Recep Tayyip Erdogan: Kölner OB Jürgen Roters empfiehlt Absage

Wahlkampfauftritt in Deutschland : Kölner OB legt Erdogan Absage nahe

In Deutschland wachsen die Bedenken gegen den geplanten Wahlkampfauftritt des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan in Köln. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor. Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) empfiehlt Erdogan, auf die Reise zu verzichten.

Vor dem für das kommende Wochenende geplanten umstrittenen Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Köln bereitet sich die örtliche Polizei auf einen Großeinsatz vor. Zu Kundgebungen gegen den wegen seines Umgangs mit dem Bergwerksunglück in Soma in der Kritik stehenden Erdogan hätten sich bereits mehr als 10.000 Demonstranten angemeldet, berichtete der "Kölner Stadt-Anzeiger" am Montag unter Berufung auf die Behörden. Den womöglich größten Protest organisiere die Alevitische Gemeinde Deutschland.

Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) riet Erdogan indirekt, den Besuch abzusagen. "Für mich als verantwortungsbewusster Politiker wäre die Entscheidung angesichts der dramatischen und noch zu klärenden Ereignisse mit so vielen Toten klar - es gibt jetzt Wichtigeres, als reine Wahlkampftermine im Ausland wahrzunehmen", sagte er der Zeitung.

Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters spricht sich gegen einen Wahlkampfauftritt Erdogan aus. Foto: AP

Zuvor hatten bereits Politiker aller im Bundestag vertretenen Parteien den geplanten Auftritt kritisiert.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, Erdogan in Köln reden zu lassen. "Unsere Demokratie hält es aus, wenn sich Herr Erdogan an seine Landsleute wendet", sagte Steinmeier am Montag in Berlin. Außerdem gehe er fest davon aus, dass sich der Regierungschef bei seinem Wahlkampfauftritt "in angemessener Weise an die internationalen Gepflogenheiten" halten werde

Erdogan will am kommenden Samstag in Köln zu in Deutschland lebenden Anhängern sprechen. Bei der türkischen Präsidentschaftswahl am 10. August können erstmals auch außerhalb der Türkei lebende Türken ihre Stimme abgeben.

Bei dem Bergwerksunglück von Soma waren Dienstag nach amtlichen Angaben 301 Bergarbeiter getötet worden. Am Sonntag leitete die Staatsanwaltschaft Verfahren gegen drei Verdächtige wegen fahrlässiger Tötung ein.

Am Freitag waren die Sicherheitskräfte in Soma mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gegen mehr als 10.000 Demonstranten vorgegangen. Diese wiesen Erdogans konservativ-islamische Regierung eine Mitverantwortung zu.

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(AFP)