Ralph Brinkhaus: Der neue Chef der Unionsfraktion sieht sich als Brückenbauer

Neuer Unionsfraktionschef : Brückenbauer Brinkhaus

Der 50-jährige Ralph Brinkhaus aus dem Wahlkreis Gütersloh ist kein Netzwerker. Was für die einen irritierend ist, empfinden die anderen als Wohltat.

Einen Marathon wird Ralph Brinkhaus erst einmal nicht mehr laufen. 3:14 Stunden ist seine Bestzeit von früher. Dafür muss hart trainiert werden. Das kostet Zeit. Und Zeit hat der 50-Jährige jetzt nicht mehr. Denn seit Dienstag ist er der neue Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag. Er hat Volker Kauder, den dienstältesten Fraktionschef in der Geschichte der Union, in einer Kampfabstimmung besiegt. 125 Stimmen gegen 112. Das kommt einer Rebellion gleich, einer Sensation. Denn der Westfale hatte ausdrücklich nicht die Unterstützung von Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel. Er blieb aber mutig bei seiner Linie, zog nicht zurück, bot der obersten Parteispitze die Stirn – und gewann.

Brinkhaus hatte in den Wochen vor der Wahl tunlichst vermieden, Kauder zu kritisieren. Er betonte nur gebetsmühlenartig, er als Fraktionschef würde gern mit der Regierung gut zusammenarbeiten wollen – die Abgeordneten bräuchten aber mehr Unabhängigkeit. Er sei der Brückenbauer dazu. Zunächst gaben sich seine Vertrauten völlig überrascht, weil er sie in seine Pläne nicht eingeweiht habe. Aber nach und nach gefiel vielen die Vorstellung, jetzt einen Wechsel einzuleiten, damit sich etwas bewegen möge in der Union, die durch die lange Amtszeit von Merkel und Kauder Stillstand empfinden. Der Wille zu etwas Neuem, einer neuen Führung brach sich Bahn. Brinkhaus hat diese Chance erkannt und genutzt.

Seit 2009 sitzt er für den Wahlkreis Gütersloh im Bundestag. Seine Heimat ist geprägt von Konzernen wie Bertelsmann und Miele. Auf diese wirtschaftliche Stärke verweist der in Rietberg aufgewachsene Brinkhaus gern. Überhaupt ist er heimatverbunden. Ein Luftbild von seinem gesamten Wahlkreis hat er sich auf Leinwand ziehen lassen und in sein Büro gehängt. Jeden Tag schaut er darauf, wo er herkommt und wo er hingehört. Im Januar 2014 wurde der Steuerberater stellvertretender Fraktionschef und machte sich einen Namen als Experte für Haushalts- und Finanzfragen.

Der Westfale wirkt manchmal etwas steif und ungelenk. Aber seine Sprache ist klar. Und seine Botschaft an die Fraktion ist einfach: Aufbruch, frischer Wind. Das allein ist für viele Labsal, die sich von Kauder gegängelt und nicht gesehen fühlten. Er gilt aber auch nicht als Netzwerker, was gerade jene Abgeordnete Vertrauen fassen lässt, die keine Lust mehr auf Kungelei und Machtspielchen haben. Insofern nehmen ihm auch viele ab, dass er wirklich Brücken bauen will. Auch zu Merkel, die durch seine Wahl einen empfindlichen Machtverlust erleidet.

Brinkhaus verzichtete bei seinem kurzen Auftritt nach der Wahl vor der Presse auch auf Triumphgeheul. Er kostete seinen Sieg nicht aus. Er zollte Kauder Respekt für 13 Jahre Fraktionsvorsitz und ging gleich wieder zurück in den Sitzungssaal. Es müsse noch der Rest des Vorstands gewählt werden, und es warte viel Arbeit, erklärte er. Merkel bot ihm etwas hilflos eine gute Zusammenarbeit an. Sie betonte, das sei Demokratie. Sie wolle aber nichts beschönigen, sagte sie und meinte ihre eigene Niederlage durch die Niederlage Kauders.

Brinkhaus hat in den vergangenen Wochen immer wieder betont, er stelle sich nicht gegen Merkel. Es wird spannend, welche Dynamik seine Wahl jetzt entfalten wird. Er muss sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit als Krisenmanager beweisen.

Privat ist er übrigens Fußballfan – des 1. FC Köln. Ein Geißbock thront auf seinem Schreibtisch. Und Brinkhaus, der sich selbst als mäßigen Fußballspieler beschreibt, hält seinem Jugendverein die Treue: Rot-Weiß Mastholte. Dessen Ergebnisse schaut er jeden Sonntag nach.

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