Robert Habeck in Düsseldorf: "Hören Sie auf mit dem Kanzlerquatsch"

Robert Habeck beim Ständehaus-Treff : „Hören Sie auf mit dem Kanzlerquatsch“

Der Grünen-Chef Robert Habeck war zu Gast beim Ständehaus-Treff in Düsseldorf. Vor 500 Gästen stellte er sich gut eine Stunde lang den Fragen von RP-Chefredakteur Michael Bröcker. Ein Gespräch über Klimaschutz, Mieten, die K-Frage und Prügeleien in der Kindheit.

Die Einstiegsfrage lag auf der Hand. Wie er denn angereist sei, wollte RP-Chefredakteur Michael Bröcker von Grünen-Chef Robert Habeck wissen. „Nicht ökologisch“, gab Habeck zu. Er sei nun mal im Hauptberuf Bundesvorsitzender der Grünen und nicht Talkgast bei der „Rheinischen Post“ – ohne Flugzeug hätte er es nicht nach Düsseldorf geschafft.

Gut eine Stunde lang stellte der promovierte Philosoph sich den Fragen der RP, die mal auf politische Streitfälle abzielten und mal auf eher anekdotische Begebenheiten aus Habecks Privatleben. Über 500 geladene Gäste aus Politik, Kultur und Wirtschaft hörten im Ständehaus-Saal unter der großen Glaskuppel zu, während die Kellner – diesen Gag wollte die Küche sich nicht verkneifen – grüne Ricotta-Waldpilz-Crêpes und natürlich grünen Spargel sowie Bio-Wein servierten. Unter den Gästen waren auch Landtagspräsident André Kuper (CDU), die Düsseldorfer Uni-Rektorin Anja Steinbeck, Grünen-Landesvorsitzende Mona Neubaur, die neue Trainerin der DFB-Frauen-Nationalmannschaft, Martina Voss-Tecklenburg, Opern-Chef Christoph Meyer sowie Huawei-Manager Walter Haas.

Robert Habeck beim Ständehaus-Treff in Düsseldorf

Ob die gegenwärtig breit diskutierte CO2-Steuer für die Grünen eine künftige Koalitionsbedingung sein werde? Habeck schrammte haarscharf am klaren „Ja“ vorbei. Stattdessen sagte er: „Die CO2-Steuer ist das mindeste Instrument in einer Marktwirtschaft, das ökologisches Verhalten anregt.“ Sein Ziel: Eine neue Steuer auf CO2-Emissionen, deren Gesamterlös „eins zu eins in gleichen Teilen an alle Bürger zurückgezahlt wird“. Wenn eine vierköpfige Familie auf diesem Weg zur Weihnachtszeit einen 800-Euro-Scheck bekäme, könne sie bei einem sparsamen Umgang mit der eigenen Heizung am Ende sogar Geld übrig behalten.

Eine Steuer, die die Grünen im Gegenzug abschaffen wollen, konnte Habeck nicht nennen. „Die Abschaffung einer Steuer wird wohl erst möglich sein, wenn wir schädliche Subventionen streichen“, sagte der frühere Schriftsteller. Sein Beispiel: „Es kann doch nicht wahr sein, dass wir im Jahr 2019 noch immer Ölheizungen subventionieren.“

Nach Kräften versuchte Habeck die weit verbreitete Meinung zu widerlegen, grüne Politik komme die Verbraucher teuer zu stehen. Auf die Frage von RP-Chefredakteur Michael Bröcker, ob der Einkauf im Supermarkt bei einer grünen Bundesregierung teurer werde, sagte Habeck: „Nein.“ So würde die komplette Umstellung auf ökologische Produktion die Landwirte zwar mit 25 Prozent Mehrkosten belasten. „Davon kommen bei den Verbrauchern aber nur drei bis sechs Prozent Mehrkosten an“, rechnete Habeck vor. Denn der Anteil der landwirtschaftlichen Produktionskosten an den Verbraucherpreisen sei überraschend klein. Die wesentlichen Einflussgrößen bei den Lebensmittelpreisen seien Handel und Logistik. Habeck: „Der ökologische Wandel wird uns nicht in die Armut treiben.“

Habecks Polit-Konzept: „Wir wollen die Menschen nicht umerziehen, aber die Strukturen ändern.“ Wer sich ökologisch verhalte, müsse davon Vorteile haben. Dafür müsse die Politik sorgen. Umfragen zufolge kann sich jeder fünfte Deutsche Habeck auch als Kanzler vorstellen. „Sie auch?“, wollte Bröcker von Habeck wissen. Das sei „nichts, was mich gegenwärtig interessiert“, sagte Habeck. Die Grünen müssten doch vorbereitet sein, falls die Bundesregierung morgen auseinanderbreche, entgegnete Bröcker. Habeck: „Die Bundesregierung bricht nicht auseinander. Hören Sie auf mit dem Kanzlerquatsch.“ Die Grünen wollten eine Partei sein, die Orientierung gebe, aber nicht eine, die ihre Positionen und Pläne an taktischen Zielen ausrichte.

So verschlossen Habeck sich bei solchen Fragen gab, so offen war er bei privaten Themen. Als Schüler habe er im Bus lieber hinten als vorne gesessen, Schülersprecher sei er gewesen, und „ich erinnere mich auch an zwei Prügeleien“. Einmal sei es um Murmeln gegangen. „Eigentlich war ich immer ganz gut im Quatschen“, erzählte Habeck, „aber da ging das nicht. Da gab es was auf die Mütze.“

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