Politik streitet über den Umgang mit Wölfen - Schäferverband fordert schnelle Klärung

Schäferverband fordert schnelle Klärung: Politik streitet über Umgang mit Wölfen

Jagen, töten oder besser schützen? Der Umweltausschuss hört Experten dazu an.

Jagen, töten oder besser vor ihnen schützen - wie will die Bundesregierung mit Wölfen umgehen? Der Umweltausschuss des Bundestages hört dazu am Mittwoch Experten an.

Stundenlang hatten Union und SPD in ihren Koalitionsverhandlungen um den Umgang mit einem einzigen Tier gerungen und konnten es im Nachhinein angesichts anderer Probleme selbst kaum fassen. Herausgekommen sind sechs Sätze in einem 175-seitigen Koalitionsvertrag. Es geht um den Wolf und die Frage, wie böse er sein kann, und was gegen ihn unternommen werden darf. So heißt es: Wir wollen, dass Wölfe, die Weidezäune überwunden haben oder für den Menschen gefährlich werden, entnommen werden."

Entnommen werden heißt: abschießen. Und da fängt der Ärger an. Erstens gibt es eben noch keine Richtlinien dafür, zweitens scheiden sich die Geister, ob der international geschützte Wolf getötet werden darf. Der Umweltausschuss des Bundestags wird am morgigen Mittwoch Experten dazu anhören. Die AfD ist für eine klare Regulierung der Wolfspopulation und auch die FDP fordert, den Wolf als "jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz" aufzunehmen. Die Linke will einen besseren -staatlich geförderten - Schutz von Herdentieren. So auch die Grünen, die die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht ablehnen.

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"Es gibt keine friedliche Koexistenz von Wölfen und Schafen"

Nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf gab es 2016 in Deutschland 285 Übergriffe von Wölfen, bei denen 1079 Nutztiere getötet oder verletzt wurden. Zu den Sachverständigen wird Eberhard Hartelt vom Deutschen Bauernverband zählen, der klare Richtlinien fordert. Seiner Ansicht nach muss es erlaubt sein, den Wolf abzuschießen, wenn es zu viele Tiere gibt und sie eine Gefahr für Nutztiere darstellen. "Es gibt keine friedliche Koexistenz von Wölfen und Schafen, und es gibt Regionen, wo der Wolf auch nicht hingehört. Entweder fällt die Entscheidung für den Wolf oder für die Weidetiere."

Der Vorsitzende der Berufsschäfer, Günther Czerkus, betont: "Wir Schäfer brauchen den Wolf nicht, aber wir haben nicht das Recht, ihn auszurotten." Es sei aber eine klare rechtliche Regelung nötig. "Sonst werden wir uns zu Tode klagen." Es brauche auch eine klare Definition, ab wann ein Wolf böse ist, wie er vertrieben werden darf, wer und wie viel für die Prävention zum Schutz von Nutztieren oder die Entschädigung bei gerissenen Tieren zahlt." Nachfrage: Wie vertreibt man einen Wolf? Czerkus: "Keine Ahnung."

(kd)