Verkehrssicherheit: Ramsauer droht mit Radhelm-Pflicht

Verkehrssicherheit : Ramsauer droht mit Radhelm-Pflicht

Der Bundesverkehrsminister will die Straßen sicherer machen und die Zahl der Unfalltoten bis 2020 um 40 Prozent reduzieren. Insbesondere die rapide gesunkene Bereitschaft selbst bei Kindern und Jugendlichen, zum Schutzhelm zu greifen, lässt den CSU-Politiker mit einer Tragepflicht drohen.

Mit einem breit angelegten Sicherheitsprogramm will Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) die Zahl der Unfalltoten bis 2020 um 40 Prozent senken. Vor allem die schwächsten Verkehrsteilnehmer sollen den stärksten zusätzlichen Schutz erhalten. Dazu gehört auch die ministerielle Drohung mit einer Helmpflicht für Radfahrer, sollte sich der Anteil derer, die ihn freiwillig anlegen, nicht deutlich erhöhen.

Viele Radfahrer haben keinerlei Ambitionen, einen Helm zu tragen. Foto: Archiv

Von dramatischen Entwicklungen berichtete Ramsauer bei der Vorlage seines 54-Seiten-Programms. Im Vergleich von 2010 zu 2009 habe sich der Prozentsatz der Fahrradhelme tragenden Kinder von 56 auf 38 Prozent verringert, bei den Jugendlichen greifen statt 23 nur noch 15 Prozent zum Kopfschutz. Die "Helmtragequote" aller Radfahrer sank von elf auf neun Prozent.

Fahrrad-Club widerspricht

Ramsauer zeigte sich zufrieden, eine öffentliche Debatte darüber angestoßen zu haben. Widerspruch kam am Donnerstag von Ulrich Kalle, dem NRW-Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC). "Wenn ein Auto einen Radfahrer mit 50 km/h trifft, hilft auch kein Helm mehr", sagt Kalle. Statt Helmpflicht fordere der ADFC ein striktes Tempolimit 30 in Wohngebieten. "Das würde die Unfallrate deutlich senken", meint Kalle.

Dem hielt Ramsauer entgegen, dass nach neuesten Studien neun von zehn getöteten Radfahrer noch leben könnten, wenn sie einen Helm getragen hätten. Derzeit sterben pro Jahr zwischen 380 und 440 Radfahrer — die Hälfte aufgrund schwerster Kopfverletzungen. Ramsauer berichtete von der Aufforderung vieler Eltern, eine Helmtragepflicht wenigstens für Schulkinder einzuführen, damit die morgendlichen Streitgespräche ein Ende hätten.

Über 40 Ideen für mehr Sicherheit

Seit dem traurigen Spitzenwert von 21.300 Verkehrstoten Anfang der 70er Jahre hat sich die Fahrleistung auf Deutschlands Straßen verdreifacht. In anderen Ländern nahm sie ebenfalls zu — und mit ihr die Zahl der Opfer. Russland etwa hat jährlich über 40 000 Tote im Straßenverkehr zu beklagen. Deutschland gehört dagegen inzwischen zu den sichersten Ländern mit 3648 Verkehrstoten im vergangenen Jahr. Ramsauer will die Zahl auf 2300 senken. NRW verzeichnete einen Anstieg: Bis August kamen 423 Menschen ums Leben — und damit 57 mehr als im Vorjahreszeitraum. Oft sei überhöhte Geschwindigkeit der Grund gewesen.

Zu dem Katalog von über 40 Anstrengungen für mehr Sicherheit gehört daher auch die feste und sichtbare Installierung von Radarfallen an besonders gefahrvollen und unfallträchtigen Standorten.

Vor allem auf Landstraßen droht Gefahr

Auf den Straßen in NRW gibt es aktuell 933 Starenkästen. Die meisten stehen in Wuppertal (41) und Köln (36). Nach Meinung vieler Kreise, die für die Errichtung der Blitzgeräte verantwortlich sind, reichen die bisherigen Starenkästen aus. "Wir haben schon jahrelang keine neuen Anlagen mehr aufgebaut, und wir benötigen auch keine neuen", sagt Daniela Hitzemann, Sprecherin des Kreises Mettmann. "Wir bauen sogar Blitzer wieder ab, weil sie nicht mehr nötig sind", erklärt sie. Ähnlich sieht es im Kreis Kleve aus, wo es 33 feste Starenkästen gibt. "Es gibt keinen Bedarf für neue Geräte", sagt Sprecher Eduard Großkämper. Dennoch seien Starenkästen ein effektives Mittel, um Unfallschwerpunkte zu entschärfen — die Zahl der Unfälle sei deutlich zurückgegangen.

Ramsauer will mit zahlreichen Gesprächen seiner Kollegen in den Bundesländern und mit der Industrie darauf dringen, dass insbesondere die Landstraßen, auf denen sich 60 Prozent der tödliche Unfälle ereignen, nachgerüstet werden. Hier denkt er etwa an dritte Spuren, um waghalsige Überholmanöver zu vermeiden. Mit deutlicheren Hinweisen an den Ausfahrten will er die Rate von Autobahn-Falschfahrern verringern und mit Rüttelstreifen mehr Aufmerksamkeit wecken. Die Autobahnen trügen zwar 32 Prozent der gesamten Fahrleistung, seien aber mit sechs Prozent der Verkehrstoten relativ sicher.

Motorräder sollten künftig vermehrt mit Anti-Blockier-Systemen ausgestattet sein. Auch bei den Autos der nächsten Generation setzt Ramsauer auf verstärkten Einsatz von Assistenztechnik. Zu den Plänen gehört zudem das Werben für Kindersitze und besseres Anschnallverhalten und auch der freiwillige Gesundheits-Test für Senioren.

(RP/pst/rm)
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