sich Bildungsinvestitionen lohnen, werden weder die Schulen und Hochschulen, noch die Landes- und Bundespolitiker abstreiten. Im Gegenteil: Inzwischen herrscht ein breiter Konsens, dass Bildung eines der wichtigsten Politikfelder ist.

Effizienterer Einsatz von Geld und Personal

Insgesamt kommt die Studie zu dem Schluss, dass an den (Hoch-)schulen bessere Bedingungen für die Förderung des wirtschaftlichen Wachstums herrschten. Diese Fortschritte liegen demnach daran, dass Bildungszeit besser genutzt werde, also etwa weniger Schüler sitzen bleiben oder Studenten - dank Bachelor - schneller mit dem Studium fertig würden.

Einen weiteren Grund sehen die Institute daran, dass Sachmittel und Personal effizienter eingesetzt würden. So gebe es eine ausgeglichenere Altersstruktur unter den Lehrkräften und mehr Kapital an den Hochschulen.

Am schlechtesten schneidet in der Studie übrigens Berlin ab. Nordrhein-Westfalen konnte sich um einen Platz verbessern. Das Land liegt nun auf Platz 14, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern. Zur Spitzengruppe gehören neben Sachsen und Thüringen Baden-Württemberg auf Platz drei, gefolgt von Bayern und Bremen.

Löhrmann: NRW will sich anstrengen

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) kündigte in einer Reaktion verstärkte Bildungsanstrengungen des Landes an: "Unser Ziel ist es, durch bessere Bildung mehr sozialen Aufstieg zu ermöglichen." Die neue rot-grüne Koalition habe entschieden, "die aufgrund der sinkenden Schülerzahlen frei werdenden Mittel im System zu belassen, um sie gezielt zur Verbesserung der Schulergebnisse in NRW zu nutzen".

Der Verband "lehrer nrw" begrüßte die Pläne Löhrmanns, die durch sinkende Schülerzahlen frei werdenden Mittel im System zu belassen. "Wichtig ist aber, dass diese Demografiegewinne allen Schulen in gleicher Gewichtung zugute kommen und es keine Bevorzugung der von Rot-Grün angestrebten Gemeinschaftsschulen gibt", mahnte die Organisation an.

Hier geht es zur Infostrecke: Bildungsmonitor 2010: So schneidet NRW ab