Rezo-Video: Amthor dreht Reaktionsvideo - CDU veröffentlicht es nicht

„Wie wir die Sache sehen“ : CDU verzichtet auf Amthor-Video und antwortet Rezo mit offenem Brief

Das Video von Youtuber Rezo schlägt auch am Donnerstag weiter hohe Wellen. Nun hat sich die CDU geäußert - mit einem offenen Brief.

Ein unter dem Titel „Die Zerstörung der CDU" laufendes YouTube-Video entwickelt sich kurz vor der Europawahl zu einem immer größeren Internethit. Bis Donnerstagvormittag klickten mehr als 4,8 Millionen Internetnutzer das Video des YouTubers Rezo an. Die Zahl der Kommentare stieg auf über 94.000, darunter sehr viele zustimmende Äußerungen. Eine Nutzerin schrieb etwa, "Danke, danke danke! Sagt eine 44jährige Olle, für die Du die Hoffnung Deiner Generation bist."

Der in seinen YouTube-Kanälen ansonsten eher unpolitische Rezo attackiert in dem 55 Minuten langen Clip CDU und CSU, aber auch SPD und AfD. Unterlegt ist dies mit einer langen Liste an Quellen.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak räumte inzwischen eine Schwäche seiner Partei beim Erreichen junger Menschen ein. "Wir müssen online präsenter sein. Wir müssen das Internet noch mehr nutzen, um komplexe Fragen verständlicher darzustellen", sagte Ziemiak den Zeitungen des Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Noch am Mittwoch war eine Reaktion des jungen CDU-Abgeordneten Philipp Amthor (26) angekündigt worden - passiert ist dann aber nichts. Wie nun „Spiegel Online“ und „Bild“ übereinstimmend berichten, sei das Video zwar gedreht worden. Die Christdemokraten wollen es wohl aber nicht veröffentlichen. Die Bild-Zeitung veröffentlichte auch ein Foto, dass die Dreharbeiten zeigen soll.

Dann aber die Wende: Das Video wird nicht ins Internet gestellt, stattdessen ein siebenteiliges Twitter-Statement von Ziemiak. Die CDU will nun Rezo zu einem Meinungsaustausch einladen, schreibt er. „Lass uns über Deine Kritik an der CDU sprechen, aber bitte höre auch uns zu, wie wir die Dinge sehen“, schrieb Generalsekretär Paul Ziemiak am Donnerstag bei Twitter. „Nicht als Show, sondern so, wie die meisten Menschen bei uns: aus Sorge über unsere Zukunft und über Wege, unseren Planeten zukunftsfest zu machen, über Ideen für bessere Lösungen. Lass uns treffen, damit mir miteinander sprechen können.“ Ob Rezo auf das Angebot zum Meinungsaustausch eingehen wird, blieb zunächst offen. Ziemiak hatte am Mittwoch mit Blick auf Rezos Video noch von Falschbehauptungen gesprochen. In dem Video heißt es, die CDU zerstöre „unser Leben und unsere Zukunft“.

Ziemiak kündigte an, auch Amthor werde zu einem Treffen mit Rezo kommen. Er schloss mit den Worten: „Dein Paul.“ Ziemiak bot Rezo ein Gespräch an, wie man das seit 70 Jahren in der CDU mache: „Wir zerstören einander nicht, sondern wir hören einander zu, wir reden miteinander, wir finden gemeinsame Lösungen.“ Ziemiak räumte ein: „Wir machen nicht alles richtig. Du hast Kritikpunkte benannt, die berechtigt sind. Wir können beim Klimaschutz noch mehr tun, mit besseren Technologien und guten Ideen.“

Die Lösungen müssten jedoch „so sein, dass die Menschen in Deutschland unseren Weg akzeptieren und nicht aus Wut über Preise und Vorschriften zu "Gelbwesten" werden“, schrieb Ziemiak weiter. In der Diskussion um Uploadfilter im Internet, an der sich scharfe Kritik gerade junger Menschen und von Youtubern und Bloggern entzündet hatte, „haben wir nicht den richtigen Ton angeschlagen, das können wir besser“, gab der CDU-Generalsekretär zu.

Auf ihrer Homepage veröffentlichte die Partei anschließend noch ein Statement unter der Überschrift „Wie wir die Sache sehen“.

„Viele Menschen haben in den vergangenen Tagen über Dein Youtube-Video gesprochen. Es spitzt Kritikpunkte zu und verkürzt um zu provozieren. Das ist nichts Neues in der politischen Auseinandersetzung - zumal im Wahlkampf“, heißt es zu Beginn.

Vor allem an dem Wort „Zerstörung“, das Rezo in seinem Video verwendet, hängt sich die CDU auf: „Die CDU ist eine Volkspartei mit vielen Mitgliedern und auf Werten gebauten Programmen. Wir sind entstanden aus den Trümmern eines zerstörten Landes als Union, in der Platz war und ist für Miteinander und für alle, die etwas aufbauen wollen - nicht zerstören. Wir sind deshalb Volkspartei, weil uns viele Bevölkerungsschichten vertrauen, weil wir gerade nicht die schnelle, scheinbar einfache Antwort suchen.“

Zum Schluss noch ein weiteres Statement: „Die Währung von YouTubern sind Klickraten. Die Währung einer Volkspartei wie der CDU ist Vertrauen.“

Eine schnelle Antwort auf die Vorwürfe werde es nicht von der CDU geben, heißt es. „Auf eine steile These folgt bei uns nicht die hastige Antwort, auf eine kühne Interpretation von Statistiken reagieren wir unsererseits nicht mit vereinfachenden Schlüssen. Antworten zu geben, die über den Tag hinaus tragen, das erfordert Zeit, das erfordert Maß und Mitte.“

Der Schlagabtausch geht also weiter.

Mit Material von dpa und AFP.

(lukra/mja)
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