Rayk Anders: Youtuber erklärt sein "Armes Deutschland"

Videonachrichten mit Rayk Anders: Youtuber erklärt Rechten und Hooligans sein "Armes Deutschland"

In seinem Youtube-Kanal widerlegt Rayk Anders regelmäßig die Argumente, die politische Parteien, Medien oder auch Hooligans verbreiten. In Reportagen und Analysen vermittelt er Politik so, wie er sie selbst sieht: als Entertainment, das wert ist im Detail bewertet zu werden.

Unaufgeregt, präzise und konzentriert wirkt Rayk Anders, wenn er aus seinem Wohnzimmer in Berlin die Welt erklärt. Verständlich und klar spricht er in die Kamera. Auf dem Tisch steht ein Bild Hans-Peter Friedrich im Goldrahmen. Der ehemalige Innenminister hat einen Ehrenplatz. Mehr als die Spiegelreflex und ein Mikro braucht er nicht, um mit seinen Videoanalysen Tausende Zuschauer bei Youtube zu erreichen. Verschwörungstheoretiker unter seinen Kritikern unterstellen ihm, dass ein Sponsor die Videos produzierte. Er sehe das "als großes Kompliment, dass die Videos trotz meiner minimalen Ressourcen offenbar am Ende recht gut rüberkommen".

Erstaunlicher Weise sind die Reaktionen auf die Videos meist sehr sachlich. Verschwörungstheorien gibt es wenige. Auf einen Bericht über ein Asylbewerberheim folgten Hilfsangebote für das Flüchtlingsheim, Journalisten meldeten sich, weil sie auch darüber berichten wollten.

In den Videos mit Titeln wie "Top 3-Bernd Lucke-Bullshit" oder "Ich hab nichts gegen Schwule, ABER..." analysiert er detailverliebt aber mit einem leicht ironischen Unterton aktuelle politische Ereignisse. Anders schlägt dabei vor allem Populisten mit ihren eigenen Waffen. So zeigt er ein Bild, mit dem die rechtspopulistische Partei "Pro NRW" gegen Asylbewerber argumentiert hatte. So würden viele Asylsuchende Hartz IV beziehen, sogar einen 4000-Euro-Bonus erhalten. Schon in der Überschrift findet Anders einen Rechtschreibfehler und stellt klar, dass Asylbewerber vom Gesetz vom Arbeitslosengeld II (Hartz IV) augeschlossen sind. Als Zuschauer muss man schmunzeln, wundert sich wie Populisten auf die Jagd nach Zustimmung gehen.

Rayk Anders nutzt eine Bildsprache, wie man sie von "heftig.co" oder "Buzzfeed" kennt. Politiker wie Angela Merkel wandelt er in sogenannte "Memes" um, Bildkollagen, die mit Grimassen spielen und simple Zeichnungen verwenden. Seine Inhalte verbreitet er aus gutem Grund in dieser Form über Facebook, Twitter, Instagram und Youtube. "Ich bin nicht Spiegel Online, die FAZ oder die RP - ich bin nur eine einzige Person, ich kann nicht mit der Schnelligkeit und den Mitteln der großen Formate mithalten.", sagt er unserer Redaktion. Auch sei der Betrieb einer eigenen Webseite wesentlich teurer.

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Dennoch erreicht Anders so viele Leser und Nutzer wie manch andere große Nachrichtenseite. Über 16.000 Menschen haben seinen Kanal bei Youtube abonniert, einzelne Videos wurden über 300.000 Mal angesehen. Es gibt Youtube-Stars wie "LeFloid", die weit mehr Zuschauer erreichen als Rayk Anders, aber die Tiefe seiner Analysen erreichen nur wenige.

Videoportale entdecken Nachrichten für sich

Auf der Medienmesse "re:publica 14" sagte Christoph Krachten, Journalist und Betreiber eines Netzwerkes für Videoblogger, dass Youtube ein Segen auch für die Verbreitung alternativer Nachrichtenformate gewesen sei. Auch Markus Hündgen, einer der Verantwortlichen für den "Webvideopreis" sagte bei einer Podiumsdiskussion, dass es noch weitere Anbieter und Plattformen geben werde, die Nachrichtenangebote für sich entdecken würden.

Nicht nur die Plattformen, auch die generelle Wahrnehmung von Nachrichteninhalten scheint sich zu wandeln. Amerikanische Studien zeigen, dass Satiresendungen mitunter eher in der Lage sind, politische Inhalte zu vermitteln, als die klassische Nachrichtensendungen tun. "Ich schätze Formate wie die Tagesschau für ihre Unaufgeregtheit in der Berichterstattung, aber dieses leicht dösige 'Neues Gesetz auf dem Weg, Partei A ist dieser Meinung, Partei B ist einer anderen Meinung. Gute Nacht' packt einen einfach weniger." An den Formaten müsste sich also nichts ändern. Bei Rayk Anders selbst könnte sich bald jedoch etwas ändern. Hans-Peter Friedrich könnte vom Schreibtisch verschwinden. "Ein ganz heisser Kandidat für die Nachfolge ist auf jeden Fall Frauke Petry", sagt Anders.

(ac)
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