Polizisten bei Demo durch "Sprengsatz" verletzt: Polizei ermittelt wegen versuchtem Totschlag

Polizisten bei Demo durch "Sprengsatz" verletzt : Polizei ermittelt wegen versuchtem Totschlag

Berlin (RPO). Bei Protesten gegen die Sparpolitik der Bundesregierung haben Unbekannte einen Sprengsatz auf Polizisten geworfen. 15 Polizisten wurden verletzt, zwei mussten in einem Krankenhaus operiert werden. Die Polizei ermittelt wegen versuchtem Totschlag. Politiker und Polizeigewerkschaft zeigen sich bestürzt.

Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) verurteilte den Anschlag, bei dem 15 Beamte verletzt wurden, zwei davon schwer. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach am Wochenende von einer Eskalation der Gewalt durch Linksextremisten bei der Demonstration gegen das Sparpaket der Bundesregierung.

Laut Polizei erfolgte der Wurf des Sprengsatzes aus einem sogenannten antikapitalistischen Block heraus bei der Demonstration des Bündnisses "Wir zahlen nicht für eure Krise", an der am Samstag in Berlin rund 20.000 Menschen teilgenommen hatten. Als der Aufzug die Torstraße im Bezirk Mitte erreichte, wurden Polizisten mit Steinen und Flaschen beworfen. Diesen Zeitpunkt nutzten die Täter, um den Sprengsatz auf Beamte zu schleudern.

Durch die Wucht der Detonation wurden zwei Polizisten im Alter von 36 und 47 Jahren schwer verletzt. Sie wurden ins Krankenhaus gebracht und sofort operiert. 13 Beamte mussten ambulant behandelt werden. Welcher Art der Sprengsatz war, ist Gegenstand der Ermittlungen des polizeilichen Staatsschutzes. Ein Polizeisprecher sagte, noch lasse sich nicht sagen, ob dem Sprengkörper Metallteile oder Glassplitter beigefügt waren.

Der GdP-Vorsitzender Konrad Freiberg sagte, Splitter hätten die Schutzkleidung der Polizisten durchschlagen. Die schwer verletzten Beamten hätten mehrere Zentimeter breite Fleischwunden an den Beinen erlitten, die vom Stiefelschaft bis in die Leistengegend reichten. Nach Gewerkschaftsangaben ereigneten sich drei Detonationen.

"Spiegel Online" zitierte einen Polizeisprecher mit der Vermutung, es könnte sich bei dem Sprengsatz um sogenannte Polen-Böller handeln, die manipuliert oder aufgerüstet wurden. Diese meist in China hergestellten Feuerwerkskörper werden über Polen illegal nach Deutschland eingeführt. Sie gelten als extrem unsicher und haben eine hohe Sprengkraft. Der sogenannte Bombenleger von Rudow etwa soll für seine Sprengfallen Explosivstoffe aus Polen-Böllern genutzt haben. Eine seiner Briefbomben zerfetzte seiner Nichte im Herbst 2008 den Arm.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass Berliner Polizisten bei Demonstrationen mit gefährlichen Wurfgeschossen angegriffen wurden. Am 1. Mai vergangenen Jahres waren Polizisten mit einer Gasgranate attackiert worden, die auch das britische Militär nutzt. Durch das austretende CS-Gas wurden mehrere Beamte verletzt. In diesem Jahr wurde am Tag der Arbeit ein Feuerlöscher von einem Dach geworfen, der nur wenige Meter von Beamten entfernt aufschlug.

Die Berliner Justizsenatorin zeigte sich bestürzt über die Sprengsatzattacke. Der Vorfall sei ein "krimineller Akt, der mit dem Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit nichts mehr zu tun hat", sagte von der Aue. "Polizei und Staatsanwaltschaft werden alles tun, um die Täter zu ermitteln." Freiberg sprach von Mordversuchen. Die Politik müsse jetzt "Farbe bekennen", was sie gegen die Eskalation der Gewalt gegen Polizisten unternehme.

In Berlin und Stuttgart waren am Samstag nach Angaben der Veranstalter insgesamt 45.000 Menschen gegen die Kürzungspläne der schwarz-gelben Bundesregierung auf die Straße gegangen. Aufgerufen zu der Demonstration hatten auch die Linke und Gewerkschaften. Bei der Abschlusskundgebung in Berlin sprach die Linke-Bundesvorsitzende Gesine Lötzsch. In Stuttgart redete Verdi-Chef Frank Bsirske.

(DDP/awei)