„Pony“ meldet sich zu Wort „Hat man das nicht mitbekommen?“ – Neues Video nach Sylt-Eklat

Sylt · Das Video rund um rassistische Gesänge auf der Insel Sylt sorgte für Empörung. Viele sehen fehlende Zivilcourage der Anwesenden. Nun meldet sich die Nobel-Bar erneut mit einem Video auf Instagram, um Anwesende zu entlasten. Ein Unternehmen nutzt die Aufmerksamkeit anders.

 Zwei Frauen sitzen auf der Terrasse des Club „Pony“ in Kampen auf Sylt (Symbolbild).

Zwei Frauen sitzen auf der Terrasse des Club „Pony“ in Kampen auf Sylt (Symbolbild).

Foto: dpa/Lea Sarah Albert

Zum Hit „L’amour Toujours“ von Gigi D'Agostino grölen junge Menschen auf Sylt rassistische Parolen. Die Aktion wird gefilmt und findet in der letzten Woche ihren Weg in die sozialen Medien. Seitdem ist in Deutschland eine Welle an Reaktionen losgetreten: Der Staatsschutz ermittelt, Politikerinnen und Politiker äußern sich schockiert und Menschen im Netz äußern ihren Unmut über die Menschen und das „Pony“, in dem Parolen wie „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus!“ gerufen worden.

Der Betreiber der bekannten Bar in Kampen, in der die Party stattfand, distanziert sich und seine Bar von den Geschehnissen. „Wir sind immer noch geschockt und zutiefst bestürzt“, heißt es in einem ersten Statement auf Instagram. Das Personal habe von alldem nichts mitbekommen, heißt es weiter. Trotz dieser Klarstellung erhält der Club-Besitzer Morddrohungen.

„Wir werden aufs Übelste beleidigt und erhalten Morddrohungen.“ So die Worte in einem aktuellen Instagram-Beitrag der Nobel-Bar. Deshalb veröffentlichte sie nun eine Sequenz aus einem Überwachungsvideo, das die Szene aus einem anderen Blickwinkel zeigen soll. „Wir haben auf alle konstruktiven Nachrichten und Fragen reagiert und uns daher entschlossen, das Video zu veröffentlichen, um uns, unsere Mitarbeiter und unsere treuen Gäste zu schützen“, heißt es konkret auf dem Instagramprofil des Sylter Lokals. Zu sehen ist die Feier in ihrer Gesamtheit – die Gruppe der Parolen-Singenden rot eingekreist – um eine „Sippenhaft“ infrage zu stellen.

Abschließend soll die Frage „Hat man das nicht mitbekommen?“ beantwortet werden. „Ihr seht selbst, dass die Mehrheit auf dem Video ihren Spaß hat, während eine kleine Gruppe etwas skandiert, das mit unseren Grundwerten nicht vereinbar ist.“

Wirbel um Eklat zieht erste Unternehmen an

Nicht nur das „Pony“, sondern auch Unternehmen scheinen das Ausmaß rund um den Eklat zu erkennen – und zu nutzen. Ein Lieferservice für arabische Lebensmittel nutzt die Aufmerksamkeit rund um den Skandal für kommerzielle Zwecke. Die App „Getyolla“ bietet nämlich nun den Rabattcode „Sylt“ an, der 10 Prozent Rabatt auf die Bestellung „ausländischer“ Produkte verspricht. Dazu schreibt der Lieferservice auf seiner Instagramseite „Nazis bestellen heimlich Sucuk!“ und stellt klar „Ps: ihr könnt den Code wirklich nutzen!“.

(esch)
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