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Rechtsextremismus: Verfassungsschützer warnt vor "Gamifizierung"

Planung der Tat wie in Videospielen : Verfassungsschützer warnt vor „Gamifizierung“ des Rechtsextremismus

Der Verfassungsschutz zeigt sich besorgt vor einer „Gamifizierung“ des Rechtsextremismus. Die Täter von Halle, Christchurch und Oslo hätten das Töten zuvor mit einem digitalen Stellvertreter in Spielen geübt.

Vor einer zunehmenden „Gamifizierung“ des Rechtsextremismus hat der Leiter des Verfassungsschutzes von Nordrhein-Westfalen, Burkhard Freier, gewarnt. „Das macht uns im Moment eigentlich die größten Sorgen“, sagte er auf einer Kölner Veranstaltung zum schulpolitischen Aschermittwoch des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Dabei handele es sich um neue Tätertypen, die ihre Taten wie ein Videokampfspiel planten und strukturierten. Sowohl der Attentäter von Halle als auch der Täter von Christchurch in Neuseeland hätten sich zuvor etwa einen sogenannten Avatar zugelegt, eine Art grafischen digitalen Stellvertreter, wie er in Videospielen üblich ist. Auch Anders Breivik, der 2011 in Norwegen 77 Menschen ermordete, habe zuvor ein Jahr lang Kampfspiele gespielt, um gezielt das schnelle Töten zu erlernen.

Lehrer forderte Freier dazu auf, auf Veränderungen im Verhalten ihrer Schüler zu achten: „80 Prozent aller Radikalisierungen sind zuvor zu erkennen.“ Warnsignale seien etwa, wenn sich Jugendliche abschotteten, sich abwertend über Ausländer oder andere Gruppen äußerten und sich antidemokratisch zeigten. „Hier ist besonders die Schule gefragt“, sagte Freier. Wenn Lehrer Bedenken hätten, sollten sie Kontaktstellen bei der Polizei oder dem Verfassungsschutz informieren.

Freier warb für ein Präventionspaket für Schulen, das Lehrer als Unterrichtsmodule zum Thema Extremismus einsetzen können und das vom Verfassungsschutz entwickelt wurde. Dazu gehören Theaterstücke und Lesungen für Schüler und Schulungen für Pädagogen. Auch eine Förderung der Medienkompetenz der Schüler sei essenziell.

(c-st/epd)