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Reinhard Höppner ist tot: Ex-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt

Ex-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt : SPD-Politiker Reinhard Höppner gestorben

Der SPD-Politiker und frühere Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner, ist Medienberichten zufolge in der Nacht zum Montag gestorben.

Der Berliner "Tagesspiegel" berichtete am Montag vorab aus seiner Dienstagsausgabe unter Berufung auf Angaben aus der Familie Höppners, der Politiker sei im Alter von 65 Jahren einer langen Krankheit erlegen. Die "Mitteldeutsche Zeitung" (Online-Ausgabe) wies darauf hin, dass Höppner bereits 2006 wegen einer Krebserkrankung operiert worden war, die Krankheit jedoch nie habe besiegen können.

Die "MZ" berief sich in ihrem Bericht zu seinem Tod auf Angaben von dessen langjährigem Freund, dem ehemaligen Regierungssprecher Franz Stänner. Er hinterlässt seine Frau und drei erwachsene Kinder.

Der aus Haldensleben stammende Sohn eines evangelischen Pfarrers arbeitete von Februar 1988 bis April 1989 in der sogenannten Ökumenischen Versammlung mit. Sie stellt nach Ansicht von Historikern einen wesentlichen Beitrag der Christen zur politischen Wende in der DDR dar. In einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) schilderte Höppner die Stimmung bei diesen Treffen als befreiend. "Plötzlich wurden öffentlich Dinge ausgesprochen, die man sonst nur hinter vorgehaltener Hand sagte."

Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) reagierte mit Betroffenheit auf Höppners Tod. Das Land verliere mit ihm "eine Persönlichkeit, die als Vizepräsident der Volkskammer, in zwei Legislaturperioden als Ministerpräsident und bis in die Gegenwart als Repräsentant der EKD unser Land Sachsen-Anhalt maßgeblich geprägt hat", erklärte der Regierungschef in Wittenberg.

Als Ministerpräsident setzte sich Höppner stets vehement für die Interessen der ostdeutschen Bundesländer ein. Der Sozialdemokrat war von 1994 bis 2002 Regierungschef von Sachsen-Anhalt. Er bildete als erster Ministerpräsident der Bundesrepublik eine rot-grüne Minderheitsregierung, die von der Tolerierung durch die PDS abhängig war. Acht Jahre hielt sein "Magdeburger Modell", ehe Höppner 2002 eine dramatische Wahlniederlage erlitt.

Nach dem Absturz der SPD um fast die Hälfte ihrer Stimmen auf noch 20 Prozent übernahm Höppner die politische Verantwortung, blieb aber Landtagsabgeordneter. Erst im Januar 2006 verabschiedete er sich aus der Politik, damals war er bereits erkrankt.

Der Pfarrerssohn, promovierte Mathematiker und frühere Fachbuch-Lektor war bereits in der DDR kirchlich stark engagiert. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik wirkte er weiter in kirchlichen Ämtern und blieb ein gefragter Redner. Er war unter anderem 14 Jahre lang Präses der Synode der evangelischen Kirchenprovinz Sachsen. Im Oktober 2005 übernahm er als Nachfolger von Eckhard Nagel bis 2007 das Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

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(dpa)