Führungsstreit in der Partei: Pirat Lauer gibt Droh-SMS an Ponader zu

Führungsstreit in der Partei : Pirat Lauer gibt Droh-SMS an Ponader zu

Im parteiinternen Streit hat der Berliner Piraten-Fraktionschef Christopher Lauer in einem Interview erstmals zugegeben, Geschäfstführer Johannes Ponader eine Droh-SMS geschickt zu haben.

Wie der "Spiegel" berichtet, habe Lauer Ponader "aus Ohnmacht und Verzweiflung" folgende Nachricht geschickt: "Wenn Du bis morgen 12.00 Uhr nicht zurückgetreten bist, knallt es gewaltig". Lauer erklärte weiter: "Man kann darüber streiten, ob meine Formulierung so geschickt war. Aber mir reicht es einfach."

Ponader wehrt sich indes gegen Vorwürfe, er habe der Partei nachhaltig geschadet. "Ich bin nicht der Sündenbock der Piratenpartei und die meisten Piraten sehen das auch nicht so" sagte Ponader am Sonntag "Spiegel Online".

"Unser Problem sind die ungelösten Flügelkämpfe, die immer wieder zu unnötigen Eskalationen führen und letztlich auch dazu, dass die Menschen nicht mehr genau wissen, wofür wir stehen", fügte Ponader hinzu. "Genau das habe ich versucht, zu ändern."

Führende Parteimitglieder werfen dem politischen Geschäftsführer vor, er profiliere sich durch Alleingänge und gebrochene Absprachen, anstatt einfach seinen Job zu machen. Ponader verteidigte sein Auftreten in der Öffentlichkeit.

"Ich bin vermutlich der einzige im Bundesvorstand, der es in den vergangenen Monaten gewagt hat, in Meinungsbildern der Basis formulierte Ziele nach außen zu vertreten", sagte Ponader. "Ich habe keine Angst vor einem möglichen Misstrauensvotum."

Die Partei erwägt derzeit, für den Wahlkampf einen neuen Vorstand zu wählen. In der kommenden Woche sollen die Mitglieder darüber in einer E-Mail-Umfrage entscheiden.

Der nordrhein-westfälische Piraten-Politiker Udo Vetter sagte "Spiegel Online", jeder wisse, "dass im Bundesvorstand zwischenmenschlich gar nichts mehr stimmt". "Dieser Vorstand ist am Ende."

Martin Delius, der für die Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, sieht in Neuwahlen keine Lösung. "Es reicht nicht, nur mal eben den Vorstand neu zusammenzusetzen", sagte er. "Kein Bundesvorstand wird sämtliche Strömungen der Partei bedienen können."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Piraten, die man kennen könnte

(AFP/nbe/csi)
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