CDU-Politiker: Reul nennt Schulz selbstverliebten Egomanen

CDU-Politiker: Reul nennt Schulz selbstverliebten Egomanen

Der Vorsitzende der CDU/CSU im Europäischen Parlament, Herbert Reul, hat SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ungewöhnlich scharf angegriffen. Reul hatte schon mit einem kritischen Dossier über den SPD-Politiker für Empörung bei der SPD gesorgt.

Die Euphorie über den SPD-Kanzlerkandidaten kann Herbert Reul, der viele Jahre an der Seite von Schulz in Brüssel gearbeitet hat, nicht verstehen. "Martin Schulz ist ein selbstverliebter Egomane, so etwas kennen wir derzeit eher aus Washington", sagte Reul unserer Redaktion. Der SPD-Kanzlerkandidat sei kein Heilsbringer, sondern ein Brandstifter. Reul erinnerte an Schulz' Rolle bei den Verhandlungen um das Freihandelabkommen zwischen der EU und Kanada, Ceta: Erst habe Schulz bei den Ceta-kritischen Ländern Feuer gelegt, um es dann öffentlichkeitswirksam auszutreten. Es gehe dem SPD-Politiker immer nur um seine eigene Rolle. Absprachen und Vereinbarungen seien zweitrangig. Schulz habe in seiner Zeit als EU-Parlamentspräsident bei der Vereinbarung mit den Konservativen über den Posten des künftigen Parlamentschefs sein Wort gebrochen. "Martin Schulz ist nicht zuverlässig", so Reul. Bereits vor einigen Tagen hatte Reul mit einem Dossier für Empörung bei der SPD gesorgt, in dem die Arbeit Schulz' in Brüssel kritishc hinterfragt wird und ihm vorgeworfen wird, enge Weggefährten mit guten Posten versorgt zu haben. SPD-Vize Ralf Stegner hatte Reuls Methoden daraufhin mit der Barschel-Affäre in Schleswig-Holstein verglichen. Auch in der CDU gibt es Kritik an dem Vorpreschen des CDU-Europapolitikers. Im Adenauer-Haus wolle man keinen persönlich harten Wahlkampf, hieß es.

Weiter Kritik an Agenda-Plänen

Unterdessen ist die Kritik an den Plänen von Schulz zur Korrektur der Agenda 2010 weiter groß. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer betonte: "Die wirtschaftliche und soziale Lage schlechtzureden, um die eigenen Wahlchancen zu erhöhen, ist verantwortungslos und spielt letztlich nur den Populisten in die Hände." Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, sagte der "WirtschaftsWoche": "Leider geht es viel zu viel darum, wie sich umverteilen lässt, und viel zu wenig darum, wie sich Arbeitsplätze durch Wachstum schaffen lassen." Rezepte wie die angekündigte "Rolle rückwärts" des SPD-Kanzlerkandidaten wirkten wie aus der Zeit gefallen. Auch CSU-Chef Horst Seehofer krittisierte die Pläne des designierten SPD-Chefs.

(RP)
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