Persönlich: Cem Özdemir . . . wird von Türken angefeindet

Persönlich : Cem Özdemir . . . wird von Türken angefeindet

Der Parteichef der Grünen, Cem Özdemir, steht im Mittelpunkt diplomatischer Verwicklungen zwischen Deutschland und der Türkei. So viel vorweg: Cem Özdemir ist Deutscher, ohne Doppelpass. Seine Eltern sind aus der Türkei zugewandert. Er selbst bezeichnete sich früher humorvoll als "anatolischer Schwabe". Für ein gutes deutsch-türkisches Verhältnis hat er sich immer eingesetzt.

Vor dem umstrittenen Auftritt von Recep Tayyip Erdogan in Köln übte Özdemir deutliche Kritik am türkischen Ministerpräsidenten. Der konterte damit, dass er Özdemir als "angeblichen Türken" bezeichnete und andeutete, der Grünen-Chef sei in der Türkei nicht mehr willkommen.

Seitdem sind Özdemir und seine Frau, eine aus Argentinien stammende Journalistin, im Internet heftigen Anfeindungen ausgesetzt. Hinter den Attacken werden Anhänger der islamisch-konservativen Regierungspartei Erdogans vermutet. Wie die Parteizentrale der Grünen gestern bestätigte, überprüft das Bundeskriminalamt gerade, ob der Grünen-Politiker möglicherweise Personenschutz benötigt.

Die Bundesregierung reagierte empört auf die Welle der Drohungen, die Erdogan mit seinen Angriffen gegen den Parteichef der Grünen ausgelöst hat. Der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu wurde ins Auswärtige Amt geladen. Man habe das "Befremden über Äußerungen aus der türkischen Regierung" deutlich machen wollen, hieß es aus dem Außenministerium. Özdemir selbst, der schon gelegentlich im Laufe seiner langjährigen politischen Laufbahn Personenschutz benötigte, nimmt die Anfeindungen gelassen, wie ein Sprecher der Grünen erklärte.

Dass die Regierung den Oppositionspolitiker in Schutz nimmt, ist ein freundlicher Akt der Diplomatie. Zumal Özdemir zuvor seinerseits die Kanzlerin gegen Buhrufe von Erdogan-Anhängern in Köln verteidigt hatte.

(qua)
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