Rentenerhöhung, Rentenpaket: Goldene Zeiten für Ältere

Analyse:  Goldener Ruhestand

Die Altersbezüge werden auch 2019 deutlich steigen. Das Rentenpaket der Bundesregierung verspricht weitere Verbesserungen für Mütter und Erwerbsgeminderte. Die Beitragssenkung fällt jedoch aus.

Von Antje Höning und Birgit Marschall

Berlin/Würzburg Die über 20 Millionen Rentner in Deutschland können sich in dieser Woche über gute Nachrichten freuen: Ihre Altersbezüge werden im kommenden Jahr um mehr als drei Prozent steigen, nachdem sie bereits in den vergangenen Jahren noch stärker angestiegen sind. Zudem werden mit dem geplanten Rentenpaket der Koalition 2019 die Mütterrente und die Erwerbsminderungsrente ausgebaut. Eine wegen der guten Lage der Rentenkasse 2019 eigentlich fällige Senkung des Rentenbeitragssatzes fällt dagegen wegen der milliardenschweren Reform aus.

Warum werden die Renten 2019 um gut drei Prozent erhöht? (anh)

Wie werden sich wichtige Finanzziffern in der Rentenversicherung entwickeln? (Prognose aus Würzburg) (anh)

  • Berlin : Höhere Mütterrente ab 2019

Was sieht das Rentenpaket für Mütter und Erwerbsgeminderte vor? Mit dem Rentenpaket, das der Bundestag am heutigen Donnerstag verabschieden soll, werden die Erziehungszeiten von Müttern mit vor 1992 geborenen Kindern weiter aufgebessert. Dies hatte in den Koalitionsverhandlungen die CSU durchgesetzt, um die Ungleichbehandlung zwischen älteren und jüngeren Müttern zu verringern. Die geplante Ausweitung der Mütterrente erhöht die betreffenden Renten pro Kind um 16,02 Euro brutto im Westen und um 15,35 Euro im Osten. Auch die Renten von Erwerbsgeminderten werden mit dem Paket aufgebessert: Wer ab 2019 wegen Krankheit neu Erwerbsminderungsrente erhält, soll deutlich mehr bekommen: Die Rente soll so berechnet werden, als wenn der Betroffene bis zur Regelaltersgrenze gearbeitet hätte.

Was sollen die neuen Haltelinien für Rentenniveau und Beitragssatz bewirken? Mit der Reform soll auch das Rentenniveau – das Verhältnis der Rente zum Durchschnitslohn – von derzeit 48,1 Prozent bis 2025 nicht unter 48 Prozent sinken und der Beitragssatz bis dahin nicht über 20 Prozent steigen. Die Stabilisierung des Rentenniveaus war eine zentrale Forderung der SPD im Wahlkampf, der sich die Union in den Koalitionsverhandlungen beugte. Allerdings machte die Union zur Bedingung, das Rentenniveau nur bis 2025 auf 48 Prozent einzufrieren. Denn eine darüber hinaus gehende Festschreibung würde für Steuer- und Beitragszahler sehr teuer, weil die Zahl der Rentner angesichts der fortschreitenden Alterung von der zweiten Hälfte der 20-er Jahre an erheblich schneller als bisher zunehmen und die der Beitragszahler deutlich abnehmen wird. Für die Zeit nach 2025 soll eine Rentenkommission der Bundesregierung im März 2020 Vorschläge unterbreiten. Sie kommen nach Meinung der meisten Beobachter zu spät, um noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden zu können. Die Zukunft der Rente für nachfolgende Generationen dürfte ein zentrales Thema im nächsten Bundestagswahlkampf 2021 werden.

Was kritisieren die Wirtschaftsweisen am Rentenpaket? „Wir halten davon wenig“, sagte Ratsmitglied Lars Feld am Mittwoch bei der Vorstellung des Jahresgutachtens der fünf Ökonomen. Die Mütterrente führe zu massiven Zusatzbelastungen für Beitrags- und Steuerzahler. Auch bei der „doppelten Haltelinie“ für Rentenniveau und Beitragssatz sei der Rat „skeptisch“. Erste Zusatzbelastungen verursache sie bereits 2024 und 2025. Zudem würden die Haltelinien die Frage aufwerfen, warum sie für nachfolgende Rentnergenerationen nicht mehr gelten solle. Wenn man die Haltelinien über 2025 hinaus verlängern würde, wie es die SPD fordert, ließe sich das über die Rentenkasse nicht mehr finanzieren. Um das zu finanzieren, müssten entweder die Mehrwertsteuer um drei bis vier Prozentpunkte angehoben oder das Rentenalter auf 72 angehoben werden, so Feld.

Was schlagen die Ökonomen für die Zeit ab 2030 vor? Sie wollen die steigende Lebenserwartung ab 2030 an das Rentenalter koppeln. „Künftige Anstiege würden damit zwischen längerer Rentenbezugsdauer und verlängertem Arbeitsleben aufgeteilt“, heißt es im Gutachten der Wirtschaftsweisen. Bei der aktuellen Aufteilung des Erwachsenenlebens zwischen Arbeit und Ruhestand würde dies pro zusätzlichen drei Jahren Lebenserwartung in etwa eine Ausdehnung der Arbeitszeit um zwei Jahre bedeuten. „Das gesetzliche Rentenalter könnte bis zum Jahr 2080 in der Folge auf 71 Jahre steigen“, so die Ökonomen. Ein Mitglied des Rats ist anderer Meinung, wenngleich es diese an dieser Stelle im Gutachten nicht offiziell geäußert hat. „Ich finde nicht, dass wir uns heute schon Gedanken über 2080 machen sollten“, sagte Peter Bofinger, der von den Gewerkschaften in den Rat entsandt wurde.

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