Pyrotechnik in Stadien: Innenminister wollen mit Führerscheinentzug bestrafen

Bengalo-Verbot : Innenminister wollen Pyrotechnik in Stadien mit Führerscheinentzug bestrafen

Die Innenminister von Bund und Ländern wollen schärfere Strafen für gefährliche Pyrotechnik in Stadien. Das Abbrennen soll künftig auch mit Fahrverboten bestraft werden können.

Die Innenminister von Bund und Ländern wollen bei ihrer an diesem Mittwoch in Lübeck beginnenden Konferenz eine deutliche Strafverschärfung für das gefährliche Abbrennen von Pyrotechnik in Fußballstadien auf den Weg bringen. Verstöße gegen das Bengalo-Verbot sollen künftig als Straftat verfolgt werden, Fahrverbote als Konsequenz sollen möglich werden.

„Strafen müssen weh tun, und manchen Möchtegern-Rambo aus dem Fanblock schmerzen ein paar Wochen Fahrverbot sicher mehr als ein paar Euro Geldstrafe“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) unserer Redaktion. Seit Jahren laufen die Auseinandersetzungen zwischen Vereinen, Fans, Politik und Polizei um ein härteres Durchgreifen. Vor allem Ultras, also organisierte und in den Stadien besonders aktive Fußballfans, verlangen eine Legalisierung, um ihren Verein in ausgewiesenen Bereichen nach ihrem Geschmack unterstützen zu können. In der Vergangenheit wurde darauf verwiesen, dass das Abbrennen der 2000 Grad heißen Bengalos statistisch nur zu relativ wenigen Verletzungen führe.

Doch neue Statistiken deuten in eine andere Richtung: Wie aus der jüngsten Jahresstatistik der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (Zis) hervorgeht, hat sich die Zahl der Verletzten innerhalb kurzer Zeit nahezu verdreifacht. In der Saison 2017/18 waren es 53, 2018/19 bereits 152. Die Zahl der durch Pyrotechnik verletzten Polizisten stieg von 17 auf 87, die der unbeteiligten Verletzten von 32 auf 53 Personen. Unter den Betroffenen waren auch drei Störer und neun Ordner.

In dem unserer Redaktion vorliegenden Beschlussvorschlag unterstreichen die Innenminister ihre Auffassung, dass Änderungen im Sprengstoffgesetz geeignet seien, „der gesellschaftlichen Missbilligung wie auch der tatsächlichen Gefährlichkeit des Umgangs mit Pyrotechnik Ausdruck zu verleihen“. Dabei geht es um eine Hochstufung dieser Sprengstoffdelikte von der Ordnungswidrigkeit zur Straftat. Zudem wollen sie prüfen lassen, ob ein Führerscheinentzug auch ohne Gesetzesänderung möglich ist.