Private Altersvorsorge: Verbraucherschützer für „Extrarente“

Private Altersvorsorge : Verbraucherschützer für „Extrarente“

Die Riester-Rente ist seit langem als zu wenig attraktiv in Verruf. Wie sie reformiert werden soll, ist allerdings umstritten. Die Verbraucherschützer setzen auf ein neues staatliches Produkt.

Mit einer „Extrarente“ soll nach einer Forderung des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen der Markt der privaten Altersvorsorge attraktiver werden. Demnach sollen Arbeitnehmer künftig automatisch über ihren Arbeitgeber in die Extrarente einzahlen. Es sei denn sie widersprechen ausdrücklich. Für die Unternehmen soll der Mehraufwand begrenzt sein, da das Geld über einen öffentlich-rechtlichen Träger am Kapitalmarkt angelegt werden soll. Der Vorteil im Vergleich zu herkömmlichen Riester-Produkten: Die Rendite kommt den Einzahlern ohne Abzug von Provisionen zugute. Für die Extrarente sollen die gleichen staatlichen Zuschüsse wie bisher für Riester-Produkte gezahlt werden.

Die Idee ist nicht neu: Seit Jahren setzt sich die hessische Landesregierung für die sogenannte Deutschland-Rente als Alternative zu der in die Kritik geratenen Riester-Rente ein. Das Modell der Deutschland-Rente funktioniert ähnlich wie die Idee der Verbraucherschützer. Der hessische Finanzminister begrüßte somit den Vorstoß des Verbraucherzentralen-Bundesverbands: „Es spricht für die Idee, dass sie nun auch von den unabhängigen und an den Interessen der Bürgerinnen und Bürgern orientierten Verbrauchschützern aufgegriffen wird“, sagte  Thomas Schäfer unserer Redaktion. Er hoffe, dass die von Hessen aus angestoßene Diskussion um ein staatlich organisiertes Standardprodukt der privaten Altersvorsorge nun  in Berlin auch zu Ergebnissen führe.

Weitgehend Konsens besteht darüber, dass es bei der privaten Altersvorsorge Handlungsbedarf gibt. Die Neuabschlüsse bei der Riester-Rente stagnieren, viele Verträge werden nur mit geringen Summen bespart. Durch die Riester-Produkte hat sich die Sparquote der Verbraucher insgesamt nicht erhöht. Der Koalitionsvertrag sieht vor, dass ein „attraktives standardisiertes Riesterprodukt“ eingeführt werden soll.

Es ist kein Zufall, dass die Verbraucherschützer ausgerechnet jetzt ihre Idee offensiv bewerben. Im März 2020 soll die Rentenkommission der Bundesregierung ihre Vorschläge zur künftigen Sicherung der Altersvorsorge vorlegen. Ein Neustart der privaten Vorsorge könnte Teil des Pakets werden.

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Carsten Linnemann (CDU), forderte hingegen eine Reform, die bei der Riester-Rente selbst ansetzt: „Bevor wir jetzt über lauter neue Rentenmodelle reden, sollte der Staat erstmal Riester radikal entbürokratisieren und damit attraktiver machen.“ Der Staat müsse die Produkte am Ende mit einem Stempel versehen und zertifizieren. „Die Riesterrente ist mittlerweile fast schon zu einem Schimpfwort geworden.“

(qua)