Nach Festnahme Polizei findet Granate im Haus von früherer RAF-Terroristin

Update | Berlin · Fast könnte man von einem Waffenlager sprechen. Munition, Waffen, eine Granate und weitere möglicherweise gefährliche Gegenstände fanden sich in der Wohnung der früheren RAF-Terroristin Klette.

RAF-Mitglied Daniela Klette nach mehr als 30 Jahren festgenommen​
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RAF-Mitglied Daniela Klette nach mehr als 30 Jahren festgenommen

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Foto: dpa/Polizei

Die Durchsuchung der Wohnung der früheren RAF-Terroristin Daniela Klette in Berlin-Kreuzberg ist am Donnerstagmorgen zu Ende gegangen. Erste Bewohner konnten in das Haus zurückkehren. Sie waren am Mittwochnachmittag evakuiert worden. In einem Polizeiwagen brachten zwei Beamte eine ältere Frau zurück und begleiteten sie zu ihrer Wohnung, wie eine dpa-Reporterin beobachtete. Wenig später kamen eine Frau und zwei Männer zurück. Sie berichteten, sie hätten die Nacht beim Bruder verbracht. Das Mietshaus war am Mittwochabend von der Polizei geräumt worden. Später mussten auch einige Bewohner eines weiteren Hauses ihre Wohnungen verlassen. Die Straße war komplett gesperrt. Erst am frühen Donnerstagmorgen wurde die Sperrung aufgehoben.

Während der Evakuierung konnten Anwohner und Anwohnerinnen in Wärmebussen oder in einer nahegelegenen Turnhalle unterkommen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) versorgte Anwohner und Einsatzkräfte bei eisigen Temperaturen mit warmen Getränken.

Am Mittwochabend hatte die Polizei mitgeteilt, in dem Haus sei eine Granate gefunden worden. „Von unseren Kriminaltechnikern wurde bisher eine Granate aus dem Gebäude in der Sebastianstraße in #Kreuzberg gebracht und an einem anderen Ort unschädlich gemacht“, teilte die Polizei bei X (früher Twitter) am Mittwochabend mit. „Weitere Gegenstände werden aktuell untersucht.“

Ein Beamter vom Kampfmittelräumdienst hatte am Abend einen Gegenstand herausgetragen, der einer kleineren Granate ähnelte. Er verstaute den Gegenstand am Mittwochabend in einem Auto in einer Sicherheitskiste, wie ein dpa-Reporter beobachtete. „Es sieht aus wie eine Mörsergranate, ist aber keine, kommt dem aber ganz nah“, sagte ein Polizist dazu.

Abtransport gefährlicher Waffen aus Klettes Haus zieht sich hin

Der Abtransport von gefährlichen Waffen aus dem Wohnhaus der früheren RAF-Terroristin Daniela Klette in Berlin-Kreuzberg zog sich bis zum Donnerstagmorgen hin. Nach der Granate am Abend wurde am frühen Morgen dann ein weiterer möglicherweise gefährlicher Gegenstand herausgetragen und in ein Spezialfahrzeug verladen. Später folgte noch das dritte Fundstück. Nähere Angaben zu den verdächtigen Gegenständen machte die Berliner Polizei nicht. Sie verwies an die Ermittler in Niedersachsen, die zunächst ebenfalls keine detaillierteren Erklärungen abgaben.

Wohnhaus von mutmaßlicher RAF-Terroristin geräumt

Zuvor hatte die Polizei am frühen Abend das Mietshaus geräumt, alle Bewohner mussten ihre Wohnungen verlassen. Der Gehweg wurde gesperrt. Ein Spurenermittler der Polizei sagte dazu zunächst: „Weil wir etwas gefunden haben, das gefährlich ist.“ Von einem sprengstoffähnlichen Gegenstand war die Rede. Feuerwehr, Krankenwagen und weitere Polizeiautos fuhren vor dem Haus vor.

Auch die Kriminaltechniker der Polizei mussten raus aus dem Haus in der Sebastianstraße. Die Bewohner standen nach der Räumung auf der anderen Straßenseite oder hatten den Bereich verlassen. Einige hatten Haustiere dabei. Mehrere Frauen sagten, die Polizei habe ihnen keinen Grund genannt.

Gegen 22.00 Uhr wurde der Sperrkreis erweitert, die ganze Sebastianstraße abgesperrt und einige Wohnungen in einem weiteren Haus geräumt. „Für den Abtransport weiterer Gegenstände wird ein gegenüberliegendes Gebäude teilweise evakuiert“, teilte die Polizei mit.

Zunächst Patronen gefunden, dann Schusswaffen

Im Laufe des Mittwochs hatte die Polizei andere Waffen entdeckt, wie eine Sprecherin des Landeskriminalamtes Niedersachsen am Mittwochabend bestätigte. Der „Tagesspiegel“ berichtete über gefundene Schusswaffen. Schon nach der Festnahme von Klette am Montagabend stieß die Polizei unter anderem auf Magazine einer Pistole und Patronen.

In dem Haus war Klette am Montagabend in ihrer Wohnung im 5. Stock von der Polizei festgenommen worden. Seitdem war die Wohnung untersucht worden. Zahlreiche vermummte Polizisten in Zivil waren immer wieder ein- und ausgegangen. Ein größerer Wagen mit der Aufschrift „Kriminaltechnik“ und Berliner Kennzeichen stand seit Dienstagmorgen vor dem Haus.

Die frühere RAF-Terroristin Klette lebte 30 Jahre lang im Untergrund. Ermittler nahmen die 65-Jährige am Montagabend in Kreuzberg fest. Die Staatsanwaltschaft Verden und das LKA Niedersachsen fahnden seit Jahrzehnten nach den früheren RAF-Terroristen Klette sowie Burkhard Garweg (55) und Ernst-Volker Staub (69). Sie werden der sogenannten dritten RAF-Generation zugeordnet.

Ein Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes trägt einen als gefährlich eingestuften Gegenstand, der einer kleineren Granate ähnelt, vor dem Wohnhaus der mutmaßlichen RAF-Terroristin Daniela Klette in Berlin.

Ein Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes trägt einen als gefährlich eingestuften Gegenstand, der einer kleineren Granate ähnelt, vor dem Wohnhaus der mutmaßlichen RAF-Terroristin Daniela Klette in Berlin.

Foto: dpa/Paul Zinken

Vertreter dieser Generation sollen den damaligen Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, und den Treuhand-Chef, Detlev Karsten Rohwedder, umgebracht haben. Täter und Motiv sind bis heute jedoch unbekannt.

(peng/esch/dpa)
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