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Feldversuch: Ramsauer rechnet mit 400 "Superbrummis"

Feldversuch : Ramsauer rechnet mit 400 "Superbrummis"

Der Feldversuch mit überlangen Lastzügen wird im nächsten Jahr mit maximal 400 Fahrzeugen beginnen, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in einem Interview. Die Bahn-Tochter Schenker wird sich nicht an dem Versuch mit den besonders großen Lkw beteiligen. Kritik gab es außerdem von Interessenverbänden. Sie wiesen darauf hin, dass schon jetzt zu viele Unfälle durch Lkw verursacht würden.

Nach dem Ende der schwarz-grünen Koalition in Hamburg hat nach den Worten des CSU-Politikers Ramsauer nun auch der Stadtstaat Interesse bekundet, sich den bisher sieben Ländern anzuschließen, die den Feldversuch aktiv unterstützen.

Die Deutsche Bahn AG erklärte dagegen, ihre Tochter DB Schenker werde sich nicht an dem Versuch beteiligen. Die Bahn verwies zur Begründung für den Verzicht auf die Uneinigkeit unter den Bundesländern. Zurzeit haben - wenn man Hamburg mitrechnet - acht Bundesländer ihre Bereitschaft bekundet, sieben lehnen den Feldversuch ab, darunter Nordrhein-Westfalen.

DB Schenker ist die Logistik-Tochter des staatlichen Konzerns und unter anderem eine der größten Lkw-Speditionen Europas. Sie hat die Vorbereitungen des Feldversuchs mitgetragen, den die schwarz-gelbe Bundesregierung in ihrer Koalitionsvereinbarung ankündigte.

Bundesländer uneins

"Derzeit haben mehrere Bundesländer eine ablehnende Haltung geäußert, so dass wichtige Wirtschaftszentren im Feldversuch nicht angebunden sind. DB Schenker selbst wird sich deshalb nicht an dem Feldversuch beteiligen", hieß es im Führungskräfte-Rundschreiben "update 01/2011", das der dapd vorliegt.

Die Allianz pro Schiene kritisierte die Ankündigung Ramsauers: "Unter diesen Laborbedingungen wird der regionale Feldversuch keine neuen Erkenntnisse bringen", sagte ihr Geschäftsführer Dirk Flege der dapd. "Besonders geschulte Fahrer, Überholverbot, fest definierte Strecken ? die Realität des Lkw-Verkehrs sieht völlig anders aus." Er verwies darauf: "Seit Jahren wird jeder fünfte Lkw bei Polizeikontrollen beanstandet."

Schon jetzt sei an jedem fünften tödlichen Straßenverkehrsunfall ein Lkw beteiligt. "Riesen-Lkw machen den Straßenverkehr noch gefährlicher und Gütertransporte auf der Straße noch billiger, was sogar zu noch mehr Lkw-Verkehr führen wird. Minister Ramsauer sollte statt dessen lieber die Güterbahnen stärken."

"Bewerber, die drängen, die wollen fahren"

Ramsauer selbst sprach von "einigen hundert Bewerbern, die drängen, die wollen fahren". Das Ministerium rechne mit maximal 400 Fahrzeugen. "Wir bereiten jetzt die Details vor", sagte er, ohne einen genauen Termin für den Beginn zu nennen. "Das maximal zulässige Gesamtgewicht der Fahrzeuge liegt unverändert bei 44 Tonnen beim Kombinierten Verkehr (zum Beispiel Straße-Schiene, Red.) sonst ist bei 40 Tonnen Schluss. Die Anhänger müssen auf die Bahn verladen werden können. Die Fahrer müssen eine Sonderschulung für die Fahrzeuge nachweisen."

Außerdem gebe es ein generelles Überholverbot für die Laster. "Sie dürfen zwar überholt werden, aber sie dürfen selbst nicht überholen. Elefantenrennen mit Superbrummis wird es also nicht geben, genauso wenig wie Gefahrguttransporte." Die Bezeichnung der maximal 25,25 Meter langen Fahrzeuge als "Gigaliner" oder "Monstertrucks" lehnte Ramsauer nachdrücklich ab.

Geprüft werde auch, ob die "Superbrummis" an der Rückseite als überlang gekennzeichnet werden, sagte der Minister. Auch die Einsatzstrecken für den Feldversuch würden exakt festgelegt. Als Einsatzgebiet nannte der Minister "Bundesfernstraßen, in der Regel Autobahnen, und Bundesstraßen, die hinreichend dimensioniert sind". Auch Güterumschlagzentren sollten angefahren werden können, das setze aber geeignete Zubringerstraßen voraus.

Die einzelnen Strecken müssten abgefahren und getestet werden, den Lang-Lkw werde man aber nicht innerstädtisch antreffen: "Der Superbrummi wird niemals in eine Fußgängerzone zum Abladen vor Einzelhandelsgeschäften hineinfahren. Es wird keine Geranien-Hinrichtungsaktionen auf Kreisverkehren mit Blumenbeeten in der Mitte geben", versprach der Verkehrsminister.

Der Feldversuch sei Teil eines innovativen Verkehrskonzepts, bei dem es darum gehe, mehr Güter mit weniger Lkw zu bewegen, ohne Nachteil für Verkehrssicherheit oder Infrastruktur. Dies komme auch der Umwelt zugute, helfe Kraftstoff zu sparen und Emissionen zu verringern.

Dauer der Tests unklar

Die genaue Dauer des Tests sei noch nicht abschließend festgelegt, meinte Ramsauer. Abschreibungszeiträume für die Fahrzeuge würden dabei genauso berücksichtigt wie die Bedürfnisse der wissenschaftlichen Auswertung, des Kombinierten Verkehrs und der Logistikbranche.

Deutschland müsse auch in Zukunft Schrittmacher in der Logistikbranche bleiben: "In skandinavischen Ländern sind die langen Lkw zum Beispiel schon lange gang und gäbe." Ramsauer erinnerte überdies daran, dass schon heute viele überlange Lastzüge mit Sondergenehmigungen unterwegs sind, auch in jenen Bundesländern, die dem länderübergreifenden Feldversuch ablehnend gegenüberstehen.

(apd)