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Hamburger SPD sucht Ausweg: Petersen will bleiben - Stapelfeldt auch

Hamburger SPD sucht Ausweg : Petersen will bleiben - Stapelfeldt auch

Hamburg (RPO). Nach dem Eklat um verschwundene Wahlzettel sucht die Hamburger SPD Wege aus der Krise. Entgegen Forderungen aus der eigenen Partei weigerte sich der Landesvorsitzende Mathias Petersen ebenso wie seine Konkurrentin Dorothee Stapelfeldt zurückzutreten.

Unterdessen griff die Bundesspitze ein: Der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil führte mit beiden Kandidaten Gespräche. Dienstagabend wollte der Landesvorstand über das weitere Vorgehen beraten.

Stapelfeldt und Petersen hatten sich einer Kampfabstimmung um die Spitzenkandidatur für die Bürgerschaftswahl 2008 gestellt. Die Mitgliederbefragung am Sonntag war abgebrochen worden, weil rund 1.000 Wahlzettel verschwunden waren. Nach Abbruch der Wahl sollen die Stimmzettel aber weiter ausgezählt worden sein. Von den vorhandenen 4.510 Stimmen entfielen laut „Hamburger Abendblatt“ 2.780 auf Petersen und 1.730 auf Stapelfeldt. Damit habe er die Wahl gegen Stapelfeldt gewonnen, selbst wenn die 959 verschwundenen Stimmzettel für seine Konkurrentin gewesen wären.

Ein Parteisprecher wies derartige Medienberichte zurück. Zum einen habe der Landesvorstand die Wahl offiziell abgebrochen, zum anderen sei die Zählkommission gar nicht mehr anwesend gewesen. Allerdings stimme, dass Petersen nach dem ersten Eindruck vorne gelegen habe, sagte der Sprecher. Außerdem bestätigte er einen Bericht, wonach Petersen noch Sonntagnacht zunächst seinen Rücktritt erklärt, dies aber kurz darauf wieder zurückgezogen habe.

SPD-Generalsekretär Heil kam nach Hamburg, um mit beiden Kandidaten zu sprechen, wie aus Parteikreisen zu erfahren war. Die Gespräche seien Montagabend zunächst ergebnislos abgebrochen und am Dienstag fortgesetzt worden. Aus der Partei wurden Forderungen nach dem Rücktritt der beiden Kandidaten oder sogar des gesamten Landesvorstandes immer lauter. Zugleich sanken die Chancen, die Mitgliederbefragung zu wiederholen.

Vier alternative Kandidaten im Gespräch

Medien diskutierten bereits mögliche Kandidaten, falls Petersen und Stapelfeldt zurücktreten sollten. Bekannte Namen wie Ex-Parteichef Olaf Scholz, Ex-Bürgermeister Henning Voscherau und Fraktionschef Michael Neumann waren ebenso im Gespräch wie der Bezirksleiter von Hamburg-Mitte, Markus Schreiber.

Ein Politiker zog erste Konsequenzen. Der Schatzmeister der Hamburger SPD, Harald Christ, kündigte laut Tageszeitung „Die Welt“ seinen Rücktritt an. Ursache sind demnach nicht nur berufliche Motive, sondern auch das Wahldebakel. Christ habe intern einen personellen Neuanfang gefordert. Auch Petersen müsse im Interesse der Partei sein Amt und seine Bewerbung die Bewerbung um die Spitzenkandidatur aufgeben, schrieb „Die Welt“.

Unterdessen setzte das Landeskriminalamt seine Ermittlungen fort. Nach Angagen eines Polizeisprechers wurden Befragungen durchgeführt und Spuren an der Urne gesichert, aus der die Wahlzettel verschwunden waren.

(apbackup)