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Saarland will Französisch zur Verkehrssprache machen

Bundesland soll zweisprachig werden : Saarland will Französisch zur Verkehrssprache machen

Lingualer Vorstoß im Saarland: Die Landesregierung plant, das kleine Gebiet im Südwesten zum einzigen zweisprachigen Bundesland Deutschlands zu machen.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Stellvertreterin Anke Rehlinger (SPD) gaben am Dienstag in Saarbrücken die Eckpunkte des Programms bekannt, wonach Französisch flächendeckend bereits in Kitas und Grundschulen unterrichtet und bis 2043 zur zweiten Verkehrssprache werden soll.

Auch auf Bundesebene wollen Deutschland und Frankreich näher zusammenrücken: Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) besucht derzeit seinen französischen Amtskollegen Fabius in Paris. In einem Strategiepapier gab das Auswärtige Amt bekannt, dass die militärische Zusammenarbeit beider Länder intensiviert werden soll.

Die saarländische Wirtschaft ist bereits jetzt stark auf die französischen Nachbarregionen ausgerichtet - täglich pendeln 18.000 Lothringer über die Grenze. Die Regierung betont, dass Französisch lediglich Verkehrs-, nicht aber Amtssprache werden soll. Durch die verbesserten Sprachkenntnisse sollen die wirtschaftlichen Beziehungen deutlich enger werden. In der Landesverwaltung sollen dann außerdem Französischkenntnisse Einstellungskriterium sein. Offiziell werde aber weiterhin ausschließlich Deutsch gesprochen.

Bereits jetzt ist Französisch im Saarland meist erste Fremdsprache auf weiterführenden Schulen, in der Grundschule wird es teils ab der ersten, teils ab der dritten Klasse gelehrt. Englisch soll auch weiterhin als erste Fremdsprache gefördert werden. Als wirtschaftsschwaches Bundesland kämpft das Saarland um seine Eigenständigkeit. In Zukunft soll es aber als "Brücke nach Deutschland" und "Tor zu Frankreich unentbehrlich und unumgänglich" werden, wie es in der Pressemitteilung der Landesregierung heißt.

Eine vergleichbare Situation existiert bereits in Gebieten Ostdeutschlands, wo Sorbisch als Umgangssprache verbreitet ist. Gar zwei Amtssprachen gibt es unter anderem in ganz Luxemburg und vielen Regionen Belgiens, unter anderem der Hauptstadt Brüssel. In seiner Geschichte gehörte das Gebiet des heutigen Saarlands bereits häufiger zu Frankreich, so wurde es unter König Louis XIV und nach der Französischen Revolution an Frankreich angeschlossen. Zuletzt stand es nach dem zweiten Weltkrieg unter französischer Verwaltung und war bis 1954 eigenständig.

(felt)