Zur Netzstabilisierung: Rösler belohnt Betriebe für Strom-Abschaltung

Zur Netzstabilisierung: Rösler belohnt Betriebe für Strom-Abschaltung

Energieintensive Betriebe wie Aluminiumhütten oder Stahlwerke sollen künftig viel Geld damit verdienen können, dass sie auf Zuruf kurzfristig für eine bestimmte Zeit vom Stromnetz gehen.

Die Bundesregierung will auf diese Weise das Netz stabilisieren, das durch die immer größer werdende Menge von Ökostrom-Einspeisungen starken Schwankungen ausgesetzt ist. Die entsprechende "Verordnung zu abschaltbaren Lasten" des Bundeswirtschaftsministeriums wird heute vom Kabinett verabschiedet. Sie liegt unserer Redaktion vor.

Konkret sollen die Übertragungsnetzbetreiber monatlich bundesweit 3000 Megawatt an Abschaltleistung ausschreiben. Große Stromverbraucher können an der Ausschreibung teilnehmen und den Netzbetreibern anbieten, ihren Stromverbrauch für kurze Zeit zu drosseln. Von den 3000 Megawatt, die monatlich ausgeschrieben werden, sollen 1500 in Sekunden, die andere Hälfte innerhalb von 15 Minuten vom Netz gehen können.

Kosten sollen andere Stromverbraucher tragen

Die Anbieter erhalten für das Bereithalten der Abschaltbarkeit 1667 Euro monatlich pro Megawatt Abschaltleistung oder maximal 20.000 Euro im Jahr. In einem ersten Entwurf hatte das Ministerium zu Jahresbeginn hier noch maximal 60.000 Euro vorgesehen. Die Abschaltungen selbst werden mit einem "Arbeitspreis" vergütet, der zwischen 100 und 500 Euro pro Megawattstunde liegt. Die Kosten sollen alle übrigen Stromverbraucher tragen.

  • Bürger in Meerbusch alarmiert : Mega-Stromleitung im Rheinland kommt

Maximal zu erwarten seien Kosten von jährlich 348 Millionen Euro, heißt es in der Kabinettvorlage für die Verordnung. "Für den Stromverbraucher errechnet sich eine theoretisch mögliche Umlage in Höhe von bis zu 0,1194 Cent pro Kilowattstunde pro Jahr. Dies entspräche einer Mehrbelastung für den durchschnittlichen Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch von 4,18 Euro. Tatsächlich zu erwarten sind zwischen ein und zwei Euro jährlich." Die Regelung soll für drei Jahre gelten. Sie bedarf der Zustimmung des Bundestags.

"Durch den ungebremsten Ausbau der erneuerbaren Energien nehmen die Belastungen der Stromnetze immer mehr zu", erklärte das Wirtschaftsministerium. "Hier müssen wir gegensteuern." Das Stromnetz ist wegen der Energiewende und Verzögerungen beim Ausbau in einer kritischen Lage. Die Zahl kurzfristiger Abschaltungen habe sich stark erhöht, hieß es gestern in einem Monitoring-Bericht von Netzagentur und Kartellamt.

Weiter heißt es in dem Bericht, dass im vergangenen Jahr 3,8 Millionen Haushalte den Stromlieferanten wechselten, 27 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dennoch zahlen fast 40 Prozent der Haushalte noch immer mehr Geld als sie müssten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Philipp Rösler

(mar)
Mehr von RP ONLINE