Robert Habeck: Kritik an Donald Trump begleitet ihn auch bei USA-Reise

„Ich war wirklich deprimiert“ : Grünen-Chef Habeck bezieht bei USA-Reise Stellung zu seiner Trump-Kritik

Mit seinen Äußerungen über die Rede von US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat Grünen-Chef Robert Habeck für mächtig Diskussionen gesorgt. Jetzt reiste er in die USA. Auch dort wurde er mit dem Thema konfrontiert.

Es werde keinen verwundern, sagt Robert Habeck mit schönem Understatement, dass seine Kritik an Donald Trump „hin und wieder“ Thema gewesen sei bei seinem Besuch in Washington. Sehr undiplomatisch habe man mit ihm darüber geredet, sehr offen. Und daher, fügt der Grünen-Vorsitzende in einer Runde mit Journalisten hinzu, sei es ein erhellendes Gespräch gewesen, eines, das zu großer Klarheit geführt habe.

In zwei Ministerien, dem State Department und dem Pentagon, hat sich Habeck mit Regierungsvertretern getroffen, bevor er am Freitagabend, nachts in Mitteleuropa, weiterflog nach El Paso, in eine texanische Stadt an der Grenze zu Mexiko. Besonders im Auswärtigen Amt, resümiert er, habe man ihn ohne Umschweife wissen lassen, wie unangemessen man finde, was er in Davos über den US-Präsidenten gesagt habe. Habeck hatte dessen Rede beim Weltwirtschaftsforum ein Desaster genannt und Trump als „Gegner“ bezeichnet. In Washington dann scheint es kontrovers zur Sache gegangen sein.

Der direkte Austausch, betont der Gast aus Deutschland, habe jedenfalls eines in großer Klarheit herausgearbeitet: „dass es nicht um Rhetorik geht, sondern um unterschiedliche politische Ansätze.“ Im Übrigen hätten ihn amerikanische Kritiker Trumps, Transatlantiker, wie er betont, in seiner Haltung bestärkt. Für Schweigsamkeit und Wegducken, so deren Befund, bekomme man in den USA nichts, belohnt werde nur die Ehrlichkeit der Auseinandersetzung.

Zu den Transatlantikern, die Habeck meint, gehört John Podesta. Einst war er Stabschef Bill Clintons, des vielleicht letzten wahren Europa-Verstehers unter den amerikanischen Präsidenten, heute leitet er das Center for American Progress (CAP), einen Thinktank, der sich als Ideengeber für die Demokratische Partei versteht. Wie er den Grünen zu Beginn einer Diskussionsrunde vorstellt, lässt eine gewisse Freude am Duell mit dem eigenen Präsidenten erkennen. Habeck, lobt der Politikveteran, habe in Davos kurz und bündig zusammengefasst, welche Gefahr Trump für das Klima und die notwendigen Lösungen der Klimakrise bedeute: „Wir müssen den Kampf mit ihm aufnehmen, denn er steht auf der anderen Seite“.

„Sie müssen verstehen, ich bin von den Grünen“, hebt Habeck an, als ihn die Moderatorin des CAP fragt, ob er seine Äußerungen noch einmal kommentieren wolle. Für seine Partei sei Davos immer ein Treffen der Reichen gewesen, mehr Teil des Problems, nicht der Lösung. Diesmal sei das anders gewesen. Diesmal hätten sich Spitzenmanager und Bankdirektoren tatsächlich Mühe gegeben, das Klimaproblem zu verstehen. Diesmal hätten Kapitalisten nicht über den Kapitalismus geredet, sondern über die Änderung des Systems. „Und dann kam Donald Trump und missachtete den Ansatz komplett.“ „Ich war wirklich deprimiert“, blendet Habeck zurück. „Ein ernsthafter Ansatz wurde einfach nicht ernst genommen von ihm.“

Rückendeckung bekommt er von Jerry Brown, dem ehemaligen Gouverneur Kaliforniens, der trotz seiner 81 Jahre zwischen Seattle und Miami zu den lautesten Mahnern der Klimadebatte zählt. Rückendeckung, aber auch den Rat, sich nicht alles auf Trump zu fokussieren. Der Mann repräsentiere nämlich einen beträchtlichen Teil seines Landes, und wenn er wie eine Karikatur für Wut, vulgäre Worte und „Cowboy-Ökonomie“ stehe, dann tue er dies mit gewissem Charme, mit gewisser Raffinesse. Davon gehe eine „dunkle Anziehungskraft“ aus, sodass mindestens vierzig Prozent der Wähler bereit seien, ihn im Amt zu bestätigen. Nur dürfe man eben nicht mit Weltuntergangsrhetorik dagegen anpredigen, rät Brown, besser sei der Optimismus eines „fröhlichen Kriegers“.

Später spricht Habeck in der Bibliothek der altehrwürdigen Georgetown University über seine „progressive Vision für die Zukunft Europas“. Auch dies ist ein Heimspiel für ihn. Für die Studenten, die gekommen sind, ist er so etwas wie ein Hoffnungsträger von der anderen Seite des Atlantiks. Habeck spricht vom „New Deal“ Franklin Roosevelts, an dessen Denkmal er morgens um fünf, schwer im Jetlag und daher früh wach, vorbeigejoggt war. Er spricht vom „Green New Deal“, für ihn die moderne Variante eines Kraftakts à la Roosevelt. Erklären muss er nicht viel, schließlich waren es amerikanische Politiker, die noch vor den Europäern für einen „Green New Deal“ warben. In Schleudern gerät Habeck allerdings, als eine Studentin wissen will, wie er die Chancen für künftige Handelsabkommen sieht. Dass seine Partei gegen TTIP war, stellt er schnörkellos klar. Ziemlich vage spricht er davon, dass es einen umfassenden transatlantischen Vertrag eben nur geben könne, wenn dieser „wertegebunden“ sei.

Dem Phänomen Trump, sagt er noch, bevor er weiterfliegt nach Texas, begegne mancher in Europas Regierungsetagen nach seinem Geschmack ein bisschen zu demütig. „Man muss schon noch das Richtige vom Falschen unterscheiden.“

(dpa)